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Negativzinsen sind sozialer

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Immer mehr Banken erhöhen die Gebühren. Doch das trifft vor allem die Einkommensschwächeren.

Am Weltspartag habe ich erlebt, wie ein Junge, der sein Sparschwein zur Sparkasse brachte, schwer enttäuscht wurde. Auf seine Frage, ob er denn nichts dafür bekomme, antwortete der Mitarbeiter: „Tut mir Leid, Geschenke gab es früher mal, die sind schon seit einigen Jahren abgeschafft.“ Über den Luftballon als Trostpflaster konnte sich das Kind nicht mehr freuen.

Doch die Erwachsenen freuen sich ebenso wenig. Sie ärgern sich über steigende Kontoführungsgebühren. Darüber, dass das Girokonto nicht mehr gratis ist, weil ihr monatlicher Geldeingang unter 3000 Euro liegt, wie es jetzt beispielsweise bei Deutschlands größter Privatkundenbank der Fall ist. Das belastet vor allem die Einkommensschwächeren. Auch der pauschale Zusatzbeitrag, den eine alternative Bank im Dezember als „solidarisch“ beschließen will, trifft die kleinen Kunden vergleichsweise härter. Ärgerlich sind auch Filialschließungen, wenn man sich mit Onlinebanking nicht auskennt. Ältere Menschen sind deutlich benachteiligt.

Die Banken leiden unter den Kosten der strengeren Regulierung, aber besonders unter sinkenden Zinsmargen. Der Abstand zwischen Kredit- und Einlagenzinsen, aus dem sie ihren Zinsüberschuss erwirtschaften, wird schmaler. Sie können die Einlagenzinsen nicht im Gleichschritt mit den Kreditzinsen senken, denn für erstere gibt es eine Untergrenze. Die Ertragsrückgänge versuchen die Institute daher auf andere Weise zu kompensieren.

Teilweise verursachen Einlagen sogar nur noch Kosten – nämlich wenn die Bank keine geeigneten Kreditnehmer mehr findet und die Einlagen die Kredite übersteigen. Die Genossenschaftsbanken parken solche Überhänge dann in der Regel bei der DZ-Bank, doch diese erhebt hierfür seit August 0,4 Prozent Negativzinsen, weil sie ihrerseits 0,4 Prozent bei der Europäischen Zentralbank zahlen muss. Seither beginnen einzelne Banken, diese Kosten direkt an die eigentlichen Verursacher weiterzugeben: an jene Kunden, die große Summen auf Giro- und Tagesgeldkonten herumliegen lassen. Würden sie das Geld längerfristiger festlegen, könnten die Banken leichter Kredite vergeben.

Die Weitergabe von Negativzinsen kostet Mut, denn sie haben leider durch eine irreführende Presse ein negatives Image. Ökonomisch gesehen sind Negativzinsen jedoch sinnvoll – und viel sozialer und effektiver als Gebührenerhöhungen!

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung (INWO).

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