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Erhöht die Risiko-Vorsorge: die Commerzbank.

Banken

Negativzinsen sind in aller Munde

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Noch schließt die Commerzbank aus, die Einlagen von Privatkunden zu belasten - doch sie relativiert diese Zusage bereits. Viele andere Geldhäuser bitten Kunden zur Kasse.

Es liegt etwas in der Luft, was Sparern überhaupt nicht gefallen dürfte. Nachdem die Europäische Zentralbank diesen Sommer jede Hoffnung auf eine zinspolitische Wende zerstört hat, ist die Diskussion über Negativzinsen auf Sparguthaben wieder neu entbrannt. Dass das eine reale Gefahr für Bankkunden ist, zeigte sich am Mittwoch auch an Äußerungen von Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels.

Bislang hatte die Commerzbank stets betont, Privatkunden nicht mit Negativzinsen belasten zu wollen. Engels erklärte zwar, dass die Bank weiterhin daran festhalte. Wenn sich aber im Markt der Trend durchsetze, Negativzinsen zu erheben und die Commerzbank dadurch plötzlich mit Kundeneinlagen überschüttet werde, dann müsse auch sie überlegen, wie sie damit umgehe, schränkte Engels ein. Sprich: Die Commerzbank mit ihren rund 13 Millionen Privatkunden in Deutschland legt sich nicht mehr ganz so klar fest.

Banken müssen minus 0,4 Prozent Strafzins zahlen, wenn sie Geld über Nacht bei der EZB parken. Der könnte demnächst noch steigen. Eine Umfrage des Finanzportals Biallo ergab zuletzt, dass inzwischen mindestens 112 Banken und Sparkassen einen negativen Zins auf Guthaben ihrer Kunden verlangen, die meisten davon auf Firmenguthaben.

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Aber auch von vermögenden Privatkunden – teils schon ab Einlagen von 100.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten – erheben mindestens 30 Institute schon ein sogenanntes Verwahrentgelt. Wobei Verbraucherschützer darauf hinweisen, dass Banken ein solches Entgelt nicht einfach per Aushang festlegen können, sondern jedem Kunden dafür einen neuen Kontovertrag vorlegen müssen - mit der Gefahr, dass der sich daraufhin ein neues Geldinstitut sucht. Viele Banken versuchen daher eher, mit höheren Gebühren für Produkte und Dienstleistungen mehr Geld in ihre Kassen zu spülen.

Commerzbank-Zahlen enttäuschen die Anleger

So haben in der ersten Hälfte dieses Jahres 215 Banken und Sparkassen die Preise ihrer Girokonten erhöht, so eine weitere Erhebung von Biallo – und zwar bei fast allen Girokontenmodellen durchschnittlich um satte 20 Prozent. 38 Banken und Sparkassen dagegen halten weiterhin an wirklich kostenlosen Konten fest: Sie verzichten auf die monatliche Grundgebühr, einen Mindestgeldeingang, Girocard und Überweisungen sind bei ihnen auch gratis. Zu diesen Geldhäusern zählt auch die Commerzbank.

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Das Frankfurter Geldhaus legte am Mittwoch Zahlen für das zweite Quartal vor und schickte damit seinen Aktienkurs auf Talfahrt. Die Papiere verloren mehr als sechs Prozent und notierten zwischenzeitlich bei einem Drei-Jahres-Tief von 5,36 Euro.

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Zwar gewann das Unternehmen erneut viele neue Privat- und Firmenkunden hinzu und verdiente unter dem Strich mit 271 Millionen Euro genauso viel wie ein Jahr zuvor. Allerdings war dies vor allem auf eine ungewöhnlich niedrige Steuerlast im vergangenen Quartal zurückzuführen. Die Risikovorsorge für faule Kredite hingegen stieg deutlich. Auch wenn die Commerzbank betonte, dass ihr Kreditportfolio insgesamt sehr gesund sei, fürchten Beobachter offenbar, dass dies nur die ersten Auswirkungen der Wirtschaftseintrübung in Deutschland sein könnten.

Zudem gab die Bank nur einen sehr verhaltenen Ausblick: „Die Herausforderungen für die Branche und für uns nehmen weiter zu. Dies wird vermutlich weitere Investitionen erfordern“, sagte Vorstandschef Martin Zielke. Die Bank will im Herbst eine neue Strategie für die Zeit nach 2020 vorlegen.

Für dieses Jahr hält das Institut zwar weiterhin an seinen Zielen fest: So will es ein Ertragswachstum von plus drei Prozent und einen leicht höheren Gewinn als 2018 (865 Millionen Euro) abliefern. Das scheint allerdings kaum mehr erreichbar: Im ersten Halbjahr sank der Überschuss um fast 27 Prozent auf 391 Millionen Euro, die Erträge gingen um 2,5 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zurück. „Wir wissen, dass wir uns für die Prognose, die wir gegeben haben, etwas mehr Mühe geben müssen als wir es ohnehin schon tun“, so Engels.

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