Biodiversität

Naturschutz ist auch eine Frage des Geldes

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Die UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt enttäuscht trotz guter Zahlen, Kritiker beklagen "Schönreden".

Naturschützer sind ernüchtert von den Ergebnissen der UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD) im ägyptischen Sharm-El-Sheikh. Günter Mitlacher, Leiter Internationale Biodiversitätspolitik beim WWF, sagte der FR, zwar seien die Vertragsstaaten ihrem vor acht Jahren im japanischen Aichi formulierten Ziel, 17 Prozent der Landmasse und der Meere unter Schutz zu stellen, ein ganzes Stück näher gekommen. 15 Prozent seien erreicht. Doch die Zahlen seien fragwürdig, sie stünden häufig nur auf dem Papier und seien kaum unabhängig zu überprüfen.

Mitlacher verlangt, dass sich die 196 Vertragsstaaten bei der kommenden Konferenz 2020 in Peking auf einen Mechanismus verständigen, wie die gemeldeten Gebiete auch tatsächlich geschützt werden können und wie dies dann laufend überprüft werden kann. „Wir müssen die Zeit des Schönredens beenden“, sagte er. Für die Konferenz in Peking fordert der WWF eine verbindliche Teilnahme der Staats- und Regierungschefs. Dann geht es um die neue Biodiversitätsstrategie bis 2030.

Der WWF ruft Kanzlerin Angela Merkel auf, sich für einen Naturgipfel der Staats- und Regierungschefs in 2020 einzusetzen. „Um uns herrscht der dauerhafte ökologische Ausnahmezustand, bloße Lippenbekenntnisse bringen nichts. Die Chefs gehören persönlich an den Verhandlungstisch, um die Biodiversitätskrise zu bewältigen“, sagt Mitlacher. 2020 ist auch aus deutscher Sicht spannend: Denn dann hat die Bundesrepublik die EU-Ratspräsidentschaft inne und ist damit für die EU federführend in Sachen Biodiversität.

Mitlacher beklagt aber auch die fehlenden finanziellen Mittel für das Management der Schutzgebiete. Genügend Geld sei nicht einmal in Europa vorhanden. Der WWF-Beobachter verwies darauf, dass für die europäischen Gebiete „Natura 2000“ pro Jahr 1,4 Milliarden Euro nötig seien, vorhanden sei nicht einmal die Hälfte. Vor diesem Hintergrund sieht Mitlacher das an sich wünschenswerte Ziel skeptisch, nicht nur 17 Prozent, sondern 30 Prozent der Erde unter Naturschutz zu stellen. „Wir reden darüber“, doch es gebe Zweifel, wie diese Zahl etwa in Afrika oder dem dicht besiedelten Europa erreicht werden könne.

30 Prozent bis 2030 – dieses Ziel hatte kürzlich unter anderem der in den USA lebende Schweizer Unternehmer Hansjörg Wyss ausgeben und für einen „New Deal for Nature“ eine Milliarde Dollar zur Verfügung gestellt. Wyss und seine gleichnamige Stiftung hoffen, dass er mit seiner Kampagne eine Wende einleiten kann, ähnlich wie mit dem Pariser Klimaabkommen. „Es geht darum, wie der dramatische Niedergang der biologischen Vielfalt und damit eine weitere Zuspitzung einer der größten schleichenden Krisen für unsere Zukunft verhindert werden kann“, sagt Georg Schwede, Vertreter der Wyss-Foundation. „Für das Artensterben gibt es keine Reset-Taste“, sagt Schwede: „Weg ist weg, unwiderruflich!“

Mindestens verbal ist das Signal angekommen: Auch EU-Umweltkommissar Karmenu Vella spricht beim Artensterben von einer „existenziellen Bedrohung, die genauso besorgniserregend ist wie der Klimawandel“.

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