Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Finanzkrise

Die nächste Krise kommt!

VWL-Studierende sollten besser vorbereitet werden.

Von Henri Schneider

Zum zehnten Mal jährt sich kommenden Herbst die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers und damit der Ausbruch einer der größten globalen Finanzmarktkrisen der Geschichte. Obwohl die Krise weltweit desaströse Folgen für Millionen von Menschen hatte, vernachlässigen viele VWL-Studiengänge nach wie vor die Bedeutung des Geld- und Finanzsystems für die Wirtschaft.

„Wieso hat das niemand kommen sehen?“ fragte die Queen im November 2008 die Vertreter der London School of Economics zu Recht – doch noch immer stellen Wirtschafts- und Finanzkrisen in der Lehre ein Randphänomen dar. Zwar wurden inzwischen viele Lehrbücher um ein Kapitel oder Infokasten zur Finanzkrise erweitert, allerdings ohne es mit dem restlichen Inhalt des Buches zu verknüpfen. Auch Pflichtveranstaltungen zu Theorie- und Wirtschaftsgeschichte werden im VWL-Studium kaum angeboten, obwohl der Einfluss der Wirtschaftswissenschaften auf die Deregulierung der Finanzmärkte und damit auf die Rahmenbedingungen des Crashs unbestreitbar ist.

Das Paradigma von Marktgleichgewichten, rationalen Akteuren und sofortigen Preisanpassungen ist nach der Krise ins Wanken geraten. Doch nach wie vor steht die neoklassische These des effizienten Marktes im Zentrum der Lehre. Wichtige Finanzmarkt-Phänomene, wie Herdenverhalten, innovative Finanzprodukte und systemische Risiken, fehlen in den Vorlesungen. Auch historische Analysen wie die Instabilitätshypothese von Hyman P. Minsky, die zeigt, dass Krisen auf Finanzmärkten unausweichlich sind, werden in der Lehre meist ausgespart.

Die nächste Finanzmarktkrise kommt bestimmt, so die Auffassung renommierter Ökonomen, wie Stiglitz, Keen und Mazzucato. Deswegen ist es höchste Zeit, Studierenden die Grundwerkzeuge einer reflektierten und kritischen Analyse mitzugeben. Dazu gehören Methoden- und Theorienpluralismus sowie die historische Einordnung des Untersuchungsgegenstandes. Ein umfassendes Krisenverständnis ist besonders für den großen Teil der Studierenden, die später in Banken oder Behörden arbeiten werden, von entscheidender Bedeutung. Solange diese Reflektion nicht stattfindet, bleibt fraglich, ob künftige Finanzkrisen verhindert werden können.

Der Autor ist Mitglied beim NWPÖ und studiert VWL und Politikwissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare