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Schwäb'sch isch net schee.

Analyse

Häufig geringeres Einkommen durch Dialekt

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Wer Dialekt spricht, wird zwar oft für lebhafter, aber auch schlechter gebildet gehalten. Das kann ökonomische Folgen haben. Die Analyse.

„Wir können alles außer Hochdeutsch“, warb einst das Land Baden-Württemberg für sich und seinen Standort. Das ist zwar nicht ganz korrekt. Dennoch erkennt man auch sich im Hochdeutschen versuchende Badener und Schwaben häufig an ihrer Sprachmelodie – und das ist bei Bayern, Berlinern, Hessen und Hamburgern auch nicht anders. Das reine „Tagesschau-Deutsch“ gilt hierzulande als die gehobene Art, Worte auszusprechen, daher verfügt sein Sprecher meist über ein gehobenes Sozialkapital. Wer dagegen einen anderen regionalen Dialekt spricht, gilt eher als lokal verbunden und damit tendenziell begrenzt. Das hat Folgen: Laut einer neuen Studie verdienen Dialekt sprechende Menschen im Durchschnitt weniger als die „Hochdeutschen“. Die Lücke entspricht in etwa der zwischen Männer- und Frauenverdiensten.

Dialekt und Lohn stehen in Korrelation

Den Dialekt lernt man als kleines Kind, und er ist laut Untersuchungen im späteren Leben schwer wieder abzulegen. Gleichzeitig ist belegt, dass die Zuhörer vom Dialekt auf bestimmte Eigenschaften des Sprechers schließen. So werden Dialekt sprechende Menschen oft für lebhafter, aber auch schlechter gebildet gehalten. Das zeitigt ökonomische Folgen. So haben zwei Studien herausgefunden, dass die Sprechweise die Chancen von Mietern beeinflusst, eine Wohnung zu finden. Andere Untersuchungen aus Deutschland belegen, dass Menschen eher zur Kooperation mit anderen bereit sind, die die eigene Aussprache teilen.

Eine Studie der Universitäten München und Chicago hat nun auf Basis von Daten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) die Stärke von Dialekten von Arbeitnehmern ins Verhältnis zu ihrer beruflichen Qualifikation und ihrem Einkommen gesetzt um herauszufinden, ob aus dem Dialekt eines Beschäftigten ein Lohnabschlag folgt. Dabei haben sie versucht zu berücksichtigen, dass die Dominanz eines Dialekts in einer Region und die Struktur der regionalen Wirtschaft zuweilen miteinander zusammenhängen – so sind in Baden-Württemberg viele erfolgreiche Weltkonzerne zu Hause, in Ostdeutschland dagegen nicht. Daraus allein kann man jedoch nicht schließen, dass das Schwäbische zu höheren Verdiensten führt als des Sächsische. Zwischen Dialekt und Lohn besteht also zuweilen eine Korrelation, aber keine Kausalität.

Dialekt im Außenkontakt von Nachteil

Alle ihre Berechnungen, so die Studienautoren, deuten darauf hin, dass ein deutlicher regionaler Dialekt zu einem Lohnabschlag von etwa 20 Prozent führt. Dieser Abschlag sei vergleichbar mit dem Gender Wage Gap, also mit der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Aber was erklärt die Dialekt-Lücke? Hier können die Autoren nur Vermutungen anstellen. Sie finden kaum Belege für ein diskriminierendes Verhalten der Arbeitgeber. Eher vermuten sie Diskriminierungen zwischen den Arbeitnehmern oder zwischen Angestellten und Kunden des Unternehmens.

Sichtbar sei allerdings, dass Beschäftigte mit regionalem Dialekt eher Jobs mit ausgiebigem zwischenmenschlichem Kontakt scheuen. Dadurch vermieden sie hohe dialektbezogene Lohnabschläge, die besonders in diesen Jobs vorkämen und suchten sich stattdessen Arbeitsplätze mit geringerem Außenkontakt, bei denen die Lohnabschläge geringer seien. Diese berufliche Sortierung sei in Deutschland ähnlich stark wie im Falle afroamerikanischer Beschäftigter in den USA.

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