Grüne Finanzen

Nachhaltigkeit: Zentralbanken wollen ergrünen

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Die Zentralbanken 46 Länder legen ein Handbuch für Nachhaltigkeit des Finanzsystems vor. Bundesbank-Vorständin Mauderer bezeichnet Klimarisiken als Finanzrisiken.

Das Handbuch umfasst 40 Seiten und soll ein Anfang sein. Längst haben auch Zentralbanken erkannt, dass sie sich dem Thema nachhaltiges und verantwortliches Investieren nicht verschließen können. Nicht um saubere und klimafreundliche Energieerzeugung oder die Einhaltung von sozialen Kriterien in der Industrie aktiv zu fördern. „Klimarisiken sind finanzielle Risiken und können die Stabilität des Finanzsystems gefährden“, sagt Sabine Mauderer, im Vorstand der Bundesbank für Nachhaltigkeit zuständig. Sie leitet die Arbeitsgruppe „Scaling up green finance“ (etwa „Grünen Finanzen einen höheren Stellenwert geben“) des Netzwerkes von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden für das „Ergrünen“ des Finanzsystems (NGFS – Network for Greening the Financial System). Es wurde im September 2017 von den Notenbanken aus China, Deutschland, Frankreich, Mexiko, Singapur, Großbritannien und Schweden gegründet und zählt mittlerweile 46 Mitglieder. Die US-Notenbank Fed, die wichtigste Zentralbank der Welt ist ebenso wenig dabei wie die Notenbank Japans.

Mit dem jetzt von Mauderer vorgestellten Handbuch geht das Netzwerk den nächsten Schritt und will Zentralbanken den Anstoß geben, in ihren Portfolios Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen, etwa durch den Kauf grüner Anleihen oder durch Ausschlusskriterien für Aktien und Anleihen bestimmter Unternehmen. Es enthält auch eine Bestandsaufnahme, wie weit einzelne Notenbanken auf diesem Weg bereits gegangen sind. „Nachhaltiges und verantwortliches Investieren (SRI) treibt Zentralbanken zunehmend um“, sagt Mauderer. „Wir wollen auch als Katalysator für Nachhaltigkeit in der Finanzindustrie agieren“.

Eine mit dem Handbuch publizierte Umfrage zeige, so Mauderer, „dass 25 der 27 teilnehmenden Zentralbanken bereits SRI-Kriterien im Portfoliomanagement berücksichtigen oder planen, dies in Zukunft zu tun.“ Dies betrifft das Management der Eigenanlagen der Zentralbanken. Bei der Bundesbank sind das rund zwölf Milliarden Euro. Dafür sei man gerade dabei die Kriterien für Nachhaltigkeit zu definieren.

Für nachhaltige Anlagen kommt bei der Bundesbank Mauderer zufolge auch das Portfolio für Pensionen infrage, während es beim sogenannten Politik-Portfolio und bei Fremdportfolios schwieriger sei. Das Politik-Portfolio umfasst vor allem Währungsreserven und Anleihen, die die Bundesbank im Rahmen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hält. Hier investiere die Bundesbank auch in Grüne Anleihen. Der Anteil liegt aber bei nicht einmal ein Prozent. In ihren Fremdportfolios verwaltet die Bundesbank Mittel der Bundesländer und von Bundesbehörden. Hier muss sie sich nach Anlagevorgaben der Auftraggeber richten. Bei zehn von 16 Mandaten sei Interesse für das Thema Nachhaltigkeit groß, sagt Mauderer.

Verschiedene Strategien

In dem Handbuch erläutern die Zentralbanken aus Norwegen, den Niederlanden, Italien, Frankreich, Ungarn, der Schweiz und Mexiko ihre Nachhaltigkeitsstrategien. Die Norweger etwa haben 2018 Papiere von 45 Unternehmen wegen Nachhaltigkeitsrisiken und klimaschädlicher Geschäftspolitik aussortiert. Die Italiener wollen ihr Portfolio so gestalten, dass die daraus resultierenden Treibhausgas-Emissionen um ein Viertel, der Energieverbrauch um ein Drittel und der Wasserverbrauch um knapp 20 Prozent sinken. Die Banque de France hat 100 Millionen Euro in „grüne“ Infrastrukturfonds investiert. Die mexikanische Notenbank setzt unter anderem auf Green Bonds und auf Anleihen von internationalen Organisationen, die Entwicklungsprojekte finanzieren.

Solche Einblicke in die Nachhaltigkeit ihres Portfolios gewährt die Bundesbank nicht. Man sei sehr gut aufgestellt, sagt Mauderer ledig. Und schaue, ob es noch Verbesserungsbedarf gebe. Ausdrücklich betont sie, dass die Bundesbank im Blick auf Nachhaltigkeit „keinen politischen Anspruch habe“. Die Zentralbank agiere marktneutral und ziele nicht direkt darauf ab, mit ihren Investments einen positiven ökologischen oder sozialen Impuls zu geben. Es gehe allein um die Minderung von Finanzrisiken durch den Klimawandel.

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