1. Startseite
  2. Wirtschaft

Nachhaltigkeit ist gefragt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Antje Mathez

Kommentare

Auftrieb nach Kriegsbeginn: Solaranlagen sind begehrt.
Auftrieb nach Kriegsbeginn: Solaranlagen sind begehrt. © IMAGO/Rolf Poss

Der Aktienindex GCX wird wieder überprüft: Fossile Energien verlieren dabei weiter an Boden.

Ein Satz fiel in diesen traurigen Tagen häufig: „Energiepolitik ist auch Sicherheitspolitik.“ Man müsse von Gas, Kohle und Erdöl aus Russland unabhängiger werden, schnell die Erneuerbaren ausbauen, so die unisono vertretene Meinung der Politik. „Der wirkliche Weg zu energiepolitischer Unabhängigkeit ist der Ausstieg aus den fossilen Energien“, wiederholte etwa Energie- und Wirtschaftsminister Robert Habeck als Gast in unzähligen Talkshows. Selbst FDP-Chef Christian Lindner sprach in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag bei erneuerbaren Energien erstmals von „Freiheitsenergien“, in die massiv investiert werden müsse.

Im Kielwasser dieser Bekenntnisse und der Berichterstattung über steigende Energiepreise erfuhren Unternehmen, die ihr Geld mit Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft verdienen, erheblichen Auftrieb. Solarunternehmen wie Sunpower oder First Solar oder Windkraftspezialisten wie Nordex, die im Nachhaltigkeitsindex GCX gelistet sind, verzeichneten an den Aktienmärkten in der vergangenen Woche zweistellige Zuwachsraten. Und das scheint keinesfalls eine unsichere Wette auf die Zukunft zu sein: Wie eine Analyse der Preisvergleichsplattform Idealo zeigt, ist das Kaufinteresse an Produkten aus dem Bereich erneuerbare Energien sprunghaft gestiegen. So sei die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen mit Ausbruch des Krieges am 24. Februar 2022 in die Höhe geschnellt: Bereits eine Woche später habe sich die Nachfrage mehr als verdoppelt, berichtet Idealo. Vergangenen Sonntag sei die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen auf Idealo dann fast achtmal höher gewesen als noch am 24. Februar 2022.

Entwicklung der Aktienkurse seit Kriegsbeginn
Nachhaltige Werte im GCX © FR-Layout

Passend in die Zeit hat auch die Börse Hannover, die den Global Challenges Index vor 15 Jahren lanciert hat, den fossilen Gürtel enger geschnallt und zusätzliche sowie verschärfte Ausschlusskriterien für den Nachhaltigkeitsindex beschlossen. So gilt jetzt auch die Gewinnung von Erdgas als nicht kompatibel mit den Kriterien des GCX. Unternehmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit der Gewinnung von Erdgas erzielen, haben damit keinen Platz im Nachhaltigkeitsindex. Zudem wird „eine Nulltoleranzgrenze“ für Unternehmen gesetzt, die Dienstleistungen für den Abbau von Ölsanden erbringen oder in die Vorproduktionsphasen des Abbaus oder der Bohrung von Ölsanden involviert seien. Der zeitliche Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine und die Debatte über Öl- und Gaslieferungen aus Russland sei allerdings „purer Zufall“, wie ein Sprecher der Börse der FR mitteilte. Auslöser seien vielmehr die permanenten Verschärfung der Nachhaltigkeitskriterien am Markt – allen voran bei Instituten, die Nachhaltigkeits-Siegel vergeben, wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Ziel sei es, die Qualität des GCX immer weiter zu verbessern.

Aus diesem Grund wurde auch in anderen Bereichen nachgeschärft. So etwa bei Rüstungsgütern. Nicht nur deren Produktion, auch der Vertrieb ist nun ausgeschlossen. Das Gleiche gilt für grüne Gentechnik. Ganz neu auf dem Ausschlusskatalog steht die Stammzellenforschung. Und auch schwere und systematische Verstöße gegen die Regeln des Verbraucherschutzes führen jetzt zum Ausschluss aus dem Index.

GCX-Rebalancing: Alle Unternehmen genügen den verschärften Kriterien

Die Neuerungen teilte der Börsenbetreiber anlässlich des am Freitag anstehenden Rebalancings mit. Wie jedes Jahr im März und im September wurden die 50 im GCX gelisteten Aktien von der Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS ESG auf ihre Kompatibilität mit den alten und neuen Kriterien des Index überprüft. Das Ergebnis: Zum Stichtag am 18. März werden keine Veränderungen vorgenommen. Dass keine Unternehmen aus dem Global Challenges Index ausgetauscht werden müssten, bestätige „die bereits vorhandene hohe Qualität bei der Auswahl und die Sinnhaftigkeit der strengen Kriterien“, sagte Hendrik Janssen, Geschäftsführer der Börse Hannover. „Gerade in den aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen“ sei es notwendig, „am Ball zu bleiben und die Auswahlkriterien immer wieder neu zu überprüfen und nachzubessern.“

Auch interessant

Kommentare