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Die Corona-Pandemie trifft die Modeketten und Bekleidungshändler hart. Darunter leiden Hunderttausende Fabrikarbeiter und Näherinnen in Asien.

Nachhaltige Textilien

Schonfrist für Modehändler

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Das Textilbündnis reagiert auf die Corona-Krise: Die Unternehmen müssen 2020 nicht über ihre Anstrengungen für nachhaltigere Lieferketten berichten.

  • Nachhaltige Textilien: Berichtspflicht wegen Corona-Krise ausgesetzt
  • Review-Prozess wurde gerade erst verschärft
  • Corona-Nothilfefonds soll Pandemie-Folgen abmildern

Die rund 100 Mitglieder des Bündnisses für nachhaltige Textilien müssen 2020 nicht über ihre Anstrengungen für eine sozial und ökologisch verantwortungsvollere Wertschöpfungskette informieren. Die Berichtspflicht wurde wegen der Corona-Krise für ein Jahr ausgesetzt, wie Jürgen Janssen vom Bündnis-Sekretariat auf Anfrage bestätigte. Erst im April 2021 sollen die Unternehmen – von Adidas über KIK und Trigema bis Vaude – nun ihre Roadmaps für eine nachhaltigere Produktion wieder für einen zweijährigen Turnus vorlegen.

Das 2014 als Reaktion auf tödliche Unfälle in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) gegründete Bündnis hatte den Review-Prozess für die Firmen nach Kritik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gerade erst verschärft. Demnach sollen die Ziele und Maßnahmen der Unternehmen konsequenter auf die Risikoanalyse ihrer Lieferkette bezogen werden. Zudem sind künftig für jede Firma Auswertungsgespräche geplant.

Corona-Krise: Dramatische Umsatzeinbrüche bei Modeketten

Die Corona-Pandemie trifft die Modeketten und Bekleidungshändler hart. Angesichts dramatischer Umsatzeinbrüche haben viele ihre Bestellungen storniert. Darunter leiden Hunderttausende Fabrikarbeiter und Näherinnen in Asien, die für große Auftraggeber wie C&A oder H&M fertigen, wie Human Rights Watch berichtet.

„Existenziell bedroht sind oft Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen, die angesichts ausbleibender Löhne nicht mehr wissen, wie sie ihre Familien durchbringen sollen“, sagt Textilexpertin Gisela Burckhardt von der Frauenrechtsorganisation Femnet.

Corona-Nothilfefonds gegründet

Für Berndt Hinzmann vom entwicklungspolitischen Inkota-Netzwerk muss es jetzt darum gehen, katastrophale Folgen einer Pandemie wie Corona für die Produktionsländer in Zukunft zu vermeiden. „Für die Menschen sind existenzsichernde Löhne ebenso nötig wie soziale Sicherungssysteme“, sagt Hinzmann. „Das Textilbündnis als international vernetzte Partnerschaft aus Bundesregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft sollte diese Aufgabe jetzt zügig in Angriff nehmen.“

Um die ärgste Not zu lindern, hat Femnet einen Corona-Nothilfefonds gegründet und ruft zu Spenden auf. Über Partner in Südindien und Bangladesch werden bereits Grundnahrungsmittel an die Ärmsten verteilt. Auch Inkota ist dabei, kurzfristig einen Hilfsfonds für betroffene Textilbeschäftigte aufzusetzen, wie Hinzmann ankündigte.

Tobias Schwab

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