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Dijsselbloems hört auf.

Eurogruppe

Nachfolger für Dijsselbloem gesucht

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Das Mandat von Jeroen Dijsselbloem als Chef der Eurogruppe läuft im Januar aus. Einen eindeutigen Favoriten gibt es bislang nicht - aber gleich mehrere Finanzminister mit Ambitionen.

In der Europäischen Union ist erneut ein Rennen um einen Brüsseler Top-Job entbrannt. Denn die Staaten der Währungsunion suchen dringend einen neuen „Mister Euro“ – also einen Chef der einflussreichen Gruppe der Euro-Finanzminister.

Das Mandat von Amtsinhaber Jeroen Dijsselbloem aus den Niederlanden läuft Mitte Januar aus. Eine Verlängerung ist nicht möglich, weil Dijsselbloem und seine sozialdemokratische Partei der Arbeit der neuen niederländischen Regierung nicht mehr angehören werden.

Er werde den Posten als niederländischer Finanzminister voraussichtlich in der zweiten Oktoberhälfte an seinen Nachfolger übergeben, sagte der 51-jährige Dijsselbloem Anfang der Woche nach einem Eurogruppentreffen in Luxemburg. 

Kein Favorit, aber viele ambitionierte Minister

Den Vertretern der anderen Staaten habe er aber angeboten, den Vorsitz in der Runde der Eurofinanzminister bis zum offiziellen Ende des Mandats am 13. Januar wahrzunehmen. „Es gab einstimmige Unterstützung dafür“, berichtete Dijsselbloem.

Der Niederländer wird dann insgesamt fünf Jahre an der Spitze der Eurogruppe gestanden haben, die die wichtigsten politischen Entscheidungen in Bezug auf die Währungsunion fällt.

Wer ihm nachfolgt, ist vollkommen offen. Es gibt bisher keinen eindeutigen Favoriten – aber gleich mehrere nationale Finanzminister, denen Ambitionen nachgesagt werden, neben ihrem Job in der Heimat auch den Vorsitz der Eurogruppe zu übernehmen. Die Staaten wollen den Dijsselbloem-Nachfolger kurz vor Weihnachten bestimmen.

Franzose gilt als möglicher Kandidat

Als ein möglicher Kandidat gilt der französische Ressortchef Bruno Le Maire. „Der ist schon recht aktiv. Aber es ist nicht klar, wie stark die Franzosen ihn nach vorn schieben“, hieß es am Mittwoch in Brüsseler Eurokreisen.

Gegen Le Maire könnte sprechen, dass bereits der zuständige EU-Kommissar Pierre Moscovici Franzose ist. Für ihn könnte neben seiner fachlichen Qualifikation hingegen sprechen, dass sich der übliche Rechts-Links-Proporz ausblenden ließe: Le Maires politische Heimat sind die französischen Konservativen, er schloss sich jedoch kürzlich der sozialliberalen Reformbewegung LREM von Staatspräsident Emmanuel Macron an.

Interesse am Eurogruppenvorsitz wird auch dem Slowaken Peter Kazimir, einem Sozialdemokraten, nachgesagt. „Aber dem fehlt ein bisschen der Esprit“, heißt es in Brüssel. Ähnliches gelte für den portugiesischen Ressortchef Mario Centeno, der ebenfalls aus dem linken Lager kommt.

Auch der Name des Luxemburgers Pierre Gramegna wird genannt. Er ist Liberaler – doch könnte gegen ihn sprechen, dass mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bereits ein anderer Luxemburger einen europäischen Schlüsselposten besetzt.

Bewerbung aus Deutschland ist unwahrscheinlich

Dienstältestes Mitglied der Eurogruppe ist nach dem geplanten Ausscheiden von Wolfgang Schäuble (CDU) fortan der konservative Spanier Luis de Guindos. Ihm werden allerdings Ambitionen nachgesagt, im kommenden Jahr zur Europäischen Zentralbank zu wechseln.

Offizielle Bewerbungen für die Dijsselbloem-Nachfolge sollen ab Anfang Dezember möglich sein. Einen deutschen Kandidaten wird es voraussichtlich nicht geben: Denn schließlich ist unklar, ob hierzulande bis dahin überhaupt eine neue Regierung auf die Beine gestellt werden kann und wer das Bundesfinanzministerium übernimmt.

Außerdem hat Deutschland schon zwei wichtige Chefposten in europäischen Finanzinstitutionen besetzt: Der Euro-Rettungsschirm ESM steht unter der Leitung von Klaus Regling, während Werner Hoyer der Europäischen Investitionsbank vorsteht.

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