Ölpumpen in Bahrain: Auch im Juli wollen die Ölstaaten die Förderung um 9,7 Millionen Fass pro Tag senken.  
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Ölpumpen in Bahrain: Auch im Juli wollen die Ölstaaten die Förderung um 9,7 Millionen Fass pro Tag senken.

Opec

Nach Einigung der Öl-Staaten: Spritpreise steigen wieder

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Die Opec und ihre Partner wollen die Ölförderung auch weiterhin drosseln. Die Ankündigung zeigt sofort Wirkung an den Tankstellen.

Fahrer von Diesel-Autos gehörten bislang zu den Gewinnern der Corona-Krise. Die Preise sackten zeitweise unter die Marke von einem Euro. So billig war der Sprit seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr. Doch diese Zeiten sind vorbei. Gestern kostete der Liter nach den Berechnungen des Verbraucherportals Clever Tanken 1,05 Euro im Bundesdurchschnitt. Für Super E10 mussten Automobilisten knapp 1,20 Euro bezahlen. Und die Preise werden in der nächsten Zeit weiter steigen.

Kraftstoff-Notierungen vollziehen in der Regel mit einem Abstand von einigen Tagen die Veränderungen beim Rohöl nach. Und hier gab es in jüngster Zeit nur eine Richtung: nach oben. Gestern kostet ein Fass (à 159 Liter) der für Europa maßgeblichen Referenzsorte Brent knapp 43 Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie beim Höhepunkt der Pandemie Mitte April.

Damals war die weltweite Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Viertel auf nur noch 75 Millionen Fass pro Tag eingebrochen. Zugleich lieferten sich die Saudis und die Russen einen Preiskampf. Doch dann rauften sich das Opec-Kartell, Russland und andere wichtige Ölländern zusammen und beschlossen, ihre gemeinsame Gesamtfördermenge für Mai und Juni um 9,7 Millionen Fass pro Tag zu senken. Die Staaten der Opec+ wollen nun die Rationierung im Juli weiterführen.

Die hiesigen Spritpreise würden seit Anfang Mai durch die Förderkürzung gestützt, erläutert Steffen Bock von Clever Tanken. Zugleich würden Lockdown-Bestimmungen weltweit gelockert, die Wirtschaft angekurbelt und viele Angestellte kehrten in die Büros zurück. „Die Rohöl-Nachfrage steigt“, so Bock. Besonders deutlich ist das in China, dem weltgrößten Öl-Importeur, zu erkennen. Die Volksrepublik ist beim Hochfahren der Wirtschaft anderen großen Industrienationen um gut zwei Monate voraus. Dazu passt, dass nach Medienberichten im Mai die Rekordmenge von 11,3 Millionen Fass pro Tag eingeführt wurde.

Gleichwohl: Bock betont, dass die Öl-Nachfrage noch längst nicht auf dem Niveau von vor der Krise sei. Das wird durch die Analysen des norwegischen Energie-Beratungsunternehmens Rystad bestätigt. Die Experten gehen davon aus, dass die globale Nachfrage im Mai bei 78,5 Millionen Fass pro Tag lag und sich im Juni bei rund 84 Millionen Fass einpendeln wird – das wären noch knapp 15 Prozent weniger als vor einem Jahr. Den Hochrechnungen zufolge wird sich der Verbrauch nur ganz allmählich erholen, aber auch Ende 2021 noch immer deutlich unter dem Niveau vom Dezember 2019 liegen.

Wie dies sich dies auf die Preise auswirkt, hat viel mit der Disziplin in der Opec+ zu tun. So haben sich etwa wichtige Förderländer wie Nigeria und Irak zuletzt nicht an die beschlossenen Restriktionen gehalten, was in Kreisen des Kartells das „Pinocchio-Problem“ genannt wird: Wer schummelt, profitiert von der Disziplin der anderen, weil höhere Preise bei gleicher Fördermenge erzielt werden. Russlands Energieminister Alexander Nowak betont, dass die Vorgaben für Juli nun aber zu 100 Prozent erfüllt werden müssten, um eine Stabilisierung der Preise zu erreichen. Wer dennoch mehr losschlägt, soll umso weniger im August und September verkaufen dürfen.

Die riesigen Tanklager sind weltweit gut gefüllt. Die größte Gefahr für die Ölexporteure ist ein Corona-Rückschlag in großen Industrieländern nebst neuerlichem Lockdown. Hinzu kommt auch, dass es mit steigenden Preisen in den USA wieder attraktiver wird, stillgelegte Bohrlöcher zur erneuten Förderung mit der umstrittenen Fracking-Methode zu reaktivieren. Die Experten der Finanznachrichtenagentur Bloomberg gehen denn auch von einem mittlerweile „überkauften“ Markt aus: Preise sind demzufolge stärker gestiegen als sich die Nachfrage erholt hat – das liefe auf baldige Abschläge hinaus.

Derweil kündigte der saudische Ölförderer Aramco an, seine Lieferungen nach Asien deutlich zu verteuern. Das wird von Experten als Signal gewertet, dass der Preiskampf gegen Russland endgültig beendet ist. Beide Staaten haben ein großes Interesse, die Notierungen auf einem stabil hohen Niveau zu halten, denn sie sind auf teures Öl angewiesen, um ihre Staatshaushalte zu finanzieren.

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