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Mutprobe für Juristen

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Ex-HRE-Chef Funke weist die Schuld von sich - und macht Steinbrück verantwortlich. Ein Kommentar.

Wäre es das Drehbuch für einen Spielfilm im Finanzmilieu, müsste man es sofort verfilmen. Schurken in Nadelstreif spielen darin vor dem Hintergrund der Weltfinanzkrise ihr böses Spiel, killen mit perfiden Methoden eine Bank und brocken dem deutschen Steuerzahler eine Milliardensuppe zum Auslöffeln ein. Es ist allerdings kein fiktives Drehbuch sondern zumindest eine Version der Realität. Deshalb schreit der Sachverhalt auch primär nicht nach einem Film sondern juristischer Aufarbeitung. Immerhin ist bis heute nicht klar, was der Fall der Hypo Real Estate (HRE) am Ende uns alle kostet. Allein bei der Bad Bank der HRE namens FMS warten immer noch dreistellige Milliardensummen auf ihre Abwicklung.

Juristisch wird im Münchner HRE-Prozess gegen Ex-Boss Georg Funke und dessen früheren HRE-Vorstandskollegen aber um etwas anderes gestritten. Es geht um die Frage, ob das Duo dafür verantwortlich war, dass die Lage der HRE 2008 öffentlich lange zu positiv dargestellt wurde. Das ist vergleichsweise eine Bagatellfrage. Entscheidend ist vielmehr, warum die Bank zum größten Rettungsfall der Finanzkrise in Deutschland wurde und wer das Debakel zu verantworten hat.

Im Fokus des Münchner Prozesses steht diese Schuldfrage eindeutig nicht, aber sie könnte als Begleiterscheinung beantwortet werden. Das braucht juristischen Mut, der den Verantwortlichen zu wünschen ist. Verfilmt werden kann dann immer noch.

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