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Mutig mit Möbeln

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Von: Jochen Knoblach

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Schönes für Zuhause: ein echter Shop von Home24.
Schönes für Zuhause: ein echter Shop von Home24. © rtr

Das Einrichtungs-Startup Home24 geht heute in Frankfurt an die Börse. Das Unternehmen wächst, doch Gewinn macht es noch nicht.

Dass sich das Online-Möbelgeschäft auch mit schwarzen Zahlen machen lässt, das hat das Berliner Unternehmen Home24 noch nicht bewiesen. Geldgeber fand man dort dennoch. Mehr als 40 Millionen Euro hat das 2009 gegründete Online-Einrichtungshaus bereits bei Investoren eingesammelt. Nun sollen per Börsengang weitere 150 Millionen Euro in die Kasse kommen. An diesem Freitagmorgen werden die Papiere erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt.

Auf den Weg gebracht wurde das Unternehmen im Jahr 2009 von Philipp Kreibohm. Der heute 42-Jährige, der zwei Jahre zuvor zum Gründerteam der Start-up-Fabrik Rocket Internet gehörte, hatte dort eine Marktanalyse entdeckt, laut der bei Google täglich bis zu 40 000 Mal nach Möbeln gesucht wurde. „Die Nachfrage war da. Wir brauchten nur für ein gutes Angebot sorgen“, sagte der Jurist mit Richteramtsbefähigung im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Rocket Internet stellte den Großteil des Kapitals zur Verfügung, und Kreibohm adaptierte das seinerzeit junge Prinzip des Modehändlers Zalando für das Möbelgeschäft.

Inzwischen ist Home24 in acht Ländern aktiv und hat mehr als 1000 Beschäftigte, von denen etwa 700 in der Firmenzentrale in der Greifswalder Straße arbeiten. 2015 übernahm Home24 noch das Berliner Unternehmen Fashion-for-Home, das vor allem preiswerte Designermöbel im Portfolio hatte und fortan das Massensortiment des Online-Möbelhauses ergänzte. Die Fashion-for-Home-Gründer Marc Appelhoff und Christoph Cordes gehören seitdem zum Home24-Vorstand. Zwei Betriebswirtschaftler in den Enddreißigern, denen der Einzelhandel gewissermaßen in die Wiege gelegt wurde. Der Vater des einen war Vorstand bei Karstadt, der des anderen hatte lange Zeit den Metro-Konzern geführt.

Im vergangenen Jahr brachte es Home24 mit Tischen, Lampen und Bettvorlegern auf einen Umsatz von 276 Millionen Euro. Damit liegt das Möbelhaus ohne Rolltreppen und Kundenparkplatz zwar noch weit hinter den ganz Großen des Geschäfts wie Ikea und Höffner, die hierzulande zuletzt 4,9 und 2,1 Milliarden Euro umsetzten. Doch ist man bei Home24 von der Zukunft des Online-Geschäfts samt kostenloser Lieferung überzeugt. Was nicht gefällt oder sich in den eigenen Wänden als unpassend herausstellt, wird ebenfalls gratis wieder abgeholt. Die Rücksendungsrate soll laut Home24 bei weniger als zehn Prozent liegen.

Doch noch immer steckt Home24 in den roten Zahlen. Mit 22 Millionen Euro wird der Vorjahresverlust beziffert. 2015 und 2016 betrug das Minus allerdings noch 75 beziehungsweise 40 Millionen Euro. „Wir haben gezeigt, dass wir Wachstum mit verbesserter Profitabilität kombinieren können“, sagt Co-Chef Marc Appelhoff. Innerhalb der nächsten 18 Monate will Home24 auf allen acht Märkten profitabel sein.

Der typische Möbelkäufer indes fremdelt gerade hierzulande mit der Bestellung per Computer. Während etwa im Modebereich bereits bis zu 30 Prozent des Umsatzes online generiert werden, liegt der reine E-Commerce-Anteil bei Möbeln in Deutschland bei nur fünf Prozent. Doch der Markt wächst, und tatsächlich werden in Großbritannien schon jetzt etwa zwölf Prozent des Möbelgeschäfts online abgewickelt. Hierzulande entspräche ein solcher Anteil einem Marktvolumen von vier Milliarden Euro.

Hauptanteilseigner Rocket Internet kann einen Erfolg von Home24 dringend gebrauchen. Der Kurs des seit 2014 an der Börse notierten Unternehmens liegt um 30 Prozent unter dem Ausgabepreis. Noch immer verzeichnet die Firma rote Zahlen. Vor allem aber leidet der Börsenkurs von Rocket unter fehlenden Ideen jenseits des weitgehend visionsfreien Onlineshop-Portfolios.

Großinvestitionen gab es schon lange nicht mehr. Man fahndet nach dem nächsten großen Ding, von dem keiner genau weiß, was es sein wird. „Wir suchen nach Gelegenheiten im Technologiesektor“, sagte Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer vergangene Woche und nannte Software, Finanztechnologie und künstliche Intelligenz als Möglichkeiten. An Mitteln fehlt es nicht. 2,6 Milliarden Euro stehen für die Gründung eigener Firmen und Beteiligungen zur Verfügung.

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