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Neuer Truck aus der Tesla-Schmiede. Eigentlich will Elon Musk eine Produktionsstätte in Deutschland einrichten. Doch Umweltschützer melden Bedenken an.

E-Mobilität

Musk gegen Fledermaus

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In einem Wahnsinnstempo soll bei Berlin eine Tesla-Fabrik entstehen. Umweltschützer könnten das Projekt verzögern. Wir sind ja nicht in China! Die Analyse.

Während Brandenburg und Berlin sich noch streiten, wer den US-Investor Elon Musk nun dermaßen erfolgreich angelockt hat, schlägt dem Tesla-Projekt bereits der kalte Wind der deutschen Planungsrealität entgegen. Bis 2021 – also in einem guten Jahr – soll in Grünheide eine prächtige Fabrik für Autos und Batterien entstehen. Musk hatte seine Pläne jedoch kaum bekanntgegeben, da melden sich bereits die Umweltschützer vom Nabu: Der Bauplatz sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten nie unter Gesichtspunkten des Artenschutzes bewertet worden.

Das schreit geradezu nach frischen Gutachten, die Voraussetzung für den Baubeginn werden. Schließlich leben dort vermutlich Kolonien von Fledermäusen, und auch Baumfalken nisten in der Nähe. Gerüchten zufolge erwägt der Nabu daher bereits, gegen die Fabrik vorzugehen. Der Brandenburger Vorsitzende des Umweltvereins, Friedhelm Schmitz-Jersch, schließt in einem Interview mit der „taz“ Einwände gegen die Umweltbeurteilung jedenfalls nicht aus. Ministerpräsident Dietmar Woidke wird sich die Haare raufen, wenn dadurch erste Verzögerungen auftreten.

Musk hatte wohl geglaubt, in Brandenburg ein ähnliches Tempo vorlegen zu können wie in Nevada und in Schanghai. In der Gigafactory 3 seines Unternehmens in China laufen gerade die ersten Autos vom Band – elf Monate nach Grundsteinlegung, anderthalb Jahre nach Erteilung der Baugenehmigung, zwei Jahre nach der ersten Idee zu einem Werk in Fernost. Das ist Asien.

Fachleute waren dagegen erstaunt, als sie von Musks Zeitplan für Deutschland gehört haben. Der Bau einer solchen Fabrik dauere in Deutschland realistischerweise drei bis vier Jahre, zitiert der „Tagesspiegel“ einen Analysten der Nord/LB. Wie sich das auf ein Jahr verkürzen lasse, ist selbst mit der Magie eines Musk nicht zu erklären.

Und ausgerechnet in Brandenburg soll es nun besonders schnell gehen – in dem Bundesland, in dem ein Großflughafen seit 2006 im Bau ist, in dem der Cargolifter nach langen Verzögerungen am Ende nie abhob, in dem keine Rennwagen auf dem Lausitzring rasen. Andere große Vorhaben des Landes sind schon fast vergessen. Die Chipfabrik in Frankfurt an der Oder: Rasselte schon kurz nach Fertigstellung erster Gebäude in die Insolvenz. Die Wiederbelegung des Chemie-Clusters Premnitz schaffte es nicht einmal ins Zombie-Stadium.

Das heißt nicht, dass es unmöglich ist, hier Autos zu bauen. Es stimmt aber misstrauisch, wenn ein Projekt alle deutschen Geschwindigkeitsrekorde brechen soll. Wenn Musk es aber doch schafft, und er in Grünheide chinesisches Tempo vorlegt – dann wäre bewiesen, dass Deutschland Industrieneubauten einfach nicht mehr selbst kann.

Dieses Eingeständnis nationaler Unfähigkeit würde traurig stimmen. Optimal wäre daher wohl eine ordentliche, aber nicht exzessive Verzögerung der Pläne, um Musk auf das deutsche Normalmaß von drei bis vier Jahren Bauzeit zurechtzustutzen.

Die Fledermäuse wären dafür perfekt geeignet. Deutschland will ja auch gar nicht China sein, wo für die Industrie einfach alles plattgemacht wird. Eine Klage im Sinne bedrohter Arten sind wir vielleicht gerade dem Naturschutz-Image schuldig, das vielleicht auch Tesla angelockt hat.

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