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Versicherungsfall: Helfer vor einem zerstörten Haus im US-Staat Florida. 

Munich Re

Positive Überraschungen

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Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat seinen Gewinn 2018 versechsfacht.

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re sieht sich auf dem Weg zu anhaltend steigender Profitabilität. „Wir sind mit dem Jahresergebnis 2018 sehr zufrieden“, sagte der neue Finanzchef Christoph Juricka bei seiner ersten Bilanzpräsentation in München. Überraschend gut hat sich der Assekuranzriese dabei in der Lebens- und Gesundheitsversicherung sowie beim langjährigen Sorgenkind Ergo geschlagen, während das Geschäft mit Schaden- und Unfallpolicen hart umkämpft bleibt.

Unter dem Strich steht für das schwierige Jahr 2018 fast eine Versechsfachung des Jahresüberschusses auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Aktionäre werden mit einer Anhebung der Dividende um 65 Cent auf 9,25 Euro je Aktie erfreut.

Die Gewinnexplosion hat vor allem mit einem günstigeren Schadensverlauf im Vergleich zum Katastrophenjahr 2017 zu tun. So brachte 2018 zwar kostspielige Wirbelstürme und verheerende Waldbrände in Kalifornien, was sich für die Münchner unter dem Strich auf Kosten durch Großschäden von knapp 2,2 Milliarden Euro summiert hat. 2017 waren es aber noch über 4,3 Milliarden Euro.

Positiv überrascht hat zudem die Tochter Ergo mit 412 Millionen Euro Überschuss. Das liegt deutlich über den geplanten 250 bis 300 Millionen Euro. Das im Umbau stehende Sorgenkind kommt endlich sichtbar in die Gänge. Das Gewinnziel von 600 Millionen Euro bis 2021 sieht Jurecka klar im Fokus.

Dennoch bleiben Unsicherheiten, nicht nur für Munich Re. Denn die Assekuranz kämpft seit Jahren mit sogenanntem alternativen Kapital. Das sind große Pensions- und Hedgefonds, die sich mangels Anlagemöglichkeiten seit Jahren bei der Versicherung von Naturkatastrophen engagieren und dabei der traditionellen Assekuranz die Preise verderben. Nach dem Katastrophenjahr 2017 hatten Munich Re und Co. gehofft, dass sich die Fonds auf den Rückzug begeben. Aber es kam anders.

Zwar seien in besonders schadenträchtigen Versicherungsfeldern die Preise gestiegen, erklärte der dafür verantwortliche Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek. Dafür hätten sie aber in anderen Bereichen nachgegeben. Unter dem Strich habe die traditionelle Erneuerungsrunde für Policen diesen Januar lediglich stabile Preise gebracht. Aufgegeben hat der Manager die Hoffnung auf eine Trendwende noch nicht. Im Frühjahr und Sommer stehen weitere, jüngst von Großschäden betroffene Versicherungspakete zur Erneuerung an. Jeworrek glaubt, bei der Konkurrenz eine gewisse Nachdenklichkeit hinsichtlich der Risikobereitschaft zu spüren. Ob die ausreicht, um Rückversicherungspreise auf breiter Front wieder zu erhöhen, wage er aber nicht verlässlich abzuschätzen, sagte er.

Steigern konnte Munich Re in der jüngsten Erneuerungsrunde das Beitragsvolumen und zwar um gut sechs Prozent. Das ist insofern bemerkenswert, als die Münchner seit Jahren betont vorsichtig agieren und oft auf Geschäft verzichtet haben, um die Profitabilität so weit wie möglich zu erhalten. Deshalb sind auch 2018 die konzernweiten Beitragseinnahmen wieder leicht auf noch gut 49 Milliarden Euro abgebröckelt. Der kleinere heimische Konkurrent Hannover Re hat 2018 dagegen das eigene Prämienvolumen um gut 15 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro gesteigert.

Unter neuer Führung, zu der nicht nur Jurecka zählt, sondern auch der erst seit knapp zwei Jahren amtierende Konzernchef Joachim Wenning, zeichnet sich hier nun auch bei Munich Re eine vorsichtige Trendwende hin zu wieder steigenden Umsätzen ab. Wohin die Reise 2019 genau geht, wollte Jurecka indessen nicht genau vorhersagen. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Profitabilität weiter steigen wird.

Zudem werde der 139 Jahre alte Traditionskonzern seine Praxis, eigene Aktien im großen Stil zurückzukaufen, auch 2019 unvermindert fortsetzen. Den Kurs der Aktie beflügelten die Neuigkeiten am Mittwoch nur leicht.

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