Versicherung

Munich Re droht hohe Belastung

  • Thomas Magenheim-Hörmann
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Allein der Ausfall von Veranstaltungen infolge der Pandemie könnte den Assekuranzriesen rund eine halbe Milliarde Euro kosten. Im Zentrum stehen dabei die Olympischen Spiele.

Lange hat Torsten Jeworrek versucht, eine Zahl für mutmaßliche Schadensdimensionen zu vermeiden. „Es geht um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag“, räumte der Vorstand des Assekuranzriesen Munich Re am Freitag bei der diesjährigen Bilanzvorlage dann ein. Das ist die finanzielle Schadenslast, die das Coronavirus den Münchnern in diesem Jahr allein über Veranstaltungsausfallpolicen einbrocken könnte. Denn virusbedingt werden derzeit weltweit reihenweise Sportveranstaltungen und Messen gestrichen. Auch Musikveranstaltungen gelten als akut bedroht. Viele davon hat Munich Re gegen ihren Ausfall versichert, darunter die Olympischen Spiele, die im Juli in Tokio starten sollen. „Ob Pandemie im Einzelfall abgedeckt ist, hängt von der jeweiligen Veranstaltung ab“, schränkt Jeworrek ein.

Ob das im Fall der Olympischen Spiele so ist, könne er aus Vertraulichkeitsgründen nicht sagen. Das Drohpotenzial von rund einer halben Milliarden Euro durch solche Ausfallpolicen lässt aber vermuten, dass es so ist. Die Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea hatte Munich Re mit 250 Millionen Euro gegen Ausfall versichert, wobei damals Terror- und Wetterrisiken im Zentrum standen. Olympische Sommerspiele sind in der Regel deutlich höher versichert.

Die Münchner gelten bei Policen dieser Art als marktführend. Der Versicherungsschutz umfasst dabei Sportgremien und Organisationskomitees wie das IOC, TV-Sender und Sponsoren sowie Hersteller von Merchandisingartikeln, Tourismusfirmen und Hoteliers. Für Munich Re ist das Corona-Risiko aber noch umfassender.

So haben die Münchner vor einigen Jahren mit der Weltbank einen Pandemiefonds aufgelegt, der im Falle eines globalen Ausbruchs wie jetzt speziell für arme Länder medizinische Notfallversorgung finanzieren soll. Die könnten sich diese sonst vielfach gar nicht leisten. „Für Munich Re hat das die Größenordnung einer zweistelligen Millionensumme“, sagt Konzernchef Joachim Wenning. Getroffen ist sein Konzern schon jetzt als Kapitalanleger. 6,4 Prozent aller Anlagegelder von zuletzt 229 Milliarden Euro hat Munich Re in Aktien gesteckt. Derzeit verfallen Aktienmärkte auf breiter Front.

Pandemie-Police im Angebot

Wie viel von diesen Belastungen am Ende des Tages bei den Münchnern hängen bleibt, kann derzeit niemand abschätzen. Noch sind zum Beispiel die Olympischen Spiele nicht abgesagt. An anderer Stelle könnte der Versicherer auch vom Coronavirus profitieren. „Wir haben seit zwei, drei Jahren eine Pandemie-Police für Betriebsunterbrechung im Markt, die aber nicht viel nachgefragt wurde, was sich nun ändern könnte“, sagt Jeworrek.

Eine solche Police zielt vor allem auch auf globale Lieferketten. Sie zahlt, wenn eine Fabrik nicht mehr produzieren kann und dadurch Gewinne verloren gehen. Bislang setzen solche Policen aber Sachschäden durch Feuer, Erdbeben oder Überschwemmung voraus. Epidemien oder Pandemien sind standardmäßig ausgeschlossen. Die neue Police der Munich Re schließt beides dagegen ein. Allerdings ist die Übernahme von Schäden in ihrer Höhe limitiert.

Unter dem Strich überwiegen für Munich Re aber bei weitem die Corona-Risiken. Das signalisiert der Verfall der eigenen Aktie, die im Dax am Freitag einer der größten Verlierer war. Daran konnte auch eine Erfolgsbilanz 2019 nichts ändern. Das Ziel für den Jahresüberschuss konnte mit 2,7 Milliarden Euro um 200 Millionen Euro übertroffen werden. Zugleich wurden die Beitragseinnahmen um fünf Prozent auf 51,5 Milliarden Euro erhöht. Aktionäre können sich auf eine von 9,25 auf 9,80 Euro je Aktie steigende Dividende freuen. Für 2020 stellt Wenning einen auf 2,8 Milliarden Euro erhöhten Jahresüberschuss in Aussicht. Diese Prognosen stehen aber unter dem Vorbehalt von Großschäden und weiterer Turbulenzen auf den Kapitalmärkten.

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