Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zufrieden mit dem Rentenpaket: Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD).
+
Zufrieden mit dem Rentenpaket: Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD).

Rentenreform

Die Mütterrente und das Kleingedruckte

  • VonStefan Sauer
    schließen

Die sogenannte Mütterrente erhöht die Altersbezüge von Eltern, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen. Die FR erklärt die Grundlagen der Berechnung der erweiterten Altersvorsorge.

Auch für 9,4 Millionen Rentnerinnen wird es mehr Geld geben. Die sogenannte Mütterrente erhöht die Altersbezüge von Eltern, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen. Theoretisch kann die Mütterrente auch von Vätern bezogen werden, sofern sie die Erziehung übernommen hatten. Faktisch handelt es sich bei den Begünstigten aber fast ausschließlich um Frauen, denen die Erziehungszeiten für die Kinder angerechnet werden.

Bisher wird für jedes vor dem 1. Januar 1992 geborene Kind nur je ein Erziehungsjahr für die Rentenberechnung berücksichtigt. Dabei wird so getan, als habe die Mutter im ersten Jahr nach der Geburt des Kindes ein durchschnittliches Arbeitseinkommen erzielt. Dafür erhält sie einen Rentenpunkt. Vom 1. Juli an werden für jedes Kind zwei Erziehungsjahre angerechnet, es gibt also zwei Rentenpunkte. In den westlichen Bundesländern ist ein solcher Punkt vom Juli an 28,61 Euro wert, im Osten sind es 26,39 Euro.

Mithin erhalten Rentnerinnen für jedes vor 1992 geborene Kind im Westen künftig 57,22 Euro und im Osten 52,78 Euro. Für Mütter, deren Kinder nach dem 31. Dezember 1991 geboren wurden, ändert sich nichts: Ihnen werden weiter für jedes Kind drei Erziehungsjahre gutgeschrieben. Sie sind also auch nach der Reform noch immer besser gestellt als ältere Jahrgänge.

So weit scheint die Sache einfach. Das gilt allerdings nur für Frauen, die während der Erziehungszeiten kein oder ein nur geringes sozialversicherungspflichtiges Einkommen erzielten. Mütter, die bald nach der Geburt ihrer Kinder wieder in den Beruf einstiegen und gut verdienten, profitieren von der Mütterrente hingegen weniger – und im Extremfall gar nicht. Dies betrifft vornehmlich ostdeutsche Frauen.

Unterschiede in Ost und West

Während sich Frauen im Westen während der ersten Nachkriegsjahrzehnte vor allem um Kinder und Haushalt kümmerten, um dem alleinverdienenden Ehemann „den Rücken freizuhalten“, waren berufstätige Frauen in der DDR selbstverständlich. Das galt auch für Mütter, die rasch nach der Geburt ihrer Kinder wieder arbeiteten. Anders als im Westen gab es ein gutes Angebot an Krippen und Kitas.

Diese unterschiedlichen Rollenbilder und Erwerbsbiografien schlagen nun auf die Mütterrente durch. Vereinfacht gesagt werden der Rentenpunktwert, der in einem Jahr durch Berufstätigkeit erworben wurde, mit dem Rentenpunkt der Mütterrente verrechnet, wenn bestimmte Obergrenzen überschritten sind. Ein Beispiel: Im Jahr 1975 konnten westdeutsche Arbeitnehmer, die den Höchstbeitrag in den Rentenkassen zahlten, maximal 1,54 Rentenpunkte erwerben. Die Mutter eines 1974 geborenen Kindes, die 1975 aufgrund ihres Arbeitseinkommens 1,2 Rentenpunkte angesammelt hat, erhält für das Erziehungsjahr 1975 daher nicht einen vollen Rentenpunkt, sondern nur 0,34 Punkte – im Westen also nicht 28,61 Euro, sondern 9,28 Euro. Wie aber werden die Einkünfte aus DDR-Zeiten berücksichtigt?

Hierfür gibt es die „Umrechnungswerte“, mit denen das DDR-Einkommen mal genommen wird, um auf vergleichbare Westentgelte zu kommen. Der Umrechnungswert für 1975 liegt bei 2,62. Bei einer Frau mit dem damals in der DDR für die Rentenberechnung gängigen Monatseinkommen von 600 Mark werden also 1576,30 DM als beitragspflichtiges Einkommen berücksichtigt (600 mal 2,62). Das Durchschnittseinkommen im Westen lag damals bei 1817 Mark, wofür es einen Rentenpunkt gab. Für 1576,30 werden der Frau also 0,87 Rentenpunkte gut geschrieben. Für ihr Kind erhält sie nun eigentlich einen weiteren Punkt. Da die erreichbare Obergrenze 1975 im Westen aber bei 1,54 Punkten lag, werden der Mutter nur 0,67 Punkte für die Mütterrente gut geschrieben (1,54 minus 0,87). Sie erhält nicht 26,39 pro Monat zusätzlich, sondern nur 17,68 Euro.

Als wäre all das nicht kompliziert genug, wird diese Rechnerei nur bei Frauen vorgenommen, die nach dem 30. Juni diesen Jahres in Rente gehen. Für alle „Bestandsrentnerinnen“ wird pauschal pro Kind ein Rentenpunkt aufgeschlagen. Sie erhalten also den vollen Punktwert.

Eigens beantragen muss man die Mütterrente im übrigen nicht. Nur Frauen, die bisher keine Erziehungszeiten geltend gemacht haben, müssen einen Antrag stellen. Zudem kann durch die Mütterrenten überhaupt erstmals ein Anspruch auf eine gesetzliche Rente entstehen. Hierfür sind mindestens fünf Beitragsjahre notwendig. Einer Frau ohne weitere Anwartschaften mit drei vor 1992 geborenen Kindern wurden bisher nur drei Beitragsjahre gut geschrieben, künftig sind es sechs: Sie erhielte künftig eine gesetzliche Rente von monatlich 171,67 Euro im Westen und 158,34 im Osten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare