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Mütterrente benachteiligt Ostdeutsche

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Von: Stefan Sauer

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Die neue Mütterrente hat dramatische Folgen für Frauen im Osten.
Die neue Mütterrente hat dramatische Folgen für Frauen im Osten. © dpa

Die Jahrgänge 1950 bis 1972 sind betroffen von der Neuregelung der Mütterrente. Höhere Einkommen wirken sich mindernd aus.

Mütter mit kurzen Babypausen und guten Arbeitseinkommen werden von der neuen Mütterrente ab Juli dieses Jahres nur wenig oder gar nicht profitieren. Betroffen sind Frauen der Jahrgänge 1950 bis 1972, die bereits ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes wieder einer Erwerbstätigkeit nachgingen. Ihr Rentenanspruch aus dem damals erzielten Einkommen wird nämlich mit der Mütterrente verrechnet.

Im Extremfall können Frauen im Osten so Ansprüche auf bis zu 316,68 Euro Mütterrente pro Jahr nicht geltend machen, im Westen sind es sogar 343,32 Euro Bei einer Rentenbezugsdauer von 25 Jahren kommen so Beträge von 8583 Euro im Westen und 7917 Euro im Osten zusammen, die erwerbstätigen Müttern mit guten Verdiensten gegenüber reinen Hausfrauen verloren gehen.

Um den Zusammenhang zu verdeutlichen, hilft ein Blick auf die geltende Rechtslage: Jeweils einem Elternteil werden für jedes nach 1991 geborene Kind drei Erziehungsjahre für die Rentenberechnung gut geschrieben. Dabei tut die Rentenversicherung so, als habe die Mutter in den ersten drei Lebensjahren des Kindes ein durchschnittliches Einkommen erzielt, wofür sie pro Erziehungsjahr einen Rentenpunkt erhält, also drei Punkte pro Kind. Der Wert eines Rentenpunktes beträgt vom 1. Juli an im Westen 28,61 Euro, im Osten sind es 26,39 Euro. Für ein nach 1991 geborenes Kind gibt es also monatlich bis zu 85,83 Euro Mütterrente im Westen und 79,17 Euro im Osten.

Allerdings können Rentenanwartschaften aus Arbeitseinkommen die Mütterrente mindern. Es werden nämlich für die Erziehungsjahre nur so viele Rentenpunkte angerechnet, wie ein Arbeitnehmer höchstens hätte erzielen können. Die neue Mütterrente, die am 1. Juli in Kraft tritt, bezieht sich auf Kinder, die vor 1992 geboren wurden.

Bisher wurde für jedes dieser Kinder ein Erziehungsjahr, also ein Rentenpunkt, gutgeschrieben. Künftig sollen es zwei Jahre pro Kind sein – und das macht die Sache so brisant. Denn in der DDR gingen rund 90 Prozent aller Frauen im erwerbsfähigen Alter arbeiten. Sie wurden zudem angehalten, nach einer einjährigen Babypause wieder in den Beruf zurückzukehren. Im Westen dagegen lag die Frauenerwerbsquote in den 60er Jahren noch unter 20 Prozent und erreichte bis zur Wiedervereinigung lediglich 37 Prozent. Zudem arbeiteten im Westen – anders als in der DDR – nur wenige Frauen in Vollzeit. Damit wird deutlich, dass Frauen im Osten häufiger höhere Einkommen erzielten, die sich nun mindernd auf die Mütterrente auswirken. Bei sozialversicherungspflichtigen Einkünften über der Beitragsbemessungsgrenze im Erziehungsjahr entfällt die Mütterrente komplett.

Als wäre das nicht kompliziert genug, wird dabei aber nach „Bestandsrentnerinnen“, die bis zum 30. Juni in Rente gehen, und Neurentnerinnen ab 1. Juli unterschieden: Die Verrechnung der Rentenanwartschaften mit der Mütterrente wird nur bei den Neurentnerinnen durchgeführt. Altrentnerinnen erhalten pauschal einen Entgeltpunkt gutgeschrieben, also monatlich 26,39 oder 28,61 Euro mehr, egal was sie damals verdienten. Begründet wird dies so, dass andernfalls Millionen bereits berechneter Renten neu justiert werden müssten, was kaum zu leisten sei. Seite 11

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