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Auch der Pharmagroßhändler Phoenix in Mannheim gehört zum Merckle-Imperium.

Merckle-Gruppe

Müssen weitere Beteiligungen weg?

Verlangen die Banken für die Rettung der Merckle-Gruppe mehr als nur den Verkauf von Ratiopharm? Aus Großbritannien kommen Berichte, die den Pharmahändler Phoenix in den Blick nehmen.

Stuttgart. Für die Sanierung des Firmen-Imperiums der Merckle-Familie könnten nach dem geplanten Verkauf von Ratiopharm weitere Beteiligungen abgestoßen werden. Über zusätzliche Veräußerungen sei aber noch längst nicht entschieden, sagen mehrere mit der Situation vertraute Personen: "Das ist Verhandlungssache", sagte ein Banker.

Zunächst solle in den nächsten Monaten ein Sanierungsgutachten erstellt werden, das unter anderem den Wert der Beteiligungen ermittele, erläuterte ein weiterer Insider. Möglich sei zudem, dass mit einem Verkauf von Ratiopharm bereits genügend Mittel bereitstünden, so dass weitere Verkäufe nicht mehr nötig seien.

Die britische Tageszeitung "Times" berichtete dagegen, dass sich die Familie des verstorbenen Pharma-Unternehmers Adolf Merckle auf Druck der Banken auch von dem Pharmahändler Phoenix trennen müsse.

Der Verkauf von Phoenix bis Jahresende sei eine der Kreditbedingungen der Banken.

Zu der europaweit aktiven Phoenix-Gruppe gehöre in Großbritannien auch die Apothekenkette Rowlands. Insgesamt werde die in Mannheim ansässige Phoenix-Gruppe mit sechs Milliarden Euro bewertet. Phoenix kam 2007/2008 mit rund 22.000 Beschäftigten auf einen Umsatz von etwa 22 Milliarden Euro.

Von dem Unternehmen war zunächst kein Kommentar zu erhalten. Die Sprecherin der Merckle-Vermögensverwaltung VEM lehnte eine Stellungnahme ab.

Auch eine Veräußerung der Merckle-Anteile am Baustoffhersteller HeidelbergCement noch nicht vom Tisch. "Das ist Teil des gesamten Sanierungskonzeptes", sagte ein Sprecher von Merckles VEM Vermögensverwaltung in Ulm. Allerdings sei dies nicht Bedingung für den Erhalt des dringend benötigten Überbrückungskredits gewesen.

Mehrere Finanzinstitute hatten der Merckle-Gruppe am Mittwoch einen dringend benötigten Überbrückungskredit bereitgestellt, der sich Finanzkreisen zufolge auf rund 400 Millionen Euro beläuft. Eine Bedingung für die Kreditvergabe ist der Verkauf des vom Merckle-Clan kontrollierten Generika-Herstellers Ratiopharm. Mit dem Geld kann VEM einen kurzfristigen Liquiditätsengpass abwenden und gewinnt somit Zeit bei Sanierung und Umschuldung.

Familienpatriarch und Milliardär Adolf Merckle hatte sich am Montag das Leben genommen. Zum Familienvermögen gehören unter anderem noch Mehrheitsanteile an HeidelbergCement und am Raupenhersteller Kässbohrer. Die Merckle-Gruppe erwirtschaftete insgesamt zuletzt mit rund 100.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 30 Milliarden Euro. (rtr/dpa)

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