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In den vergangenen 30 Jahren ist der Verbrauch von Einweggeschirr und To-go-Verpackungen fast um die Hälfte gestiegen.

Verpackungen

Ab in den Müll

Die Abfallberge aus Einweggeschirr und To-go-Verpackungen wachsen dramatisch. Wir brauchen eine Abgabe auf solche Wegwerf-Produkte. Eine Analyse.

Jeder nutzt sie, manche auch mit schlechtem Gewissen: To-go-Becher für Kaffee, Einweggeschirr aus Plastik, Pizzakartons und die anderen Transportvehikel der modernen Ex-und-hopp-Esskultur. Nun ist erstmals eine umfassende Studie dazu erschienen. Sie zeigt: Die Verpackungsmengen in diesem Sektor sind seit den 1990er Jahren um fast die Hälfte auf satte 350 000 Tonnen pro Jahr angestiegen. Und: Wird nicht mit Mehrweg-Geboten und anderen Maßnahmen eingegriffen, dürfte die Abfallflut weiter ansteigen.

„Zu viele der Geschirre und Verpackungen landen in der Natur, und Stadtreinigungen kommen nicht hinterher, Parks, Straßen und Uferböschungen zu reinigen“, klagt der Naturschutzbund (Nabu), der die Untersuchung bei der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) in Auftrag gegeben hat. Zwar landet der größere Anteil des Mülls in der Müllverbrennung respektive im Recycling. Doch auch das bedeute „angesichts existierender Mehrwegalternativen eine Vergeudung natürlicher Ressourcen“, meinen die Umweltschützer.

Insgesamt nahmen die Müllmengen zwischen 1994 und 2017 um 44 Prozent zu, wobei die Kunststoffabfälle besonders stark angestiegen sind - um 72 Prozent. Bei Einweggeschirr und Einwegverpackungen für den To-go- oder den Sofortverzehr in der Gastronomie – also bei McDonald’s und Co. – lag die Steigerungsrate bei 38 Prozent. Interessanterweise stieg auch die Abfallmenge durch Party- und Picknickbedarf privater Haushalte stark an, die 2017 bereits fast ein Fünftel der 350 000 Tonnen Abfall ausmachte – ein Plus um 74 Prozent gegenüber 1994. Das heißt: Auch zu Hause wird immer öfter zu Einweggeschirr gegriffen, obwohl es Mehrweg-Alternativen für Party- oder Picknickgeschirr gibt.

Die GVM-Experten machen mehrere Gründe für das hohe Abfallaufkommen in dem Sektor aus – abgesehen einmal davon, dass den Bürgern das Geld heute schlicht lockerer sitzt als früher, weil das deutsche Bruttoinlandsprodukt seit 1994 preisbereinigt um 38 Prozent gestiegen ist. So nahm das Außer-Haus-Essen stark zu – der Umsatz in Selbstbedienungsrestaurants hat sich zwischen 2005 und 2015 mehr als verdoppelt und bei Imbissstuben und Cafés sogar fast verdreifacht. Hinzu kommt, dass die Lieferdienste für Essen boomen. Die einfache Bestellung und das bargeldlose Bezahlen per Internet und Smartphone machen das möglich.

Immerhin hat die Politik erkannt, dass der Ex-und-hopp-Boom ein Umweltkiller ist, vor allem seit die Bilder der Plastikstrudel auf den Weltmeeren durch die Medien gingen. So hat die EU-Kommission in ihrer „Plastikstrategie“ vorgeschlagen, bestimmte Plastikprodukte wie Einweggeschirr und Strohhalme zu verbieten. Der Nabu begrüßt dies als „ersten wichtigen Schritt“. Die geplante Richtlinie werde aber nur dann einen Fortschritt bringen, wenn die EU-Länder die Mehrweg-Alternativen aktiv fördern.

Umweltverbände und Grüne fordern hier unter anderem Mehrweggebote für Essen und Getränke beim Verzehr vor Ort oder eine Abgabe auf Take-away-Essensverpackungen und To-go-Becher. In der Tat droht sonst nur eine Verlagerung auf andere Einwegprodukte und Verpackungsmaterialien etwa aus beschichtetem Papier oder Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, die ebenfalls ökologisch problematisch sind.

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