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Schiffe im Hafen von Maputo.
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Schiffe im Hafen von Maputo.

Korruption

Mosambiks verlorene Milliarden

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Aufträge für überteuerte Boote für die Fischerei und die Küstenwache: Ein Kartell aus Bankern der Credit Suisse, Geschäftsleuten des Schiffsbauers Privinvest sowie mosambikanischen Politikern plünderte das südostafrikanische Land.

Die Größenordnung lässt selbst abgefeimte Kleptokraten erblassen: Mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar – rund die Hälfte dessen, was der südostafrikanische Staat Mosambik in einem Jahr ausgibt – soll ein Kartell aus Bankern der Credit Suisse, Geschäftsleuten des Schiffsbauers Privinvest sowie mosambikanische Politiker und Staatsbeamte veruntreut haben. Der vor acht Jahren in aller Heimlichkeit geschlossene Deal sollte dem Armutsstaat zu einer Fischereiflotte und Küstenwache verhelfen: In Wahrheit war er jedoch vor allem dazu da, den Beteiligten Millionen Dollar an Schmiergeldern in die Taschen fließen zu lassen.

Inzwischen beschäftigt der Skandal das US-Justizministerium, Gerichte in Mosambik und in Südafrika sowie die Bankenaufsicht in Großbritannien und den USA: Diese Woche wurde die Schweizer Großbank zu einer Strafe von 547 Millionen Dollar verdonnert. Für die gut 30 Millionen Mosambikanerinnen und Mosambikaner ein schwacher Trost: Sie bekamen die Folgen der Plünderung ihrer Staatskasse mit dem Verfall ihrer Währung, steigenden Preisen und erzwungenen Sparhaushalten zu spüren.

Presseberichten zufolge ging die Idee für die Abzocke von drei inzwischen festgenommenen Bankern des Schweizer Finanzunternehmens aus. Sie sollen das Paket geschnürt haben, das Privinvest Aufträge für überteuerte Fischerei- und Küstenwachboote sowie allen Beteiligten mindestens fünfstellige Summen an Schmiergeldern einbrachte. Unter anderen auch dem damaligen mosambikanischen Finanzminister Manuel Chang, der sieben Millionen Dollar eingestrichen haben soll, um die riesige Verschuldung an den Aufsichtsbehörden seiner Heimat vorbeizuschleusen. Denn der Weltwährungsfonds, die Weltbank und die Geberländer, die ein Drittel des mosambikanischen Staatsbudgets bestreiten, durften nichts mitbekommen.

Chang sitzt heute in einem südafrikanischen Gefängnis und erwartet den Ausgang einer juristischen Schlacht, die darüber entscheiden wird, ob er in die USA oder nach Mosambik ausgeliefert wird. Im ersten Fall muss er mit einer Gefängnisstrafe rechnen, im zweiten Fall kann er auf seine Immunität als ehemaliger Parlamentarier bestehen. Südafrikas Regierung befürwortete zunächst eine Abschiebung Changs in die USA, hat inzwischen aber eine Kehrtwende vollzogen: Beobachter:innen argwöhnen, dass sich dahinter eine Abmachung zwischen Pretoria und Maputo verbirgt.

Anfang dieses Monats wurde auch in der mosambikanischen Hauptstadt ein Gerichtsverfahren eröffnet. Unter den 19 Angeklagten, denen Korruption, Veruntreuung öffentlicher Mittel und Geldwäsche vorgeworfen werden, befindet sich nur ein prominentes Gesicht: Ndambi Guebuza, der Sohn des einstigen Staatschefs Armando Guebuza. Der Ex-Parteichef der einstigen Befreiungsbewegung Frelimo gilt als eine der reichsten Personen Mosambiks – während seiner zehnjährigen Regierungszeit kam die Korruption in dem südostafrikanischen Staat zu einer bisher beispiellosen Blüte. Nach Aussagen eines der Credit-Suisse-Bankers brachte Sohn Ndambi den Schiffsbauer Privinvest mit seinem Vater zusammen – dennoch wurde gegen den Ex-Präsidenten bisher keine Anklage erhoben. Ndambi selbst soll 33 Millionen Dollar Schmiergeld eingesackt haben, bestreitet das aber.

Auch Privinvest, das in den Vereinigten Arabischen Emiraten beheimatet ist, beharrt auf seine Unschuld. Zwar räumt das Unternehmen ein, der Frelimo-Partei und dem heutigen Präsidenten Filipe Nyusi insgesamt elf Millionen Dollar zugeleitet zu haben: Doch dabei habe es sich um eine legale Spende für den Wahlkampf der Regierungspartei gehandelt.

Nach Angaben der mosambikanischen Staatsanwaltschaft fehlt von 500 Millionen des mehr als 2,5 Milliarden Dollar umfassenden Kredits jede Spur. Die tatsächlich gelieferten Fischkutter und Patrouillenboote seien um mehr als 700 Millionen Dollar überteuert gewesen.

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