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Raus aus der Schmuddelecke: Der Porno muss ans Licht geholt werden, Alternativen und Vielfalt müssen Platz bekommen.

Pornoindustrie

Das monotone Bild von Sex herausfordern

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Der Pornokonsum vertritt viel zu oft nur männliche, heterosexuelle Phantasien. Vielfalt ist gefragt, der Sexfilm braucht neue Perspektiven. Die Gastwirtschaft.

Die Pornoindustrie erlebt seit dem Aufstieg des Internets und des Amateurpornos heftige Veränderungen. Pornos werden auf anderer Weise und von anderen Menschen produziert, aber weiterhin fleißig konsumiert.

Der Konzern Mindgeek, der viele der größten internationalen Pornoseiten betreibt, gibt an, täglich mehr als 115 Millionen Besucher auf seinen Webseiten zu haben. Der sogenannte Mainstreamporno hat allerdings ausschließlich männliches, heterosexuelles Begehren im Sinn. Das führt zu einer einseitigen, oft frauenfeindlichen Darstellung von Sex und Sexualität. Andere Praktiken und Begehrensmuster gelten als exotische Abweichung.

Kritik an Porno ist oft berechtigt, verfällt aber schnell in eine vereinfachte Darstellung von Porno als „sexueller Verwahrlosung“. Pornographie bleibt dadurch in der Schmuddelecke. Ihr Konsum und somit die weitere Verbreitung ihres einseitigen Bildes von Sexualität und Geschlecht werden nicht verhindert.

Alternative Darstellungen müssen her

Viel eher muss der Porno ans Licht geholt werden und Alternativen und Vielfalt Platz bekommen. Sex wird (und sollte nicht) aus der menschlichen Phantasie verschwinden. Auch Pornographie wird weiter existieren. Veränderung von einseitigen Bildern braucht jedoch Inspiration. Diese Inspiration kann nicht alleine durch die Kritik am dominanten Bild erzeugt werden. Irgendwo müssen die Ideen zur Veränderung ja herkommen.

Am 24. Oktober startet das 12. Berliner Pornofilmfestival. Es zeigt eine andere Art von Pornos, welche männliche, heterosexuelle Fantasien von ihrem Thron stoßen und als ein pornografisches Genre unter Vielen enttarnt. Seine Filme bürgen emanzipatorisches Potenzial für Menschen, die sich in der Mainstreamvorstellung von Sex unwohl fühlen. Sie machen die unterdrückenden Elemente in klassischen Pornos sichtbar, ohne expliziten Sex zu verteufeln.

Solche alternativen Darstellungen sind Inspiration, nicht belehrend oder bevormundend. So wird Sex und seine Vielfalt mit Freude und ohne Stigmatisierung thematisiert. Auf Kommunikation und Offenheit beruhenden Phantasien können das monotone gesellschaftliche Bild von Sex herausfordern.

Statt PorNo muss PorYes angestrebt werden, der mehr Spaß für alle bringt.

Die Autorin ist Mitglied des Kollektivs für Gesellschaft und Ökonomie. Es kritisiert und politisiert Ökonomisches aus feministischer Perspektive.

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