Mittelhessen

Möbelhaus Sommerlad in Gießen öffnet

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Nach einem Rechtsstreit darf das Gießener Möbelhaus Sommerlad seine Pforten öffnen. Der große Ansturm der Kunden bleibt aus.

Nach dem Sieg vor dem Verwaltungsgericht hat das Möbelhaus Sommerlad in Gießen am Dienstag wieder aufgemacht. „Es gab keinen Andrang, wird sind ein Niedrigfrequenzhaus“, sagte Geschäftsführer Frank Sommerlad, der sich gleichwohl freute, nach fünfeinhalb Wochen erstmals wieder öffnen zu dürfen. Das Verwaltungsgericht Gießen hatte der Beschwerde des traditionsreichen Möbelhauses stattgegeben. Unter anderem, weil von dem Möbelhaus in dezentraler Lage „keine Sogwirkung“ ausgehe. Zudem hatte der Betrieb ein Hygieneschutzkonzept vorgelegt, das am ersten Tag allerdings in dieser Form gar nicht notwendig war. Bis zum Nachmittag waren insgesamt 430 Kunden auf der 32 000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche gezählt worden.

Der Handelsverband Hessen begrüßte das Gießener Urteil und verwies auf ähnliche Erfahrungen. „Die Wiedereröffnung der Einzelhandelsgeschäfte auf bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche in der vergangenen Woche hat keinen Kundenansturm ausgelöst“, sagte Hauptgeschäftsführer Sven Rode. Die Kundenfrequenz habe einer bundesweiten Untersuchung zufolge im Schnitt bei nur 39 Prozent des Jahresdurchschnittswerts von 2019 gelegen. Die wichtigen Abstands- und Hygieneregeln könnten auf größeren Flächen hervorragend eingehalten werden. „Eine bundesweit einheitlich, nicht diskriminierende Öffnung des gesamten Einzelhandels sollte der nächste Schritt sein. Hessen muss hier nachziehen“, forderte Rode.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zeigte sich von dem Urteil überrascht. „Ich kann es nicht nachvollziehen“, sagte der Landesfachbereichsleiter Handel, Bernhard Schiederig, und forderte, je mehr Freigaben erfolgten, desto größer müssten die Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer sein. Schiederig kritisierte, es gebe derzeit „einen Wettbewerb, welches Bundesland gibt am meisten frei“. Das Urteil der Gießener Verwaltungsrichter gilt zunächst nur für Sommerlad. Andere hessische Möbelhäuser müssten ebenfalls klagen, wenn sie öffnen wollen. Der Landkreis Gießen sieht vorerst von einer Beschwerde gegen das Urteil ab und wartet, welche weiteren Lockerungen in Wiesbaden beschlossen werden.

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