Die Unternehmen Sonos und Google kämpfen vor Gericht. Es geht um Lautsprecher-Technik.
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Die Unternehmen Sonos und Google kämpfen vor Gericht. Es geht um Lautsprecher-Technik.

Google gegen Sonos

Moderne „Räuberbarone“

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Die Unternehmen Sonos und Google kämpfen vor Gericht. Es geht um Lautsprecher-Technik.

Patrick Spence hat eine einprägsame Kategorisierung für das Verhalten von Google gefunden: Von den „Räuberbaronen früherer Zeiten“ hätten die Manager des Konzerns Applaus bekommen. Spence ist der Chef des US-Unternehmens Sonos. Das ist einer der Pioniere im Geschäft mit intelligenten und kabellosen Lautsprechern für Zuhause. Mit puristischem Design und in der gehobenen Preisklasse angesiedelt. Beide Unternehmen liegen sich juristisch in den Haaren. Zuerst hat Sonos Google verklagt, jetzt hat sich Googles mit einer Gegenklage gerächt.

Die Firmen aus Kalifornien waren einst Partner. Sonos war weit vorne bei der Technologie, mit der Lautsprecher mit anderen Geräten vernetzt und mit ihresgleichen in verschiedenen Räumen synchronisiert wurden. Mit Google kooperierten die Ingenieure zunächst, um zusätzliche Funktionen zu entwickeln. Doch die Mesalliance wurde jäh vom Internet-Giganten aufgelöst.

Sonos behauptet, Google habe die Partnerschaft genutzt, um sich Knowhow über die Software zu verschaffen, die die Lautsprecher steuert. Mehrfach sei der Online-Konzern auf Verletzungen geistigen Eigentums hingewiesen worden. Erstmals schon 2016 als er seinen eigenen intelligenten Lautsprecher (Google Home) auf den Markt brachte. Es soll um Dutzende Patente gehen. Doch die Verantwortlichen in Mountain View hätten nie reagiert.

Im Januar reichten Spence und seine Leute dann vor einem Bundesgericht in Los Angeles ihre Klage ein. Inzwischen beschäftigt sich auch die International Trade Commission in Washington mit dem Fall. Das ist eine unabhängige Behörde, die US-Unternehmen vor unlauteren Praktiken schützen soll, dazu zählt auch der Diebstahl geistigen Eigentums. Die konkreten Vorwürfe beziehen sich auf Innovationen, die sich auf die Multi-Raum-Technologie beziehen: Wie dabei die Lautstärke geregelt wird und wie erreicht wird, dass die Musik in mehreren Räumen synchron abgespielt wird.

In der Gegenklage, die nun vor einem Bundesgericht in San Francisco eingereicht wurde, geht es ebenfalls um fünf Patente, die sich mit Funktionen verschiedener Art befassen. Etwa der Suche nach Lieblingstiteln mit einer Sonos-App, dem digitalen Kopierschutz, der Geräuschreduzierung bei Sprachaufnahmen oder dem Daten-Management in lokalen Netzwerken.

Alphabet, die Google-Mutter, teilte mit, Sonos habe in seiner Klage unberechtigte Ansprüche geltend gemacht. Und: Obwohl Google nur selten andere Unternehmen wegen Patentverletzungen verklage, müsse es seine Rechte auf geistiges Eigentum in diesem Fall vor Gericht bringen. Sonos weigere sich, Lizenzzahlungen zu leisten.

Spence konterte prompt: Statt sich einfach an den Vorzügen der Innovationen zu erfreuen und zu bezahlen, was Sonos zustehe, habe Google beschlossen, seine Größe und seinen langen Atem zu nutzen, um Vergeltung zu üben. Es sei traurig zu sehen, wie ein Unternehmen, das sich einst das Motto „Mach nichts Böses“ (Do No Evil) auf die Fahnen geschrieben hatte, nun eine Taktik des starken Arms betreibe – und das erinnere ihn an die Räuberbarone.

Sonos ist eher in der Kategorie der mittelständischen Unternehmen anzusiedeln, und verfügt deshalb nur über einen Bruchteil der finanziellen Ressourcen des Giganten Google. Verfahren vor Bundesgerichten sind aber langwierig und können sehr teuer werden. Und Google ist dafür bekannt, mit hochbezahlten Anwälten durch alle zur Verfügung stehenden Instanzen zu gehen.

Hinter all dem steckt, dass das Geschäft mit den smarten Lautsprechern eines der am schnellsten gewachsen Segmente in der Unterhaltungselektronik und bei Smart-Home-Anwendungen ist. Amazon hat den Trend einst mit seinem Alexa-Gerät losgetreten. Ein wesentlicher Faktor sei, dass es für den Einsatz der Geräte eine sehr niedrige Zugangsbarriere für die Nutzer gebe, erläutert Maurice Klaehne vom US-Marktforscher Counterpoint. Er sieht weitere große Wachstumschancen, denn die schlauen Lautsprecher seien für vielfältige Anwendungen tauglich. Neben dem Streaming von Musik seien sie für individuelle Dienste als Sprach-Assistenten zu gebrauchen. Daneben würden sie in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen, da sie zunehmend die Funktion als Vermittlungsstelle für weitere Smart-Home-Dienste übernehmen würden.

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