Unternehmen

Die Moden der Manager

Was von Gurus und Päpsten zu halten ist

Von Marcel Schütz

Im Management sind nicht nur gute Manager gefragt, sondern auch zahlreiche Steuerungsansätze. Hinter diesen vermutet man ein ausgeklügeltes System. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, wie sehr sich neue Praktiken – sei es in der Personalführung, zur Kostenreduktion oder für die Prozessoptimierung – personellen Vorlieben und Zufällen verdanken.

Der Glaube in die Wirksamkeit bestimmter Verfahren spielt eine zentrale Rolle. Managementkonzepte werden mit relativ gleichbleibenden Versprechen präsentiert. So gelten sie gegenüber ihren Vorläufern als überlegen. Man behauptet die Überwindung defizitärer Strukturen und prognostiziert profitable Chancen für das Geschäft. Man erzählt sich von den angesagten „Gurus“ und „Päpsten“ der Managementszene, die in die neuen Lehren einführen. Charismatische Darbietung erleichtert den Zugang.

Die Forschung spricht von Managementmoden. Regelmäßig blitzen Musterlösungen in der Organisationspraxis auf und bewirken beträchtliche Anhängerschaft. Irgendwann haben die Modewellen ihr Maximum erreicht und fallen zusammen. Neue Wellen brechen in die alten hinein, womit wiederum andere Konzepte vorangetrieben werden.

Doch die einmal verschwundenen Moden müssen nicht für alle Zeit vergessen bleiben. Mit regelmäßig wechselnder Aufmerksamkeit kommt das Alte im Neuen wieder zum Vorschein. Zugespitzt formuliert muss Neues her, „um die herrschende Praxis alt aussehen lassen zu können“, wie der Managementprofessor Alfred Kieser schon vor Jahren schrieb.

Managementstile lassen sich beinahe beliebig kombinieren. Eben das macht sie – eingedenk kluger Verkaufsstrategien – erfolgreich. Als ausgefeilte Methode gilt es, möglichst klangvolle Schlagworte geschickt zu platzieren. Vielen Optimierungsprognosen folgt am Ende die Enttäuschung. Die gesteckten Ziele werden nur schwer, halb oder gar nicht erreicht. Eigene Rezepte hätten vielleicht mehr gebracht.

Man wird nicht hinter aller Veränderung Mode wittern müssen. Wo Prozesse als überholt gelten, Unzufriedenheit und Verschwendung bewirken, sind neue Praktiken hilfreich. Skepsis ist geboten, werden „Erfolgsfaktoren“ und „Königswege“ versprochen. Denn keine Organisation gleicht der anderen. Immer wieder müssen Unternehmen mühevoll lernen, dass es den „one best way“ nicht gibt.

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