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Nicht nur ein Spielzeug für Jungs: Modelleisenbahnen sind auch bei Mädchen beliebt. 

Spielwarenbranche

„Die Modellbahn hat sich im Image gewandelt“

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Dem Spielwarenhersteller Märklin geht es wieder besser. Neue Modelleisenbahnen sind zum Start des neuen Jim-Knopf-Films geplant.

Es sind keine einfachen Zeiten für Spielwarenhersteller. In Deutschland hat die Branche zwar zu Endkundenpreisen ein Umsatzplus von gut drei Prozent auf 3,4 Milliarden Euro erwirtschaftet. Auf vielen EU-Exportmärkten wurde aber teils bis zu einem Zehntel weniger verkauft. Das ist schon das zweite Jahr in Folge so. Insofern überrascht die Fürther Simba-Dickie-Gruppe positiv. Um 14 Prozent auf 702 Millionen Euro seien die Umsätze 2019 gestiegen, bilanziert Finanzchef Manfred Duschl. Bereinigt um Zukäufe bleibt zwar nur ein mageres Plus von einem Prozent. Aber auch das sehen die Fürther als Erfolg.

Zudem ist mit Märklin eine Marke auferstanden, an die in der Branche nicht mehr alle geglaubt haben. „Wir sind raus aus der Kellerecke“, freut sich Märklin-Chef Florian Sieber. Der Sohn von Firmenpatriarch Michael Sieber managt den 2013 übernommenen Modellbahnhersteller aus Göppingen, der lange auf ein Abstellgleis zuzusteuern schien, außerhalb des Dachs von Simba Dickie. Mit 117 Millionen Euro hat Märklin 2019 knapp fünf Prozent mehr umgesetzt und ist damit beschleunigt das zweite Jahr in Folge gewachsen. Addiert man das Fürther Familienunternehmen und die Göppinger, handelt es sich unter dem Strich mit 820 Millionen Euro Umsatz und 4300 Beschäftigten um Deutschlands größten Spielwarenhersteller.

Zwar sind Playmobil und Ravensburger als Einzelmarken größer, aber in der Summe ihrer 21 Marken wie Big (Tretroller), Zoch (Spiele) oder Schuco (Modellautos) bringt die fränkische Unternehmerfamilie mehr auf die Waage. Vorneweg in ihrem Reich fährt Märklin.

„Die Modellbahn hat sich im Image gewandelt und wir sind zum Treiber in der Branche geworden“, sagt Sieber junior. Gelungen sei das vor allem auch durch zeitgemäße Kundenansprache auf sozialen Netzwerken oder Youtube. Neu gewonnene Kunden seien zwar meist auch 40 Jahre oder älter. Aber wenn Väter mit ihren Söhnen oder Opas mit ihren Enkeln spielen, schaffe das generationsübergreifend Kundennachwuchs.

Dafür, dass es mit Märklin weiter nach oben geht, soll 2020 ein neuer Jim-Knopf-Film mit Lukas dem Lokomotivführer und vor allem der Dampflok Emma sorgen. Schon der erste Teil der Verfilmung des Buchs von Michael Ende war mit 1,8 Millionen Besuchern ein großer Erfolg. Per Lizenz soll Märklin auch diesmal davon profitieren. Zum Kinostart bringen die Göppinger neue Modellbahnsets in den Handel.

Allgemein wird das Geschäft mit Lizenzprodukten für Spielwarenhersteller und Händler immer wichtiger. 35 Milliarden Dollar wurden damit 2018 weltweit umgesetzt, sagt Marktforscher Joachim Stempfle. Das seien 30 bis 40 Prozent des globalen Spielwarenumsatzes. In Deutschland ist der Lizenz-Anteil mit einem Fünftel noch ausbaufähig.

Nicht nur Kinofilme werden mittlerweile in Spielwaren gegossen sondern auch Computerspiele wie Fortnite. Die wachsende Zahl angebotener Lizenzen, macht es nicht leicht, aufs richtige Pferd zu setzen. Zudem sind sie teuer.

Die Fürther gehen deshalb auch den anderen Weg, aus ihren Spielwaren eigene Animationsfilme zu machen. Dazu wurde eine eigene Film-Animationsfirma namens Kid e Media gekauft, die für Youtube nun erste zehn Episoden über die Spielzeughündin Chichi Love produziert hat, die Simba Dickie im Sortiment hat. Ausgestrahlt wurde bislang die Hälfte. „Wir haben 25 Millionen Zuschauer erreicht“, freut sich Sieber senior. Die nächsten Schritte sind geplant. Die Fürther denken an eine Serie für TV-Sender.

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