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„Mobilität darf keinen Preis haben“

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Von: Clemens Dörrenberg

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Der „Neun-Euro-Fonds“ will, dass alle mobil sein können. (Symbolbild)
Der „Neun-Euro-Fonds“ will, dass alle mobil sein können. (Symbolbild) © Arne Immanuel Bänsch/dpa

Eine bundesweite Initiative will das Neun-Euro-Ticket retten und unterstützt Mitglieder beim Schwarzfahren.

Mit einem roten Punkt auf der Frontscheibe protestierten schon in den siebziger Jahren Autofahrerinnen und Autofahrer gegen Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr. Damit signalisierten sie Passantinnen und Passanten eine kostenlose Fahrgelegenheit in ihrem Auto. Nun hat sich eine Gruppe von Engagierten in Berlin zusammengetan und mit Unterstützung verschiedener Initiativen wie „Sand im Getriebe“, „Wer hat, der gibt“ und „Freiheitsfonds – Raus aus der JVA“ ein Bankkonto eingerichtet, um gegen die Abschaffung des Neun-Euro-Tickets und wieder erhöhte Fahrpreise zu protestieren.

Sprecherin der bundesweiten Initiative „Neun-Euro-Fonds“ ist Leo Maurer. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht sie über Solidarität, Bus- und Bahnfahren ohne Fahrschein sowie die kostenlose Vision des öffentlichen Nahverkehrs.

Frau Maurer, seit 1. September ist das Neun-Euro-Ticket passé. Deshalb haben Sie den Neun-Euro-Fonds eingerichtet. Was steckt dahinter?

Der Neun-Euro-Fonds ist eine Art Ticketversicherung, die aus der Zivilgesellschaft kommt und in die Mitglieder für neun Euro pro Monat – wie man es vom Neun-Euro-Ticket kennt – eintreten können. Wenn Mitglieder in Straßen-, U- und S-Bahnen und Bussen ohne gültigen Fahrschein kontrolliert werden, übernimmt der Fonds das erhöhte Beförderungsentgelt, wie es so schön heißt.

Schwarzfahren ist allerdings eine Straftat.

Wir haben uns rechtlich beraten lassen und versuchen auch, unsere Mitglieder bestmöglich aufzuklären. Zuerst sollen die Leute günstig weiterfahren können und ganz abgesehen davon ist es ein Skandal, dass Mobilität irgendeine Form von rechtlicher Konsequenz hat.

Leo Maurer ist Sprecherin von „Neun-Euro-Fonds“.
Leo Maurer ist Sprecherin von „Neun-Euro-Fonds“. © Privat

Wie viele Menschen machen derzeit mit?

Den genauen Stand habe ich nicht, denn es geht gerade rasant zu bei uns. Innerhalb der ersten 4 Tage sind über 9000 Mitglieder, die neun Euro gezahlt haben, zusammengekommen und noch mehr Leute, die nur gespendet haben. Die Summe liegt insgesamt im fünfstelligen Bereich.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dieser Aktion?

Die Politik muss endlich dauerhaft ein günstiges Ticket auf die Straße bringen, um für möglichst viele Menschen klimagerechte Mobilität zu gewährleisten. Die langfristige Vision wäre ein kostenloses Ticket, weil Mobilität keinen Preis haben und für alle gleichermaßen zugänglich sein sollte. Das Neun-Euro-Ticket ist aber derzeit in aller Munde. Deshalb halten wir erst mal daran fest. Parallel dazu muss der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

Wie soll das denn finanziert werden?

Es ist jede Menge Geld da. Es fließt nur immer noch in klimaschädliche Mobilität wie das Diesel- und das Dienstwagenprivileg und noch viele weitere. Insgesamt sind es 46 Milliarden Euro. Dagegen bräuchte es nur zehn Milliarden Euro, um das Neun-Euro-Ticket weiter aus dem Staatshaushalt zu finanzieren.

Interview: Clemens Dörrenberg

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