Mobilfunk-Frequenzen

Heftiges Bietergefecht

  • schließen

Die 5G-Auktion in Mainz ist für die Mobilfunkbetreiber teurer als gedacht. Fehlt den Bietern nun das Geld für den Netzausbau?

Die Versteigerung der Frequenzen für den Mobilfunk der neuen Generation biegt in die Zielgerade ein. Bis Montagnachmittag boten die vier Rivalen mehr als 5,58 Milliarden Euro für das Recht zur Nutzung der Funkwellenbereiche. Das Bietergefecht in Mainz betrifft allerdings nur noch einige Blöcke, um die die Anbieter jedoch umso heftiger streiten. Wann die Auktion genau endet, ist derzeit noch offen.

Die Versteigerung dauert bereits fünf Wochen – ein gutes Stück länger als zu Beginn erwartet. Und sie spielt dem Staat mehr Geld ein, als die Anbieter eigentlich ausgeben wollten. Dennoch liegt der Preis pro Frequenzbereich noch unter dem Ergebnis der vorigen Auktion von 2015. Derzeit liegen die Kosten bezogen auf die angebotene Bandbreite bei rund 13,1 Millionen Euro pro Megahertz. Im Jahr 2015 waren es noch 18,8 Millionen Euro, bei der berüchtigten UMTS-Auktion im Jahr 2000 sogar 350 Millionen Euro pro Megahertz.

Experten erwarten jedenfalls nicht, dass die nun zu zahlenden Preise die Mobilfunkfirmen ernsthaft belasten werden. „Die Netzbetreiber werden nicht überfordert“, glaubt Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. In den kommenden 20 Jahren könnten die Anbieter mit den neuen Frequenzen einen dreistelligen Milliardenbetrag umsetzen. Ein einstelliger Milliardenbetrag für den Erwerb der Nutzungsrechte sei da absolut angemessen.

Zuvor hatten die Mobilfunkbetreiber, aber auch Oppositionspolitiker das Verfahren kritisiert: Die Preise seien so hoch, dass kein Geld mehr für den tatsächlichen Netzausbau übrig bleibe. Der Staat solle die Frequenzen kostenlos oder sehr preiswert vergeben, forderte beispielsweise Reinhard Houben, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Bundestag. Auch die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Auktion als zu teuer für die Konzerne.

Technik-Ökonom Gerpott weist das zurück. „Die Frequenzen sind ein knappes Gut. Erst die Versteigerung zeigt, was sie wert sind.“ Es sei normal, dass die Betreiber sie lieber umsonst hätten. „Aber solche Forderungen gehören zum Geschäft dazu.“

Die Branche hatte in der Tat gehofft, auch in absoluten Zahlen mit geringeren Kosten als 2015 wegzukommen. Doch in den Tagen nach Ostern überschritt die gebotene Summe den damaligen Wert von 5,1 Milliarden Euro. Die aktuelle Auktion ging am Montag in Runde 259. Die vorige Auktion im Jahr 2015 war schon nach 116 Runden zu Ende.

An der Versteigerung nehmen die Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland (O2) teil. Als Neueinsteiger ist auch die Drillisch Netz AG, besser bekannt unter dem Markennamen 1&1, mit im Rennen. Schon vor Ostern hatte sich das Bietergefecht auf einige Blöcke unter den vergleichsweise hohen Frequenzen um 3,6 Gigahertz verengt. Vor allem die Telekom und Vodafone überboten sich in den jüngsten Runden.

Die Frequenzen gelten als die Grundlage für den Aufbau des schnelleren Mobilfunkstandards 5G. Doch es steht den Anbietern frei, sie auch für den Ausbau der aktuellen Mobilfunkgeneration zu nutzen. Die Telekom hat jedoch bereits angekündigt, 99 Prozent der Bevölkerung bis 2025 mit 5G-Empfang zu beglücken. Das Herunterladen eines Spielfilms auf das Handy dauert dann nur noch wenige Sekunden. Die Telekom reagiert damit auch auf Vorgaben der Regierung, diesmal ein wirklich schnelles Datennetz flächendeckend bereitzustellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare