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Nest mit Netz: ein Storch in Pfaffenhausen, Bayern.

5G-Technologie

Wie gefährlich ist 5G?

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Kritiker sehen in der Mobilfunktechnologie eine Bedrohung für Mensch und Tier. 

Während die Wirtschaft auf das ultraschnelle Internet hinfiebert, fällt auf deren 5G-Lobgesang ein Schatten. Befeuert wird er von einer anderen Kombination aus Ziffer und Buchstabe: 2B. Es ist die Kategorie der internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die elektromagnetische Handystrahlung bereits 2011 mit einem „möglicherweise krebserregend“ belegte.

Mit der vor acht Jahren getroffenen Einschätzung argumentieren nun auch Kritiker gegen 5G und die langfristig absehbare Aufstellung neuer Sendeanlagen quer durch Deutschland. Wilfried Kühling vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geht sogar einen Schritt weiter als der IARC. Der Vorsitzende des Bundesarbeitskreises Immissionsschutz bei der Umweltschutzorganisation BUND spricht ganz selbstverständlich von „der Krebswirksamkeit hochfrequenter Felder und auch anderer gesundheitlicher Effekte des Mobil- und Kommunikationsfunks“. Er schließt sich daher Wissenschaftlern an, die fordern, dass der IARC Handystrahlung gar mit einem „wahrscheinlich krebserregend“ belegt, also von der Kategorie 2B auf 2A hochstuft.

Kühling beruft sich dabei auch auf die jüngste Studie des US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP), für die Mäuse und Ratten 2G- und 3G-Strahlung ausgesetzt wurden. Bei männlichen Ratten erkannten die Forscher dabei einen Zusammenhang zwischen intensiver Mobilfunkstrahlung und der Entstehung von Herztumoren. „Eine zukünftig zu erwartende, flächendeckend erhöhte Exposition durch 5G gegenüber heute muss aufgrund dieser Sachlage abgelehnt werden“, sagt Kühling. In einem Appell an die Vereinten Nationen, den gut 200 Wissenschaftler und Ärzte aus 36 Ländern unterschrieben haben, ist die Studie ebenfalls genannt.

Aufregung um tote Vögel

Allerdings wurden die Ratten und Mäuse für die NTP-Studie am ganzen Körper bestrahlt – und noch dazu mit deutlich höherer Strahlungsintensität als beim Mobilfunk. Dort gelten Grenzwerte, um gesundheitliche Gefahren durch die elektromagnetische Mobilfunkstrahlung abzuwenden. Einschlägig ist die spezifische Absorptionsrate, die berechnet, wie viel Strahlungsenergie in den Körper übergeht. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) empfiehlt für die Bestrahlung des ganzen Körpers, etwa durch Mobilfunkantennen, einen Grenzwert von 0,08 Watt pro Kilogramm – für die NTP-Studie wurden die Versuchstiere bei Ganzkörperwerten von 1,5 bis zehn Watt pro Kilogramm bestrahlt. Deshalb sieht das BFS auch in der NTP-Studie „keine aussagekräftigen Belege, dass Handystrahlung das Krebsrisiko beim Menschen erhöht“.

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Auch bei den Frequenzen, die nun für 5G versteigert werden sollen, gibt das BFS vorsichtig Entwarnung. Diese liegen bei 2,0 und 3,6 und 3,7 Gigahertz. „Also weitestgehend in den Frequenzbereichen, die wir vom jetzigen Mobilfunk kennen und die bereits gut erforscht sind“, sagt eine BFS-Sprecherin. Auf lange Sicht sollen aber höhere Frequenzen um 26 Gigahertz genutzt werden, die laut der Sprecherin bislang wenig erforscht sind. „Doch ist davon auszugehen, dass auch in diesen Bereichen unterhalb der bestehenden Grenzwerte keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind.“

In einem Punkt schließt sich das BFS der Prognose von Wilfried Kühling aber an: Auch das Bundesamt geht davon aus, dass die „Streubreite möglicher Expositionen“ auf lange Sicht zunehmen wird. Wie sich dies auf den Menschen auswirken werde, sei derzeit nicht abzusehen.

Und was ist mit der Tierwelt? Zuletzt sorgten vermeintliche 5G-Tests in den Niederlanden für Furore, die für ein massenhaftes Vogelsterben im Huygenspark in Den Haag verantwortlich gemacht wurden. Wie die zuständige Behörde jedoch mitteilte, wurde in der Umgebung gar nicht mit 5G experimentiert. Die Vögel starben vielmehr an inneren Verletzungen in Folge von Kollisionen.

Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sind bislang auch keine Fälle einer direkten tödlichen Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf Vögel bekannt – „sei es durch 5G oder ältere Technologien“, sagt Lachmann. Allerdings gäbe es Beobachtungen, nach denen Sperlinge und Weißstörche in unmittelbarer Nähe von zu großen Mobilfunkmasten einen verminderten Bruterfolg hätten. Auch die elektromagnetische Strahlung sei für die Magnetorientierung der Zugvögel keine Gefahr.

Auch der Bienenforscher Michael Kuhlmann von der Uni Kiel gibt Entwarnung. „Die Legenden vom Bienensterben durch Handystrahlung kennen wir natürlich auch“, sagt der Biologe. Aber damit Handystrahlung eine bedenkliche Wirkung auf den Organismus der Biene hätte, „müsste man sein Handy schon stundenlang direkt in den Bienenstock legen“.

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