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Die Commerzbank will es auch ohne einen Partner schaffen.

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Mitmachtheater bei der Commerzbank

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Gibt es Kaufinteressenten? Das Geldhaus hält sich bedeckt. Die Bilanz fällt mau aus.

Der Moment hatte etwas von Mitmachtheater. „Wenn wir einen kleinen Moment ganz ganz still sind, hören wir vielleicht etwas“, hatte Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels die zuhörenden Journalisten während einer Telefonkonferenz aufgefordert. Stille in der Leitung, vermutlich spitzten alle Journalisten in Erwartung einer Neuigkeit kurz die Ohren. Dann die Enttäuschung: „Nein, ich höre hier nichts klopfen“, sagte Engels.

Zuvor hatte ein Pressevertreter den Manager gefragt, ob nach dem Scheitern der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank nun viele andere europäische Institute bei der Commerzbank „anklopften“ und sie möglicherweise übernommen werde. Es blieb nicht bei der einen Frage zu dem Thema, so dass Engels irgendwann klarstellte, dass er zum Thema Übernahme und Fusionen alles gesagt habe und „keinen Mehrwert mehr bieten“ könne.

Zuvor hatte er allerdings betont, dass die Commerzbank es auch ohne einen Partner schaffen könne. Er gehe davon aus, dass die Konsolidierungsdiskussion in Europas Bankenbranche anhalten werde, sagte Engels. Aber für die Commerzbank sei „stand alone“ - also die Eigenständigkeit - vor den Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank eine Alternative gewesen und bleibe es auch. „Wir haben eine Strategie und ein Geschäftsmodell, das funktioniert.“

Genau daran hatte jedoch Commerzbank-Chef Martin Zielke selbst Zweifel gesät, als er Anfang April auf Werbetour für einen Zusammenschluss mit der Deutschen Bank gegenüber Mitarbeitern durchblicken ließ, dass die Commerzbank alleine zu klein sei, um profitabel arbeiten zu können. Dies sickerte an die Öffentlichkeit durch.

Fusionsgespräche wurden abgebrochen

Die Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank wurden Ende April abgebrochen. Zuvor hatten Medien berichtet, dass auch die niederländische ING und die italienische Unicredit Interesse hätten, die Commerzbank zu übernehmen. „Dass es hier ein großes Rennen gibt, sehe ich nicht“, sagte Engels jedoch auf die Frage, ob Banken schon für die Commerzbank Schlange stünden.

Die Commerzbank ist aufgrund ihrer hohen Privatkundenzahl und ihrer guten Verankerung im deutschen Mittelstand sicherlich ein interessantes Übernahmeobjekt. Sehr profitabel ist sie aber nicht. Das offenbarten auch die Zahlen für das erste Quartal wieder, die die Bank am Mittwoch vorlegte. Der Gewinn schrumpfte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 54 Prozent auf 120 Millionen Euro. Dies lag laut Engels vor allem an einer höheren Steuerquote sowie dem laufenden und zunächst belastenden Verkauf der Aktien- und Rohstoffsparte an die französische Société Générale. Entgegenhalten muss man dem allerdings: Besondere Effekte treffen Banken quasi jedes Jahr, was zählt, ist nun einmal, was unter dem Strich rauskommt.

Auch bei den Erträgen ging es um 2,8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro bergab. Im Vergleich zu den Erträgen im ersten Quartal 2017 war dies sogar ein Minus von 9,2 Prozent. Dennoch hielt Engels an dem Ziel fest, jährlich drei Prozent Ertragswachstum zu erreichen, „auch wenn das erste Quartal da kein Booster war“, so der Finanzvorstand. Die Eigenkapitalrendite der Bank lag in den ersten drei Monaten 2019 bei mageren 1,9 Prozent, nach 4,2 Prozent ein Jahr zuvor. Und die Kosten-Ertrags-Relation war mit 85,1 Prozent nochmal schlechter als vor einem Jahr. Das heißt, die Bank muss mehr als 85 Cent aufbringen, um einen Euro zu verdienen. Ziel der Bank sind etwa 71 Prozent im Jahr 2020, wobei auch dies kein sonderlich guter Wert wäre.

Allerdings macht die Commerzbank in einigen Bereichen auch Fortschritte. Die Kostenbasis des Instituts sinkt. Außerdem gewann Deutschlands viertgrößtes Geldhaus auch zum Jahresanfang weiter Kunden. Seit Oktober 2016 hat das Institut 1,2 Millionen neue Privatkunden und 9700 neue Firmenkunden akquiriert. 18 Monate dauere es im Schnitt, bis die Anwerbungskosten reingeholt seien, dann steuerten die Privatkunden aus den Filialen je 300 Euro Ertrag im Jahr bei, so Engels.

Zudem hat die Bank wie geplant das Volumen an Firmenkrediten ausgeweitet, was dazu führte, dass die Erträge des Segments stabilisiert werden konnten. Die einstige Vorzeigesparte der Bank bleibt allerdings ein Sorgenkind. Im ersten Quartal 2016 etwa lagen die Erträge noch bei 1,1 Milliarden Euro, nun schlugen nur noch 861 Millionen Euro zu Buche.

Die Bank peilt für 2019 eine Dividende von etwa 20 Cent je Aktie an. Die Börsianer reagierten verhalten auf das Quartalsergebnis. Die Aktie startete mit einem Plus in den Tag, drehte dann ins Minus, dann erneut ins Plus. Im Herbst will das Institut laut Engels eine neue Strategie vorlegen.

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