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Monetärer und sozialer Ertrag

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Von: Hannes Koch

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Sozial-Anleihen könnten unter anderem Menschen zugute kommen, die unter Armut leiden oder arbeitslos sind.
Mit Sozial-Anleihen können gesellschaftliche und soziale Projekte unterstützt werden. © Moritz Wienert

Mit Social Bonds lassen sich Rendite mit dem Erreichen gesellschaftlicher Ziele verbinden.

Ökologische Aktienfonds oder Anleihen umweltfreundlicher Unternehmen werden Privatanlegerinnen und -anlegern häufig angeboten. Kleiner ist dagegen der Markt für Kapitalanlagen, die neben dem Gewinn auch eine positive soziale Wirkung erzielen sollen. In diese Kategorie gehören sogenannte Sozial-Anleihen, in der Fachsprache auch Social Bonds genannt. Wie funktionieren diese Papiere?

Das Versprechen:

Als die öffentliche NRW-Bank kürzlich eine neue Sozial-Anleihe verkaufte, schrieb sie: „Wir fokussieren in besonderem Maße die soziale Dimension der Nachhaltigkeit.“ Das eingenommene Geld fließe unter anderem in „Projekte zur Förderung von bezahlbarem Wohneigentum“ und „die Unterstützung von Kommunen, etwa beim Thema schulische Bildung“. Im Falle eines Institutes für staatliche Wirtschaftsförderung wie der NRW-Bank mag dieses Versprechen nicht so erstaunen wie bei einer privaten Investment-Gesellschaft. Doch auch der Kapitalinvestor Franklin Templeton wirbt um Privatanleger:innen mit mehreren Fonds, in denen Sozial-Anleihen enthalten sind. „Die Erlöse“ würden „ausschließlich zur Finanzierung förderungswürdiger Projekte verwendet, die ein soziales Problem für eine Zielbevölkerung direkt lindern“.

Was ist eine Sozial-Anleihe?

Wer Anleihen eines privaten Unternehmens kauft, leiht diesem für einen bestimmten Zeitraum Geld und erhält für die Laufzeit des Papiers einen Zins. Am Ende der Laufzeit zahlt die Firma die geliehene Summe zurück. Im Falle von Staaten oder öffentlichen Institutionen wie der NRW-Bank funktioniert es genauso. Wer Anleihen erwirbt, ist Gläubiger:in der jeweiligen Firma oder des Staates – im Gegensatz zu Aktien, bei denen man Miteigentümer:in eines Unternehmens wird. Eine Besonderheit von Anleihen sei außerdem, dass „das neu eingeworbene Geld direkt in Projekte, wie Windparks, Netzausbau oder eben bezahlbaren Wohnraum“ fließe, erklärt Silke Stremlau vom Beirat der Bundesregierung für Nachhaltige Finanzen.

Wir wirkt so ein Wertpapier?

Mit ihrem Social Bond #1-2022 hat die NRW-Bank eine Milliarde Euro eingeworben. Wie diese Mittel arbeiten, erklärt Anleihe-Experte Frank Richter so: „Einen Teil des Geldes geben wir beispielsweise für Kredite aus, um Personen aus der unteren Mittelschicht dabei zu unterstützen, Immobilieneigentum zu erwerben.“ Etwa ein Paar mit zu versteuerndem Einkommen von bis zu 75 000 Euro jährlich kann dann ein zinsverbilligtes Darlehen für den Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Hauses erhalten. Der soziale Zweck besteht hier darin, Bürgerinnen und Bürgern zu Wohnungseigentum zu verhelfen, die sich das sonst eher nicht leisten könnten. Ein anderes Beispiel: Der Social Bond #1-2022 unterstützt auch Gemeinden in Nordrhein-Westfalen darin, neue Schulgebäude etwa mit Möbeln und technischer Ausstattung einzurichten. Hier lautet das soziale Ziel „bessere Bildung“. Gäbe es diese Art der Finanzierung nicht, würden wohl in mancher Schule keine Kinder unterrichtet. Private Kapitalanleger:innen finanzieren hier staatliche Politik und erhalten dafür eine Rendite. Der „Kupon“ der Anleihe, also der Zins, beträgt 2,5 Prozent jährlich. 2037 erhalten die Geldgeber ihr eingezahltes Kapital zurück. Um einzusteigen, muss man mindestens 1000 Euro investieren.

Wann ist eine Anleihe sozial?

Viele Marktteilnehmer – Emittenten und Käufer:innen – verlangen nach Kriterien, damit mit der Auszeichnung „sozial“ kein Schindluder getrieben wird. So orientiert sich die NRW-Bank an den Prinzipien der Internationalen Kapitalmarkt Vereinigung (ICMA). Darin ist festgelegt, dass Sozial-Anleihen unter anderem Menschen zugute kommen müssen, die unter Armut leiden oder arbeitslos sind. Die Versorgung mit Wohnraum lässt sich ebenfalls mit den Prinzipien rechtfertigen. Ein weiterer Kriterien-Katalog, der oft herangezogen wird, ist die Aufstellung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals). Weil die 17 Hauptziele allerdings mit 169 Unterzielen unterlegt sind, ergibt sich hier eine gewisse Schwammigkeit. Private Investmentfirmen können deshalb auch Anleihe-Fonds als „sozial“ bezeichnen, die in Papiere von Unternehmen investieren, die oft eher als unsozial bekannt sind.

Einige Emittenten:

Die Europäische Kommission hat ihre sogenannten SURE-Anleihen herausgegeben, um damit Mittel zu mobilisieren, mit denen die Mitgliedstaaten während der Corona-Pandemie die Arbeitslosigkeit bekämpfen konnten. Auch von der Entwicklungsbank des Europarats (CEB) gibt es Sozialanleihen. Und die Afrikanische Entwicklungsbank (AFDB) finanziert mit solchen Papieren unter anderem Armutsbekämpfung und landwirtschaftliche Projekte.

Gibt es auch Fonds?

Diese werden oft von privaten Banken und Vermögensverwaltungen zusammengestellt. Sie investieren nicht in einzelne Papiere, sondern in eine Anzahl diverser Anleihen und Aktien. Soziale und ökologische Ziele werden dabei mitunter gemischt. Die GLS Bank vertreibt etwa den „BFS Nachhaltigkeitsfonds Ertrag“, einen „Sozialfonds mit hohem ethischem Standard“. Dieser investiert unter anderem in Anleihen der niederländischen Waterschapsbank, die sich unter anderem im sozialem Wohnungsbau engagiert. In diesen Bereich kanalisiert auch die Investment-Gesellschaft Franklin Templeton einen Teil des mit ihren Social Bonds akquirierten Kapitals.

Worauf sollte man achten?

Wer einen sozialen Mehrwert durch den Anleihekauf erzielen möchte, muss genau betrachten, in welche Vorhaben das investierte Kapital fließt. Wichtig ist dabei auch eine „second party opinion“, das Gutachten einer unabhängigen Prüffirma, rät Antje Schneeweiß vom Arbeitskreis kirchlicher Investoren. Und da es nicht nur um den sozialen Zweck, sondern auch um den Gewinn geht, sollte man den vergangenen Kursverlauf studieren – sowie die Bonität des Schuldners.

Zins, Kurs und Ertrag:

Wichtig ist einerseits der Zinssatz der Anleihe, andererseits aber auch der Kurs. Denn nach der Ausgabe werden Anleihen wie andere Wertpapiere am Sekundärmarkt gehandelt, wodurch ihr aktueller Preis vom Ausgabepreis abweichen kann. Will man vor dem Enddatum verkaufen, berechnet sich der Gewinn aus den erhaltenen Zinsen und dem Verkaufserlös. Hält man die Anleihe bis zum Schluss, spielen die zwischenzeitlichen Schwankungen keine Rolle.

Was gilt bei Fonds?

„Anleger sollten bei jedem Fondsprodukt einen Blick in die Zutatenliste werfen, also in die Übersicht der enthaltenen Aktien oder Anleihen“, sagt Hendrik Buhrs vom Geldratgeber Finanztip. „Weitere sehr relevante Eigenschaften sind die laufenden Kosten sowie eventuelle Ausgabeaufschläge, weil diese die Rendite beeinflussen – teilweise stark.“

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