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Mit dem E-Bike in Tritt kommen

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Von: Mechthild Henneke

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E-Bikes erleben nach wie vor einen Boom.
E-Bikes erleben nach wie vor einen Boom. © Moritz Wienert

Der Boom bei E-Bikes hält an und viele Lager sind leer. Wer jetzt investieren will, muss Kompromisse machen. Die FR erklärt, worauf beim Kauf zu achten ist.

In der Corona-Pandemie sind Fahrradtouren für viele ein Highlight im Alltag. Sie ermöglichen es, öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden und erlauben, sich lange an der frischen Luft aufzuhalten, ohne eine Infektion zu riskieren. Die Folge ist ein Boom für die Fahrradbranche. In der Zeit steigender Ölpreise setzt sich dieser Trend fort. Vor allem E-Bikes sind beliebt, denn auf ihnen lassen sich auch lange Touren bewältigen.

Die Folge: Viele Lager sind leer gekauft. Wir erklären, wie sich trotzdem noch ein gutes Rad erstehen lässt und was bei Versicherungen zu beachten ist.

E-Bike oder Pedelec? Das ist der Unterschied

Was heute als E-Bike bezeichnet wird, ist genau genommen ein Pedelec. „Auf Pedelecs muss man treten, damit man Unterstützung bekommt“, sagt Peter Hürter, Geschäftsführer von Hürter Zweirad in Münster, einer von acht Betrieben aus der Fahrrad XXL-Gruppe. „E-Bikes fahren dagegen allein, ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt 20 Stundenkilometer und sie brauchen ein Kennzeichen.“ Das E-Bike in dieser Form hat sich nicht durchgesetzt und ist fast vom Markt verschwunden. Pedelecs sind beliebter denn je und haben die Bezeichnung „E-Bike“ übernommen. Ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt 25 Stundenkilometer.

Eine weitere Variante ist das Schnell-Pedelec oder S-Pedelec. Es fährt bis zu 45 Stundenkilometer und zählt als Kraftfahrzeug. „Man darf mit dem S-Pedelec nicht durch einen Park wie den Tiergarten fahren“, sagt Hürter. „In Deutschland ist diese Klasse schwach vertreten, in Holland dafür stärker.“ Grund sei das bessere Radwegenetz im Nachbarland.

Verfügbarkeit und Preisspanne bei E-Bikes: Was Sie wissen sollten

E-Bikes kosten für Einsteiger zwischen 1000 und 1500 Euro. „Das sind Räder für Kurzstrecken“, sagt Josef Zimmerer, Niederlassungsleiter Berlin von Fahrrad Stadler. Hochwertige Räder gebe es ab 2000 oder 2200 Euro. „Ab 2500 Euro gibt es ebenfalls hochwertige, gut ausgestattete Räder, die langlebig sind und einen starken Motor haben“, sagt er. Wer im Internet nach einem Rad sucht, findet viele Räder ab 3000 Euro. „Man kann aber auch 10 000 Euro in ein Rad investieren“, sagt Hürter.

Angesichts der hohen Nachfrage sind viele Räder ausverkauft. Ein weiterer Grund für die leeren Lager ist, dass viele wichtige Teile von E-Bikes aus China kommen. Wegen Corona würden dort immer wieder Produktionsstätten oder Umschlagplätze wie Häfen geschlossen, berichtet Hürter. „Shimano ist zum Beispiel der Weltmarktführer für alles, das im weitesten Sinn mit Antrieb und Ähnlichem zu tun hat.“ Wenn eins der Shimano-Werke zu sei, das Schaltungen für die ganze Welt baue, spüre das die gesamte Industrie. „Das ist ein echter Flaschenhals, denn es gibt in der Branche kaum Alternativen“, sagt Hürter.

Die Folge ist, dass der Kunde momentan nicht die Auswahl habe, die er eigentlich im Frühjahr, dem Beginn der Fahrradsaison, erwarten könne. „Die interessantesten Sachen sind vergriffen“, sagt Hürter. Dabei handele es sich um Marken mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis wie Cube. Dieser Hersteller koste rund zehn Prozent weniger als Anbieter, die konventionell produzieren. Cube kalkuliere dagegen in vielen Bereichen knapp und verzichte auf ein Lager.

Auch Zimmerer sagt: „Wir sind eng, wir würden gern mehr anbieten, aber es ist nicht aussichtslos.“ Beide Händler betonen, dass es noch ausreichend Räder gebe. „Es gibt immer ein Alternativprodukt, das man anbieten kann“, sagt Zimmerer. Der Kunde müsse sich vielleicht von seinem Wunsch-E-Bike verabschieden, doch es gebe durchaus noch gute Räder, auf die man ausweichen könne. Sonst muss man vorbestellen und wird das Rad vielleicht erst 2024 erhalten.

E-Bikes: Diese verschiedenen Typen gibt es

Die entscheidende Frage sei: „Wofür möchte ich das E-Bike nutzen?“, sagt Andreas Leo Schlüter, Leiter Kundenservice vom E-Bike-Hersteller Advanced aus Frankfurt. Allgemein wird unterschieden zwischen Urban Bikes für innerstädtisches Fahren, Trecking- oder Tour-Rädern für Fahrten innerhalb und außerhalb der Stadt sowie Offroad- oder Cross-Rädern für unbefestigtes Gelände. Am Markt sind die drei Typen etwa gleich beliebt. Außerdem gibt es Lastenfahrräder, Rennräder und sogar Kinderräder mit Elektroantrieb.

Beim Kauf empfiehlt Schlüter, sich am bisherigen Rad zu orientieren. „Hatte ich eine Rücktrittsbremse, dann würde ich auch ein E-Bike mit Rücktritt nehmen“, nennt er als Beispiel. Über den Unterstützungsmodus könne man sich schnell an die neue Fahrradkategorie herantasten. „Wenn man am Anfang nur leichte Unterstützung wählt, ist die Umstellung nicht so groß“, sagt er. Er empfiehlt, unbedingt einen Fahrradhelm, eventuell auch Handschuhe zu tragen. Es gebe außerdem Halskrausen mit Airbag-Funktion.

Finanzielle Fragen zum E-Bike: Leasing oder Ratenkauf?

Weiter „ein Riesenthema“ ist laut Hürter das Leasing-E-Bike als Angebot von Arbeitgebern. „Seit die öffentliche Verwaltung sich auch dafür entschieden hat, ist das Interesse noch mehr gestiegen“, sagt er. 25 Prozent der E-Bikes gingen als Jobräder raus. „Dieses Angebot hat viele aufs Rad gebracht.“ Die meisten Fahrradhändler bieten für Privatkunden eine Finanzierung an. Hürter sagt, dass eine Anzahlung von 1000 Euro üblich sei, anschließend Raten über 36 oder 48 Monate. Die Konditionen ähnelten klassischen Krediten. Er schätzt, dass zwei bis drei Prozent der Kunden ihr E-Bike über eine Finanzierung kaufen.

Nach Kauf eines E-Bikes: Darauf sollten Sie bei der Versicherung achten

Ein großes Thema sind Versicherungen für E-Bikes – vor allem wegen der Diebstahlgefahr. Schon die Sicherung im Haus sei besonders in der Großstadt ein Problem, berichtet Schlüter. Das Rad in den Keller zu tragen, ist eine Aufgabe. Die Räder wiegen im Schnitt 24 bis 26 Kilogramm. Annegret Jende, Projektleiterin bei Stiftung Warentest, rät zu einer speziellen Fahrradversicherung. Wer sich auf die Hausratversicherung verlasse, könne seinen Vertrag verlieren, wenn das Rad ein- oder zweimal gestohlen wurde. Die Tarife liegen zwischen rund 60 und fast 500 Euro jährlich – abhängig vom Kaufpreis des Rads und auch vom Wohnort.

Ein weiteres Thema sind Schäden, die beim Unfallgegner entstehen können. Bei Pedelecs greift die private Haftpflichtversicherung, weil Pedelecs nicht von allein fahren. Bei den Formen des E-Bikes, die sich selbstständig bewegen, muss eine separate Versicherung abgeschlossen werden. Der Unfallschutz sollte ausreichend groß ein, denn Personenschäden können leicht in die Millionen gehen. (Mechthild Hennecke)

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