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Die Dresdner Niederlassung der Bundesagentur für Arbeit.
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Die Dresdner Niederlassung der Bundesagentur für Arbeit.

Arbeitsagentur-Zahlen

Das Minijob-Wunder

  • VonEva Roth
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Der November hat trotz Wintereinbruch keine Jobs gekostet: Rund 14.000 Menschen fanden sogar einen Job, die im Oktober arbeitslos waren. Forscher entdecken die Fachkräfte-Reserve.

Der November hat trotz Wintereinbruch keine Jobs gekostet: Rund 14.000 Menschen fanden sogar einen Job, die im Oktober arbeitslos waren. Forscher entdecken die Fachkräfte-Reserve.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) jubelt: „Der Arbeitsmarkt bleibt in Rekordlaune.“ Tatsächlich ist die Zahl der registrierten Jobsuchenden in November noch einmal leicht gesunken: Mit 2,93 Millionen wurde der niedrigste November-Wert seit 1991 erreicht. Mehr noch: In diesem Herbst gab es in Deutschland 41 Millionen Erwerbstätige – so viele wie noch nie seit der Vereinigung. Damit zeige sich der Arbeitsmarkt in der besten Verfassung seit der deutschen Einheit, befindet der FDP-Politiker. Was er verschweigt: Es gibt gar nicht mehr Arbeit, sondern nur mehr kleine Jobs.

So ist das Arbeitsvolumen nicht etwa gestiegen, sondern geschrumpft. Selbst im Boomjahr 2008 haben alle Beschäftigten zusammen weniger Arbeitsstunden erbracht als 1991. An diesem langfristigen Trend hat sich bis heute nichts geändert. Das Arbeitsvolumen dürfte in diesem Jahr etwa auf Vorkrisenniveau liegen, sagt der Forscher Eugen Spitznagel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der dazu kürzlich eine Prognose erstellt hat.

Gleichzeitig ist die Zahl der Erwerbstätigen seit 1991 immerhin um 2,4 Millionen gestiegen. Spitznagel hat sich die Entwicklung genauer angesehen und festgestellt, dass die Zahl der Vollzeitjobs stark gesunken ist. Die Zahl der Teilzeitstellen hat sich dagegen mehr als verdoppelt. Heute arbeitet jeder dritte abhängig Beschäftigte in Teilzeit. Insbesondere Minijobs haben sich rasant verbreitet: Inzwischen gibt es mehr als sieben Millionen solcher Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten maximal 400 Euro im Monat verdienen. Bleibt festzuhalten: Der Beschäftigungsrekord ist nur möglich, weil sich Millionen Menschen – vor allem Frauen – mit einer kleinen Stelle begnügen.

Genau darin liegt aber auch eine Chance, meinen Forscher wie Spitznagel: Um einem Fachkräftemangel vorzubeugen, könnten die Arbeitszeiten der Leute verlängert werden. Spitznagel sieht darin ein „enormes Reservoir, das mobilisiert werden könnte“. Denn 40 Prozent der Frauen mit einer sozialversicherungspflichtigen Teilzeitstelle wollten länger arbeiten, unter den Minijobberinnen seien es sogar 60 Prozent. Das habe eine repräsentative Befragung ergeben. Wenn alle diese Frauen ihre Arbeitszeit-Wünsche umsetzen könnten, entspräche dies rein rechnerisch satten 840000 Vollzeitstellen, so Spitznagel. Gerade Frauen mit einer betrieblichen Berufsausbildung wünschten sich längere Arbeitszeiten.

Natürlich könne dieses Potenzial nicht von heute auf morgen gehoben werden, betont Spitznagel. Nötig sei eine stärkere Kinderbetreuung – und eine bessere berufliche Weiterbildung. So würden in Deutschland viel weniger Beschäftigte weitergebildet als in anderen europäischen Ländern.

Längere Arbeitszeiten für Teilzeit-Beschäftigte

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) glaubt, dass längere Arbeitszeiten von Teilzeit-Beschäftigten helfen könnten, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Dies sei etwa im Gesundheits- und Pflegebereich vorstellbar, sagt IW-Arbeitsmarktexperte Alex Plünnecke der Frankfurter Rundschau. In der Industrie sieht er dagegen kaum Chancen, weil dort die meisten bereits einen Vollzeitjob hätten.

Bereits heute würden viel mehr Betriebe als früher flexible Arbeitszeitmodelle wie Konten anbieten, um ihr Personal zu halten. In Großbetrieben sei dies inzwischen üblich, kleinere Firmen seien dabei, solche Modelle zu ermöglichen.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert, mehr in Aus- und Weiterbildung zu investieren, um das Fachkräftepotenzial auszuschöpfen. Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach verweist zudem darauf, dass die Arbeitslosigkeit im November nur leicht zurückgegangen ist. Tatsächlich ist die Zahl der registrierten Jobsuchenden saisonbereinigt nur um rund 9000 gesunken. Möglicherweise bemühen sich wieder mehr Menschen aus der „stillen Reserve“ erfolgreich um einen Job, meinen Fachleute. Also Menschen, die arbeiten wollen, aber nicht als arbeitslos registriert sind.

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