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Minijob-Grenze steigt auf 520 Euro: Das ändert sich ab Oktober

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Von: Niklas Kirk

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Parallel zum Mindestlohn steigt ab Oktober die Verdienstmöglichkeit in geringfügigen Beschäftigungen. Die Reformen sollen dabei den Midijob attraktiver machen.

Frankfurt – Die Vorschriften für Minijobs und Midijobs werden zum 1. Oktober in Bezug auf die Sozialversicherungsabgaben geändert. Während parallel zum Mindestlohn die sozialversicherungsfreie Obergrenze für Arbeitnehmende auf 520 Euro angehoben wird, sollen Anpassungen zu Sozialversicherungsabgaben im Übergangsbereich Anreize schaffen, über die 520 Euro hinaus zu arbeiten.

Für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, wie sie beispielsweise oft Studierende innehaben, galten seit den Hartz-Reformen sozialversicherungsrechtliche Besonderheiten. Wird der bisherige Höchstsatz von 450 Euro monatlich, beziehungsweise die jährliche Obergrenze von 5400 Euro, nicht überschritten, können sich die Arbeitenden von Sozialversicherungsabgaben befreien lassen. Auch von der Pflicht zur Abgabe von Versicherungsbeiträgen zur Rente, die seit 2013 für Minijobs besteht, existiert die Möglichkeit zur Befreiung mittels Antrag.

Minijob-Reform: Weniger Sozialabgaben als Anreiz zu Mehrarbeit

Servicekraft
Eine Servicekraft serviert einen Eisbecher. © picture alliance / Axel Heimken/dpa/Symbolbilbild

Die Problematik dieses Systems liegt auf der Hand, nämlich, dass ab jedem über dem Höchstsatz verdienten Euro die Arbeitnehmer:innen in den Übergangsbereich gleiten und aus dem Minijob ein Midijob wird. Ab hier werden Sozialversicherungsabgaben auch für Arbeitnehmer verpflichtend. Aufgrund der Höhe der Abgaben, die bei geringer Mehrarbeit sogar das vormals verdiente Netto „auffrisst“, besteht so kein monetärer Anreiz über diese Grenze hinaus zu arbeiten. Auch für Arbeitgeber kommen bei Mehrarbeit der Minijobber extra Kosten hinzu. Dieser Problematik, zumindest für Arbeitnehmer, soll mit den kommenden Reformen begegnet werden.

Der Fokus liegt dabei auf der Abgabenlast im Midijob. Um es Arbeitnehmenden in Zukunft attraktiver zu machen, oberhalb der Obergrenze für Minijobs zu arbeiten, werden die Sozialversicherungsabgaben zugunsten der Arbeitnehmer reduziert. So soll sich für sie die Mehrarbeit im Übergangsbereich lohnen und gleichzeitig Sozialversicherungsbeiträge eingenommen werden, von denen sich Minijobber möglicherweise befreien würden.

Minijob-Reform: Neues Berechnungsmodell für Sozialabgaben

Grundsätzlich gilt ab Herbst, dass von jedem zusätzlich verdienten Euro nach Abzug der Sozialbeiträge 70 Cent übrig bleiben, womit im Gegensatz zu vorher bereits eine geringe Aufstockung der Arbeitszeit lohnenswert wird. Statt die höchste Abgabenlast am unteren Ende des Übergangsbereiches zu zahlen, liegt diese nun am oberen Ende, wenn proportional zum steigenden Gehalt mehr abgegeben wird.

So würde sich gemäß der Faustformel von 30 Cent pro zusätzlich verdientem Euro die Abgabenlast am Beispiel von 600 Euro Bruttoverdienst wie folgt ändern:

Die Teilzeitfalle und das Verharren unterhalb der Beitragsgrenzen würde somit „eigentlich abgeschafft“, sagte Reinhold Thiede, Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung der Deutschen Rentenversicherung (DRV), den die Süddeutsche Zeitung bezugnehmend auf einen Fachvortrag im Juli dieses Jahres zitiert.

Minijob-Reform gegen Teilzeitfalle: Reform auf Kosten der Rentenkasse

Eine Problematik sieht Thiede in der Diskrepanz zwischen tatsächlich gezahlten Beiträgen zur Rentenversicherung und den daraus entstehenden Rentenpunkte, die sich in ferner Zukunft auf die Höhe der Rente auswirken. Thiede sagte, die höheren Beiträge der Arbeitgeber glichen die geringeren Zahlungen der Arbeitnehmer nicht aus, die Beschäftigten würden so Rentenansprüche erwerben, die nicht durch die Beiträge gedeckt seien, so die Süddeutsche Zeitung weiter.

Trotz der Mehrbelastung für Arbeitnehmer, erwartet Thiede dennoch, dass es in Zukunft mehr „Midijobber“ geben wird. „Die Arbeitgeber suchen ja händeringend Leute“, zitiert die SZ, denn im Zuge der Corona-Pandemie mussten sich viele Wirtschaftsbereiche von ihren Minijobbern trennen. (nki)

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