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Preiserhöhungen wegen Mindestlohn dürften „große Inflation weiter antreiben“

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Von: Karolin Schäfer

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Ab Oktober steigt der Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde. Das könnte aber auch gleichzeitig bedeuten, dass die Inflation zu nimmt.

Frankfurt/München – Der Mindestlohn steigt: Zum 1. Oktober erhält jeder Arbeitnehmende in Deutschland mindestens zwölf Euro pro Stunde. Die Erhöhung dürfte für viele genau gelegen kommen, denn aufgrund des Ukraine-Krieges steigen derzeit die Lebenshaltungskosten für Lebensmittel, Gas und Sprit ins Unermessliche.

Dem Ergebnis einer Studie des Münchener ifo-Instituts zufolge gibt es aber einen Haken. Die Erhöhung der Ampel-Regierung könnte nach Einschätzung der Forschungseinrichtung „die ohnehin schon große Inflation weiter antreiben“, hieß es in einer Mitteilung am Freitag (9. September).

12 Euro Mindestlohn: Unternehmen wollen Preise anziehen

Etwa ein Drittel (30,7 Prozent) der 6900 befragten Firmen beschäftigen Mitarbeitende für weniger als 12 Euro pro Stunde, teilte das Institut mit. Als Reaktion auf die Erhöhung des Mindestlohnes, planen 58 Prozent, ihre Preise anzuziehen. Eine Vielzahl der Befragten vermutete, dass sich die Einkaufspreise durch die Anhebung erhöhen werden.

Künftig verdienen Arbeitnehmende in Deutschland mindestens zwölf Euro pro Stunde.
Künftig verdienen Arbeitnehmende in Deutschland mindestens zwölf Euro pro Stunde. © Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Bislang liegt der Mindestlohn bei 10,45 Euro, ab Oktober gibt es dann zwölf Euro pro Stunde. Mehr als sechs Millionen Arbeitnehmende profitieren dann von der Erhöhung. Teuer bleiben die Lebenshaltungskosten dennoch. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate im August bei 7,9 Prozent. Expert:innen gehen davon aus, dass die in den kommenden Monaten zweistellig werden könnte. Die Bundesbank schätzt die Rate künftig auf zehn Prozent.

Mindestlohn wird erhöht: Nur wenige Unternehmen wollen Stellen abbauen

Einen Jobverlust dürften viele durch die Änderung ab Oktober aber nicht befürchten. Der Münchener Studie zufolge planen lediglich 12,7 Prozent der Unternehmen, Stellen abzubauen. 5,1 Prozent wollen sogar mehr Beschäftigte einstellen. Die Mehrheit der Befragten (82,7 Prozent) wollen die Zahl der Mitarbeitenden gleich halten.

Rund 18,3 Prozent der Unternehmen wollen die durchschnittliche Arbeitszeit der Beschäftigten verringern. Ähnlich viele (17,7 Prozent) denken über Kürzungen von Sonderzahlungen nach. Künftig könnten auch weniger Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen vom Arbeitgeber angeboten werden. Denn 32,4 Prozent der befragten Firmen wollen ihre Investitionen dahingehend zurückschrauben. „Die große Mehrheit der betroffenen Unternehmen plant demnach nicht, die teurer gewordenen Arbeitskräfte durch Kapital zu ersetzen oder in das Wissen der Beschäftigten zu investieren, um deren Produktivität zu steigern“, sagte ifo-Arbeitsmarktexperte Sebastian Link. (kas)

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