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David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens

Wirtschaftsnobelpreis für Forschungen zum Arbeitsmarkt: Mindestlöhne sind keine Jobkiller

  • VonRudolf Hickel
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Mit dem diesjährigen Wirtschafts-Nobelpreis ehrt das Komitee drei Spezialisten auf dem Gebiet der experimentellen Ökonomie für ihre Forschung zum Arbeitsmarkt.

Stockholm - Die drei in den USA forschenden Ökonomen David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens werden in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag (11.10.2021) in Stockholm bekannt.

Der aus Kanada stammende Card erhält die eine Hälfte des renommierten Preises für seine empirischen Beiträge zur Arbeitsmarktökonomie, wie der Generalsekretär der Akademie, Göran Hansson, bei der Bekanntgabe sagte. Der aus dem US-Staat Ohio stammende Angrist und der in Eindhoven geborene niederländisch-amerikanische Wissenschaftler Imbens teilen sich die andere Hälfte für ihre methodischen Beiträge zur Analyse von Kausalbeziehungen.

Der Wirtschaftsnobelpreis 2021 geht an die Wirtschaftswissenschaftler Joshua Angrist, Guido Imbens und David Card.

Wirtschaftsnobelpreis: Beitrage haben „empirische Arbeit komplett neugestaltet“

Viele drängende Fragen vor allem in den Sozialwissenschaften könnten nicht mit randomisierten Experimenten beantwortet werden, sagte der Vorsitzende des zuständigen Nobelkomitees, Peter Fredriksson. Doch manchmal sorgten natürliche oder politische Veränderungen dafür, Situationen zu schaffen, die diesen Zufallsexperimenten ähnelten.

„Die diesjährigen Preisträger haben gezeigt, dass solche natürlichen Experimente dabei helfen, wichtige Fragen für die Gesellschaft zu beantworten“, sagte Fredriksson. „Die kombinierten Beiträge der Preisträger haben die empirische Arbeit in den Wirtschaftswissenschaften komplett neu gestaltet. Deshalb hat sich unsere Fähigkeit, kausale Fragen von großer Bedeutung für uns alle zu beantworten, enorm verbessert.“

Wirtschaftsnobelpreis an US-Forscher: Hohe Löhne lassen Motivation steigen

Während die Diskussion von Joshua Angrists und Guido Imbens Forschungsarbeiten einschlägigen Fachkreisen vorbehalten blieb, erreichte die wirtschaftswissenschaftliche Bedeutung der Arbeitsmarktforschung von David Card eine größere Öffentlichkeit. Seine Ehrung ist ein später Paukenschlag. Mit seiner epochalen Studie hat Card zusammen mit Allen B. Krueger bereits 1994 belegt: Gesetzliche Mindestlöhne sind keine Jobkiller. Im Gegenteil, sie tragen durch das Ausbremsen schmutzigen Wettbewerbs mit Niedriglöhnern zur Produktivität der Wirtschaft bei.

Entdeckt haben sie den Missbrauch von Marktmacht durch Unternehmen, die auch der eigenen Konkurrenz schadet. Und die lässt sich durch ordnungspolitisch gewollte Mindestlöhne eindämmen. Den Ausgangspunkt dieser Begründung von Mindestlöhnen bildet das New-Jersey-Experiment von Card und Krueger: Die Mindestlöhne für einfache Arbeit in den Schnellrestaurants der Fastfood-Branche lagen in New Jersey deutlich über der nationalen Mindestvorgabe im Nachbarstaat Pennsylvania.

Forschung von Wirtschafts-Nobelpreisträger Card: Wegweisender Forschungsansatz

Im diametralen Widerspruch zur neoklassischen Arbeitsmarkttheorie blieb jedoch die Jobkiller-Wirkung im Bundesstaat mit den höheren Mindestlöhnen aus. Die theoretische Erklärung: Die vorherrschende Marktmacht der Unternehmen bei der willkürlichen Lohnfindung wurde behindert. Und wegen der höheren Löhne stieg die Motivation zur Arbeit, die den Lohnanstieg kompensierte.

Diese Pionierstudie löste eine Flut von Contra- und Pro-Studien aus. Die Methoden sind verbessert worden. Heute besteht - von wenigen Außenseitern abgesehen - auch in der Wirtschaftswissenschaft ein breiter Konsens über notwendige Mindestlöhne zur Stabilisierung der Arbeitsmärkte.

Frauen sind deutlich unterrepräsentiert

Vergabe von Wirtschaftsnobelpreis: Markt muss sich der Gestaltung guter Arbeit widmen

Dieser Nobelpreis kommt zwar spät, aber nicht zu spät. Damit werden die spät einsetzenden Bemühungen um Mindestlöhne in Deutschland geehrt. Die marktliberalen Protagonisten sollten die Ehrung von Card zum Anlass nehmen, sich der Gestaltung von guter Arbeit zu widmen.

Der seit Ende der 60er Jahre vergebene Wirtschaftsnobelpreis ist der einzige, der nicht auf das Testament von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833–1896) zurückgeht. Er wurde von der schwedischen Zentralbank gestiftet und zählt somit streng genommen nicht zu den klassischen Nobelpreisen.

Unter den Wirtschaftsnobelpreisträgern war bislang erst ein Deutscher: Der Bonner Reinhard Selten erhielt ihn 1994 gemeinsam mit John Nash und John Harsanyi für ihre wegweisenden Beiträge zur nichtkooperativen Spieltheorie. Besonders häufig werden Wissenschaftler:innen aus den USA in dieser Preiskategorie ausgezeichnet. (Rudolf Hickel mit dpa)

Der Autor ist Wirtschaftswissenschaftler, war Hochschullehrer in Bremen und von 2001 bis 2009 Direktor des Instituts Arbeit und Wirtschaft.

Rubriklistenbild: © dpa/red

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