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Verlieren ist immer unangenehm. Wenn es um viel Geld geht, wird es richtig heikel. Und Fußballwetten sind ein Milliardengeschäft.

Sportwetten

Minderjährige können online Geld verzocken

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Verbraucherschützer haben bei Test festgestellt, dass Wettanbieter im Netz das Alter von Spielern nicht überprüfen.

Glücksspiel im Internet ist hierzulande eine heikle und verwirrende Angelegenheit. Vieles geschieht in einer rechtlichen Grauzone. Casinospiele im Internet sind in allen Bundesländern außer in Schleswig-Holstein, das dafür im Alleingang Lizenzen vergeben hat, verboten. Wer sich aus welchem Bundesland anmeldet, wird aber nicht überprüft, sagen Verbraucherschützer. Das Internet kennt keine Grenzen.

Online- Sportwetten wiederum sind derzeit rechtlich geduldet. Um Wirrwarr und Unsicherheiten zu beenden, ist eine Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags in Arbeit, über die alle 16 Bundesländer noch in diesem Jahr entscheiden wollen. Hinter den Kulissen wird heftig gestritten, hört man. Konsens ist aber, dass Minderjährige online keinen Zutritt zu Glücksspielen haben dürfen. Das gilt heute schon. Möglich ist es trotzdem.

Das legt zumindest eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bayern nahe. Die für Digitales zuständigen Experten des Marktwächterteams haben getestet, ob Online-Wettanbieter bei der Anmeldung das Alter auch wirklich prüfen und ein eindeutiges Ergebnis erzielt. „Das tatsächliche Alter wurde bei keiner einzigen der fünf getesteten Webseiten überprüft“, sagt Verbraucherschützerin Tatjana Halm.

Versucht haben es ihre Kollegen bei namhaften Anbietern wie Tipico und Bet-at-home. Bei den Testanmeldungen habe man auch ungeprüft Geld einzahlen und Wetten platzieren können. Bezahlt wurde dabei mittels Paysafekarten. Deren Erwerb sollte eigentlich auf Erwachsene beschränkt sein. „Bei unserem Testkauf wurde kein Ausweisdokument verlangt“, klärt Projektleiterin Juliane von Behren von der Verbraucherzentrale Bayern auf. Erwerben kann man solche Karten im Handel, der in diesem Punkt bei der Altersprüfung offenkundig ebenfalls versagt. Altershürden könnten damit auf allen relevanten Ebenen leicht umgangen werden, folgert von Behren.

Beim Anmelden auf den Seiten von Online-Wettanbietern reicht einfach die Angabe eines falschen Geburtsdatums. Das bestreiten zwei der fünf getesteten Online-Wettbüros. Die drei anderen haben auf Anfragen nicht geantwortet. Widerspruch angemeldet haben Tipico und Bet-at-home. „Jugendschutz besitzt bei Tipico höchste Priorität“, erklärt ein Unternehmenssprecher. Bei jeder Anmeldung müssten sich Nutzer als geschäftsfähige Personen identifizieren und bestätigen, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind. Dafür gebe es mehrstufige Sicherungsmaßnahmen und Abgleiche der Anmeldedaten mit Wirtschaftsauskunfteien, Identitätsdatenbanken oder Sperrdateien. Bet-at-home äußert sich sehr ähnlich.

Eine eigene Abteilung würde dort laufend die Rechtmäßigkeit von Kundendateien überprüfen, wird beteuert. Sollte sich dabei herausstellen, dass Minderjährige gesetzeswidrig gezockt haben, würden sämtliche Transaktionen rückabgewickelt.

Die Verbraucherschützer widersprechen. „Welche mehrstufigen Sicherungsmaßnahmen bei Tipico greifen, können wir nicht nachvollziehen“, sagt von Behren. Eine tatsächliche Überprüfung des Alters finde im Rahmen der Registrierung jedenfalls nicht statt. Mit einem falschen Geburtsdatum könne sich jeder anmelden und hätte dann im Übrigen nicht nur Zugriff auf Sportwetten sondern auch auf Online-Casinos.

Die Verbraucherschützer finden die Lücken im System bedenklich. „Es besteht die Gefahr, dass junge Menschen spielsüchtig werden und in eine finanzielle Schieflage geraten“, warnt Halm. Politisch seien die Bundesländer mit der Neufassung des Glücksspielstaatsvertrags in der Pflicht.

Doch wie immer auch der neue Staatsvertrag am Ende des Tages auch aussehen mag - wenn sich Minderjährige mit einem Klick im Internet volljährig machen können, nutzt jede Neuregelung wenig. Dabei wäre wirksame Kontrolle leicht möglich. „Tipico implementiert gerade Methoden der Video-Identifikation, die sehr zeitnah nach der Registrierung notwendig werden“, sagt ein Firmensprecher. Solche Verfahren werden auch von Banken verwendet. Anmelder müssen dabei einen Ausweis vor eine Kamera halten und können damit bei Identität oder Alter nicht mehr schummeln. Bei Online-Wettanbieter mit Milliardenumsätzen sollte das zum Standard gehören.

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