Entwicklungspolitik

Millionen Vertriebene

  • schließen

Die Weltbank steht in der Kritik. Sie unterstützt weiterhin Projekte, für die Menschen umgesiedelt werden.

Die deutsche Entwicklungsorganisation Urgewald wirft der Weltbank vor, dass für 40 Prozent ihrer Entwicklungsprojekte, etwa beim Straßen- und Bergbau und bei Agrarvorhaben, Menschen umgesiedelt wurden oder noch umgesiedelt werden sollen. „Unsere Analyse liefert Hinweise darauf, dass die Weltbank die Menschen in ihren Projekten immer noch nicht genug schützt. Umsiedlung ist nach wie vor gängige Praxis“, sagte Urgewald-Experte Knut Vöcking am Donnerstag auf der Tagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds in Bali.

Die Weltbank vertreibe weiter Menschen von ihrem Land. Das gelte insbesondere für Vorhaben in Afrika, Ostasien und im Pazifik-Raum. Bereits vor drei Jahren hatte Weltbank-Chef Jim Yong Kim Mängel bei Umsiedlungsprojekten eingeräumt, nachdem das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten berichtet hatte, dass zwischen 2004 und 2013 bei 20 bis 30 Prozent aller Vorhaben etwa 3,4 Millionen Menschen aus ihren Häusern oder von ihrem Land vertrieben worden sein sollen. Oder ihre Existenzgrundlagen anderweitig verletzt worden seien.

Daraufhin hatte Urgewald aktuelle, zwischen Juli 2014 und Juni 2018 genehmigte Umsiedlungsprojekte der Weltbank analysiert. Dabei habe die Bank in nicht einmal 30 Prozent der Vorhaben Angaben zur Zahl der von Umsiedlungen betroffenen Menschen gemacht.

„Es macht uns fassungslos, dass die mächtigste Entwicklungsbank der Welt so nachlässig ist, wenn es um Projekte geht, die die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen zerstören können“, sagte Vöcking. Umsiedlung sei nach wie vor gängige Praxis, insbesondere bei Projekten in Afrika, Ostasien und im Pazifikraum. Die Bank müsse endlich aufhören, „die Vertreibung von Menschen als Kollateralschaden zu betrachten“.

In Bali sollten die Gouverneure der Weltbank über eine Anhebung der jährlich zu vergebenden Kreditsumme um 40 Milliarden auf 100 Milliarden Dollar entscheiden. Urgewald befürchtet, dass dadurch der Druck in der Weltbank steigt, neue Kredite schneller zu bewilligen. „Nach unserer Erfahrung bedeutet dies einen Verlust von Kontrolle und weniger Schutz für Menschen und Umwelt“, sagte Vöcking.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare