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Ein Mädchen pflückt Baumwolle im pakistanischen Faisalabad.

Menschenrechte

40 Millionen Sklaven weltweit

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Haushalt, Fabriken, Sex-Industrie: Einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation zufolge werden vor allem Frauen Opfer von Zwangsarbeit.

Auch im 21. Jahrhundert gibt es noch Sklaverei – und zwar weltweit. Mehr als 40 Millionen Menschen leben als Sklaven, heißt es in einem neuen Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), der am Dienstag anlässlich der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York vorgestellt wurde. Die Opfer der Sklaverei sind meistens Frauen. Auch Kinder sind betroffen. Ein Überblick.

Welche Formen der Sklaverei gibt es?
Von den rund 40 Millionen Menschen, die laut ILO im vergangenen Jahr als Sklaven schuften mussten, befanden sich rund 25 Millionen in Zwangsarbeit. Sie wurden also durch Drohungen oder Nötigung zur Arbeit gezwungen – etwa in Haushalten, auf Baustellen, in illegalen Fabriken, auf Farmen, in der Fischerei, der Sex- Industrie oder in anderen Sektoren. Rund 15 Millionen Menschen, zum ganz überwiegenden Teil Frauen, lebten in Zwangsehen. Auch das wertet die ILO als Zwangsarbeit: Die Betroffenen werden unter dem Deckmantel der Ehe zu Arbeit gezwungen und sind ihrer sexuellen Selbstbestimmung beraubt.

Wie groß ist der Anteil von Frauen unter den Zwangsarbeitern?
Sieben von zehn Zwangsarbeitern sind weiblich, schätzt die ILO. „Die Opfer von Zwangsarbeit in der kommerziellen Sex-Industrie sind zu 99 Prozent Frauen und Mädchen“, heißt es in dem Report. In den anderen Sektoren betrage der Anteil fast 60 Prozent. Eines von vier Opfern der modernen Sklaverei sei ein Kind.

Wer zwingt die Menschen zur Arbeit?
In den meisten Fällen handelt es sich um Firmen aus dem Privatsektor. Oft sind sie in der Schattenwirtschaft aktiv, zahlen also zum Beispiel keine Steuern und unterliegen keiner staatlichen Aufsicht. Auch Staaten selbst zwingen Menschen zur Arbeit – zum Beispiel dadurch, dass sie Bürger verpflichten, auf Feldern oder Baustellen zu arbeiten. Häufig werden auch Wehrpflichtige zu Arbeiten herangezogen, die nichts mit dem Militär zu tun haben. Es gibt zudem einen Zusammenhang zwischen den weltweiten Migrationsbewegungen und Sklaverei: Flüchtlinge sind oft hoch verschuldet bei ihren Schleusern – was diese ausnutzen.

In welchen Regionen der Welt ist Sklaverei besonders verbreitet?
Die ILO geht davon aus, dass in Afrika auf 1000 Menschen 7,6 Sklaven kommen. In der Region Asien-Pazifik sollen es 6,1 und in Europa und Zentralasien 3,9 sein. „Diese Zahlen sollten vorsichtig interpretiert werden, da für einige Regionen keine Daten verfügbar sind – vor allem für die arabischen Staaten und Amerika“, heißt es in dem Report.

Wo bekommt die ILO überhaupt ihre Zahlen her?
Es handelt sich um Schätzungen, die aber konservativ ausfielen, schreibt die Organisation. Natürlich werden keine offiziellen Statistiken zu Sklaverei, Zwangsarbeit oder Zwangsehen geführt. Die ILO-Experten haben aber Verfahren entwickelt, um Erkenntnisse aus Umfragen und verfügbare Daten zusammenzufügen. So führten sie Interviews mit mehr als 71 000 zufällig ausgewählten Teilnehmern aus 48 Ländern. Zudem gibt es behördliche Daten, die in Stellen gewonnen werden, die sich etwa um die Opfer von Schleuserbanden, Kinderarbeit oder sexueller Ausbeutung kümmern.

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