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Eigentlich keine harte Währung: Doch ein Bitcoin-Fan hat sich eine Münze des virtuellen Geldes anfertigen lassen.
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Eigentlich keine harte Währung: Doch ein Bitcoin-Fan hat sich eine Münze des virtuellen Geldes anfertigen lassen.

Bitcoin Internet-Währung

Millionen aus dem Nichts

  • VonStephan Kaufmann
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Die Internet-Währung Bitcoin erreicht immer neue Rekordwerte. Das feuert die Nachfrage immer weiter an. Doch gleichzeitig warnen Wirtschaftsexperten vor einer Spekulationsblase, die zerplatzen könnte, wenn Bitcoin eine ernsthafte Alternative zu Euro und Dollar würde.

Anfang Oktober schien das Ende eines globalen Geldexperiments gekommen: Das FBI schloss Silk Road, die Internet-Handelsplattform für Drogen aller Art. Bezahlt wurde mit Bitcoin, einer Internet-Währung, die den Käufern Anonymität versprach. Doch dann flog Silk Road auf, und Mark Gimein vom Finanzdienstleister Bloomberg prophezeite, dass damit die Existenzgrundlage von Bitcoins gefährdet sei. Der Wert der Internet-Währung brach um ein Fünftel auf 110 Dollar ein. Heute ist sie zurück, gerade wurde die Marke von 1000 Dollar pro Bitcoin durchbrochen. Die Fans des Kryptogeldes jubeln. Andere warnen: „Das ist eine reine Spekulationsblase“, so der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. „Bitcoins werden nie echtes Geld sein.“

Ein staatenloses Geld

Bitcoins sind virtuelles Zahlungsmittel. Hinter ihm steht reine Computertechnik, kein Staat garantiert es, um mit Bitcoins zu bezahlen, braucht es weder Zentral- noch Geschäftsbanken. Es ist ein staatenloses Geld, geschützt vor den Finanzbedürfnissen von Regierungen oder Zentralbankern. Vor vier Jahren kam es auf die Welt. Heute kann man mit ihm einkaufen – von Pizza über Kleider, Musik bis zu Online-Striptease. Auch Spekulanten haben es entdeckt. Seit kurzem kennt der Bitcoin-Kurs nur eine Richtung: steil aufwärts. Innerhalb eines Monats hat er sich versechsfacht. Denn einerseits ist die Menge an verfügbaren Bitcoins eng begrenzt. Auf der anderen Seite wächst die Nachfrage rasant.

Zudem ist ein starker Spieler auf den Bitcoin-Markt getreten: China. Das Staatsfernsehen berichtete über die Internet-Währung. Seit Mitte Oktober akzeptiert Baidu Jiasule – eine Tochter der in China führenden Suchmaschine Baidu – Bitcoins für Sicherheitsdienstleistungen. Seitdem ist dort ein Boom ausgebrochen. Gemessen am Umsatz ist BTC China zur größten Bitcoin-Börse der Welt geworden. Chinesen können mittels Bitcoin Devisenkontrollen umgehen und am Staat vorbei Renmimbi in Dollar tauschen.

Gestützt wird der Status des Bitcoins auch, weil Staaten langsam anfangen, ihn zu akzeptieren. Das Bundesfinanzministerium hat ihm den Rang eines „privaten Geldes“ zuerkannt. Die US-Justizbehörde teilte mit, Bitcoins „können als legitimes Austauschmittel“ dienen. Bis auf weiteres behandeln US-Behörden Bitcoins als Verrechnungssystem, ähnlich wie Kreditkarten.

Die Nachfrage ist hoch

Es scheint, Bitcoins streifen ihren Ruf von Kriminalität und Anarchismus ab, auch das feuert die Nachfrage an. Und die Spekulation. Investmentfirmen wie Pensco Trust bieten Bitcoins als Altersvorsorge an, so die Finanzagentur Bloomberg. Börsenbroker Exante hat einen Investmentfonds aufgelegt, der 60.000 Bitcoins hält. Das Volumen der Spekulation liege derzeit 20 bis 25 Mal höher als das Volumen, mit dem echte Käufe abgewickelt werden, so Exante. Das lässt den Kurs wild tanzen und unterminiert seine Funktion als Kaufmittel – Menschen halten ihre Bitcoins zurück, weil sie erwarten, dass sie morgen mehr wert sind.

Noch sind Bitcoins Spekulationsobjekt. Die Frage bleibt: Können sie auf Dauer ernsthafte Konkurrenten von Euro und Dollar werden und den Status echten Geldes erreichen? Die Fans haben keine Zweifel, denn Bitcoins bieten einen Extra-Vorteil: Inflationsschutz. Die Menge an Bitcoins ist auf 21 Millionen begrenzt. Regierungen und Zentralbanken können sie nicht wie Euro oder Dollar beliebig vermehren.

Euro-Kritiker Frank Schäffler (FDP) findet daher, man sollte Bitcoins eine Chance geben und stützt sich dabei auf Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek und dessen Idee eines Marktgeldes, das unabhängig vom Staat von Marktteilnehmern geschaffen und akzeptiert wird. Oder auch nicht akzeptiert wird. Genau hier sehen Bitcoin-Kritiker die entscheidenden Schwachstellen des Systems.

Bitcoin führe zu Deflation

„Papiergeld hat Wert, weil jeder es annehmen muss“, so der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Der Internet-Währung fehle als Basis der gesetzliche Annahmezwang. Der Staat könnte ihn zwar einführen. „Aber warum sollte er das tun?“, fragt Bofinger. Schließlich beruhe die Steuerung der Konjunktur durch die Zentralbank darauf, die Geldversorgung der Wirtschaft mit Euro zu regulieren. Bitcoins würden dies unterlaufen. Zudem, so Bofinger, führe eine fixe Geldmenge bei wachsender Wirtschaftsleistung unweigerlich in die Deflation, also in eine Spirale aus sinkenden Preisen, Arbeitslosigkeit und Krise. In einer solchen Krise fehle dem Staat dann die Möglichkeit, Geld in die Wirtschaft zu pumpen, um die Krise aufzufangen.

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