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In Deutschland haben 2,5 Millionen Menschen zusätzlich einen Minijob.

Arbeitsmarkt

Millionen haben einen Zweitjob

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Jeder elfte Beschäftigte in Deutschland verdient sich etwas dazu. Die Linke sieht die ökonomische Notlage als Grund, die Arbeitsmarktexperten widersprechen

Immer mehr Menschen bessern mit einem Zweitjob ihr Einkommen auf. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. Demnach hat inzwischen jeder elfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zusätzlich einen Minijob. Das sind 2,5 Millionen Menschen. Noch im Jahr 2003 verdiente sich nur jeder 23. etwas dazu.

Die Linke sieht die Entwicklung kritisch. „Dass immer mehr Beschäftigte neben ihrer Haupttätigkeit einem Zweitjob nachgehen, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Arbeit nicht mehr existenzsichernd ist“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin, Sabine Zimmermann, der Saarbrücker Zeitung. Dem widerspricht der Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft, Holger Schäfer. „Es gibt keine Indizien dafür, dass Menschen einen Zweitjob aus ökonomischer Not machen“, sagte er der Berliner Zeitung. Bei manchen Arbeitnehmern sei das zwar denkbar, doch fehlten dafür Belege. Viele Arbeitnehmer wollten sich besondere Wünsche erfüllen und hätten deshalb noch einen Minijob.

So sieht das auch der arbeitsmarktpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Karl Schiewerling: „Dass es mehr Nebenjobs gibt, ist keineswegs ein Zeichen für eine generell schwierige Einkommenssituation“, erklärte der Abgeordnete. Er halte das Plus an Nebenjobs eher für positiv.

Vor allem Beschäftigte in reichen Teilen Deutschlands gehen einem Nebenjob nach. In Baden-Württemberg lag ihr Anteil Ende 2011 bei 11,4 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen bei nur 4,7 Prozent. Vor allem der Handel und das Dienstleistungsgewerbe bieten Minijobs an.
Arbeitsmarktexperte Alexander Herzog-Stein von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erklärt den Anstieg bei den Zweitjobs auch damit, dass die rot-grüne Bundesregierung Minijobs attraktiver gemacht habe. Seit 2003 sei es für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die mehr arbeiten wollten, lukrativer, dies außerhalb ihres Stammunternehmens in einem Minijob zu tun. Denn die Löhne aus Minijobs sind in den meisten Fällen sozialversicherungsfrei und kaum mit Steuern belastet.

Zudem könnten Minijobs mancherorts an die Stelle von Schwarzarbeit getreten sein. Die gute wirtschaftliche Lage wiederum hat dazu geführt, dass auch mehr Minijobs angeboten werden. Herzog-Stein beurteilt den Trend kritisch. „Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das problematisch, weil es sich um subventionierte Arbeit handelt“, sagt er. Zudem würden Beschäftigte, die in ihrem Betrieb mehr arbeiten, gegenüber jenen benachteiligt, die sich für einen Minijob entschieden hätten.

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