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Julia Klöckner will mit Bäumen den Klimawandel bekämpfen.

Wald

Bis zu 800 Millionen Euro für Waldbesitzer

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  • Fabian Boerger
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Geschädigte Wälder sollen aufgeforstet und an den Klimawandel angepasst werden. Die IG Bau fordert mehr Forstarbeiter.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat auf dem „Nationalen Waldgipfel“ angekündigt, in den kommenden vier Jahren 547 Millionen Euro für von Dürre und Schädlingen betroffene Forstwirte zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit Kofinanzierungen der Bundesländer könnten bis zu 800 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Bundesgelder sollen aus dem Energie- und Klimafonds fließen. Diese Summe sei der aktuelle Verhandlungsstand mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), sagte Klöckner. Mit dem Geld sollen die mehr als 180 000 Hektar geschädigten Waldflächen wieder aufgeforstet werden. Zudem sollen die gesamten 11 Millionen Hektar deutscher Wald an den Klimawandel angepasst werden, wie Klöckner sagte.

Die geschädigte Fläche hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal deutlich vergrößert. Noch im April war das Ministerium von 110 000 Hektar geschädigten Waldes ausgegangen. „Der Klimawandel hat uns deutlich schneller getroffen als erwartet“, sagte die Ministerin. Allein in den vergangenen beiden Jahren seien 105 Millionen Festmeter Schadholz entstanden.

Die Waldbesitzer zeigten sich zufrieden. „Das ist ein erster Aufschlag zur Bewältigung der Krise“, sagte Hans-Georg von der Marwitz, Präsident des Waldeigentümerverbandes, in einem ersten Statement dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Waldeigentümer hatten ursprünglich 2,3 Milliarden Euro Soforthilfen gegen die Dürre- und Borkenkäferschäden gefordert.

Klöckner betonte die Bedeutung der Bäume für den Klimaschutz. Jeder Baum sei ein Mitkämpfer gegen den Klimawandel. „Und das, was wir heute nicht aufforsten, das fehlt natürlich unseren Enkeln.“ Es müsse mindestens so viel Wald aufgeforstet werden, wie in den vergangenen Jahren durch Waldbrände, Stürme, Dürren und den Befall von Borkenkäfern verloren gegangen ist. Das Ausmaß der Verluste durch den Schädlingsbefall sei bisher noch gar nicht absehbar.

Vor der Aufforstung müsse noch viel beschädigtes Holz abtransportiert werden. Da viele Waldbesitzer nur kleine Flächen besäßen, könnten sie das allein oft kaum leisten. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) habe daher die Hilfe der Bundeswehr angeboten.

Und während Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) bei einer Pressekonferenz den Sonderbericht des Weltklimarats zu den Folgen des Klimawandels für Ozeane und Eismassen der Erde kommentiert, steht ihre Vorgängerin Barbara Hendricks vor dem Austragungsort des Waldgipfels. Gemeinsam mit rebellierenden Forstleuten und der Gewerkschaft IG Bau demonstrierte sie für mehr Forstpersonal für den klimageschädigten Wald. Nach Angaben der Gewerkschaft ging die Zahl der Forstbeschäftigten seit 2000 je nach Bundesland um bis zu 50 Prozent zurück. Der IG Bau-Bundesvorsitzende Harald Schaum sagte dem RND: „Wir hoffen, dass die Forstbetriebe dahingehend unterstützt werden, die getroffenen Maßnahmen auch umzusetzen.“ Das ginge nur mit einer Personalaufstockung, denn „da sieht es sehr trübe aus.“

Die konkrete Forderung der IG Bau, für je tausend Hektar Wald zusätzlich eine weitere Person einzustellen, findet Hendricks angebracht. „Bei 11 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind das elf tausend zusätzliche Kräfte.“ Von Bundesministerin Klöckner forderte Hendricks die nötigen Finanzmittel für eine nachhaltige Forstwirtschaft zur Verfügung zu stellen. Das Geld solle unter anderen an private Waldbesitzer adressiert werden, mit der Bedingung die Waldbewirtschaftung nachhaltiger zu gestalten. Schaum ergänzte: „Bei allem, was für die Zukunft unternommen wird, müssen wir Monokulturen vermeiden und den Mischwald fördern.“

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