Topverdiener unter den Topverdienern: Herbert Diess (VW).
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Topverdiener unter den Topverdienern: Herbert Diess (VW).

Dax-Vorstände

Millionen für die Chefs - das sind die Topverdiener

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Trotz leichter Gehaltseinbußen: Die Topmanager deutscher Börsenschwergewichte haben im vergangenen Jahr im Schnitt das 49-Fache ihrer Mitarbeiter verdient.

Und der Tabellenführer ist: Herbert Diess. Der Volkswagen-Chef hat im vergangenen Jahr mit knapp 9,9 Millionen Euro deutlich mehr verdient als alle anderen Vorstandschefs der Konzerne, die im Deutschen Aktienindex (Dax) vertreten sind. Auf den Plätzen folgen Stefan Oschmann (Merck) mit 8,5 Millionen Euro und und Joe Kaeser (Siemens) mit 7,2 Millionen Euro. Das geht aus einer Studie hervor, die die Aktionärsschützer-Organisation DSW und Finanzexperten der TU München am Dienstag vorgelegt haben.

Diess löst Bill McDermott an der Spitze der Spitzenverdiener ab, der nicht mehr in der Wertung berücksichtigt wurde, weil er im Herbst 2019 vom Chefposten des Softwarekonzerns SAP zurückgetreten war. Insgesamt sind die Gehälter der Dax-Vorstände leicht gesunken, es gab geringere Boni, da die Gewinne vieler Unternehmen geschrumpft sind. Allerdings sind nach den Berechnungen von Gunther Friedl von TU München die Profite der Firmen deutlich stärker zurückgegangen als die Gehälter ihrer Manager.

Der Abstand zu Normalverdienern ist damit auch etwas geringer geworden – denn die Löhne stiegen 2019 im Schnitt um etwa 2,6 Prozent. Dennoch sind die Gehalts-Differenzen zwischen Vorständen und Beschäftigten in den jeweiligen Unternehmen nach wie vor gewaltig.

Die Top Ten

Herbert Diess (Volkswagen): 9,85 Mio Euro

Stefan Oschmann (Merck): 8,45 Mio

Joe Kaeser (Siemens): 7,15 Mio 

Timotheus Höttges (Deutsche Telekom): 6,61 Mio

Oliver Bäte (Allianz): 6,61 Mio 

Frank Appel (Deutsche Post): 6,48 Mio

Hans van Bylen (Henkel): 6,48 Mio

Bernd Scheifele (Heidelberg Cement): 6,29 Mio

Werner Baumann (Bayer): 6,21 Mio

Rice Powell (Fresenius Medical Care): 5,79 Mio

Die Bruttogehälter der Bosse sind im Schnitt 49 Mal höher als die Löhne der anderen Angestellten. Im Vorjahr war es sogar noch das 52-Fache. Besonders krass war zuletzt der Unterschied bei Volkswagen ausgeprägt. Hier haben die Experten der TU München einen Faktor von 86 errechnet, obwohl die Belegschaft noch relativ gut verdient. Der „Personalaufwand“ pro Mitarbeiter liegt laut Studie bei 66 000 Euro. Relativ egalitär geht es hingegen beim Chemiekonzern Covestro zu – mit einem Multiplikator von 17. Allerdings verdienen die Angestellten im Schnitt auch etwas mehr als 100 000 Euro im Jahr. Die großen Unterschiede – Vertikalität genannt – sind seit Jahren Anlass für Debatten. Vor allem aus dem Arbeitnehmerlager wird Vorständen immer wieder Gier vorgeworfen; im angloamerikanischen Raum ist die Rede von den fetten Katzen. Es gab Forderungen, die Vergütungen bei einem bestimmten Faktor zu begrenzen.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer betont, dass inzwischen zumindest heftige Diskussionen in den Aufsichtsräten geführt werden: „Das Thema Vertikalität spielt eine große Rolle. Es lässt sich so einfach nicht mehr wegschaukeln.“ Tüngler betont allerdings auch, dass es eine Art wünschenswerten Faktor für seine Organisation nicht geben könne. Umstritten ist unter anderem an welchen Kennziffern sich die Bezahlung der Top-Manager orientieren soll. So könnte man neben der Bezahlung der Belegschaft auch Umsatzzahlen zugrunde legen. Unternehmen rechtfertigen die hohen Gehälter der Vorstände in der Regel damit, dass man im internationalen Wettbewerb um Spitzenkräfte mithalten müsse. Da schwimmen die Vorstandsvorsitzenden der hiesigen Unternehmen laut der TU-Analyse im Mainstream mit – zumindest in der Euroleague der großen börsennotierten Firmen. In den USA hingegen liege die Vertikalität deutlich über der in Deutschland, betont Christiane Hölz, DSW-Vergütungsexpertin. Die reichte 2019 bei den Unternehmen im Dow-Jones-Index vom 105-fachen bei Boeing bis zum 1939-fachen bei McDonalds.

Ein anderes kontroverses Thema ist die Altersversorgung der Vorstände. Noch immer ist es üblich, dass Manager in Rente weiterhin großzügige Überweisungen von ihrem früheren Arbeitgeber erhalten. So kann sich nach Friedls Berechnungen Bernd Schieferle, CEO von Heidelberg-Cement, über jährliche Pensionszusagen in Höhe von 1,5 Millionen Euro freuen. Auch bei Post-Chef Frank Appel und bei Bayer-Boss Werner Baumann sind Ansprüche von jeweils bereits deutlich mehr als einer Million zusammengekommen. Das sind Verpflichtungen, für die die Unternehmen Rückstellungen bilden müssen, was die Finanzkraft belastet. Deshalb macht sich Tüngler dafür stark, dass die Manager sich künftig selbst um ihre Altersvorsorge kümmern sollen.

Zu den auffälligen Unternehmen in der Auswertung zählen die beiden angeschlagenen Frankfurter Groß-Kreditinstitute: Spitzenreiter bei den Finanzchefs sei abermals „etwas überraschend“ James von Moltke (Deutsche Bank) mit einer Gesamtvergütung von 4,9 Millionen Euro, so Friedl. Er fügt hinzu: „Hier zeigt sich, dass nicht immer die Unternehmensperformance das Gehalt bestimmt.“ Ähnliches dürfte für das M-Dax-Mitglied Commerzbank gelten. Die Gehälter für den gesamten Vorstand kletterten im vorigen Jahr trotz heftiger Verwerfungen um gut 38 Prozent. Indes ist der absolute Spitzenreiter bei der Steigerung der Vorstandsgehälter der Berliner Kochboxen-Verkäufer Hello Fresh. Ein Plus von 286 Prozent hat vor allem mit der Entwicklung des Aktienkurses im vorigen Jahr zu tun, an der die Manager partizipierten.

Die Bezahlung der Vorstände für dieses Jahr wird laut Tüngler „ein echter Lackmustest“ für die Vergütungssysteme. Es werde sich zeigen ob der Ansatz „Pay for Performance“ durchgehalten werde. In den Portemonnaies der Manager müsse sich niederschlagen, wenn die Gewinne zurückgehen, was bei vielen Firmen wegen Corona der Fall sein wird. Wenn Beschäftigte in Kurzarbeit gehen und Aktionäre keine Dividende erhalten, dann müssten auch Vorstände Verzicht üben.

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