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Versucht den Befreiungsschlag: Konzernchef Sewing.

Deutsche Bank

3,1 Milliarden Verlust

Deutsche-Bank-Chef Sewing will die Dauerkrise des Geldhauses beenden. Der Umbau stürzt das Unternehmen tief in die roten Zahlen

Beim radikalen Konzernumbau drückt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing aufs Tempo und nimmt dafür einen noch höheren Milliardenverlust in Kauf. „Wir beginnen nicht erst mit der Transformation der Deutschen Bank – nach nur zwei Wochen sind wir schon mittendrin“, schrieb Sewing am Mittwoch in einem Mitarbeiter-Brief. Die ersten Beschäftigten erhielten bereits ihre Kündigung. Wie viele der insgesamt rund 18 000 Vollzeitstellen, die gestrichen werden sollen, auf dem Heimatmarkt wegfallen, ist weiterhin offen.

Abfindungen für die Beschäftigten und Abschreibungen auf Vermögenswerte zogen das Ergebnis im zweiten Quartal tief in den Keller. Der Konzernverlust lag bei 3,15 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 401 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Von den Gesamtkosten des Umbaus, die die Bank auf 7,4 Milliarden Euro beziffert, verbuchte sie 3,4 Milliarden Euro im zweiten Vierteljahr – mehr als bei Bekanntgabe der Pläne angekündigt. Entsprechend fiel der Verlust noch höher aus als die zunächst genannten 2,8 Milliarden Euro.

„Einen erheblichen Teil der Restrukturierungskosten haben wir bereits im zweiten Quartal verbucht“, sagte Sewing. „Ohne diese Belastungen für den Umbau wäre die Deutsche Bank profitabel gewesen.“ Die Bank hätte nach eigenen Angaben unter dem Strich 231 Millionen Euro Gewinn gemacht und vor Steuern 441 Millionen Euro. Vor allem die Fondstochter DWS verdiente mehr als im Vorjahreszeitraum: Unter dem Strich stand ein Gewinn von 112 Millionen Euro und damit 22 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Konzern-Erträge sanken im zweiten Vierteljahr um sechs Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Die Erträge im weltweiten Aktienhandel, aus dem die Bank sich zurückzieht, brachen um fast ein Drittel ein. Besser lief es im Bereich Privat- und Firmenkundenbank sowie der Vermögensverwaltung. Für das Gesamtjahr rechnet die Bank mit niedrigeren Erträgen als 2018.

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten schlecht an. Die seit Jahren gebeutelte Deutsche-Bank-Aktie verlor am Morgen zeitweise fast sechs Prozent. Zwar hat sich ihr Kurs seit dem Anfang Juni erreichten Rekordtief von 5,801 Euro ein ganzes Stück erholt. Allerdings kämpft das Papier immer noch mit den Kursverlusten, die es nach Bekanntgabe des Sanierungsplans Anfang Juli erlitten hat. Sewing zeigte sich aber zuversichtlich: „Wir sind nun so aufgestellt, dass wir bald wieder Boden gutmachen werden“, schrieb er an die Mitarbeiter.

Der Konzernchef will mit einer grundlegenden Neuausrichtung die Dauerkrise des Instituts beenden. Die Zahl der Vollzeitstellen soll bis Ende 2022 um rund 18 000 auf weltweit 74 000 sinken. Ende Juni beschäftigte die Bank weltweit knapp 90 900 Mitarbeiter. Mehr als 900 Beschäftigte wurden bereits darüber informiert, dass ihr Arbeitsverhältnis endet oder ihre Stelle entfällt. Dies sei zwar schmerzhaft, doch er wolle einen quälenden Schwebezustand für die Beteiligten vermeiden, schrieb Sewing.

Details zum Stellenabbau auf dem Heimatmarkt nannte das Geldhaus auch bei der Vorlage der Quartalsbilanz nicht. Sewing hatte jedoch den Wegfall einer „substanziellen Zahl“ angekündigt. (dpa)

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