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Milliarden verdient und doch in den Miesen

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Die FMS-Wertmanagement ist die Bad Bank der Hypo Real Estate.
Die FMS-Wertmanagement ist die Bad Bank der Hypo Real Estate. © dpa

Die Bad Bank der Hypo Real Estate wird seit Jahren abgewickelt. 2016 war das profitabel. Im Portfolio schlummern aber etliche Klumpenrisiken.

Am Landgericht München wird derzeit das Debakel um die deutsche Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) in Teilen juristisch aufgearbeitet. Andernorts in der Isarmetropole ist man mit der Verwertung der wirtschaftlichen Hinterlassenschaften des hierzulande größten Bankenrettungsfalls beschäftigt. In den letzten Jahren war das auch erfolgreich. „Es ist spektakulär, was wir erwirtschaften“, findet Stephan Winkelmeier. Er ist Vorstandssprecher der bundeseigenen FMS Wertmanagement und damit der „Bad Bank“ der HRE, auf die vor acht Jahren toxische und andere Wertpapiere im Volumen von 176 Milliarden Euro übertragen wurden. Winkelmeiers Aufgabe ist es, diese Halde für den Steuerzahler verlustminimierend abzubauen und die FMS abzuwickeln.

Vom Wertpapiervolumen her ist die Hälfte des Wegs geschafft. Von den 176 sind noch knapp 89 Milliarden Euro übrig. Was Winkelmeier so spektakulär findet, ist das Wie des Abbaus. 2016 hat die FMS 391 Millionen Euro Gewinn gemacht. Aufaddiert seit 2011 hat die Bad Bank gut eine Milliarde Euro verdient, was unter dem Strich dennoch nur als Verlustminderung zu Buche schlägt. Denn in den FMS-Startjahren fielen 13 Milliarden Euro Verlust an, vor allem wegen eines Schuldenschnitts auf griechische Staatspapiere.

Trump und Brexit könnten noch Probleme bereiten

Zieht man eine Zwischenbilanz, hat die FMS Bund und Steuerzahler 11,6 Milliarden Euro gekostet. Winkelmeier glaubt, die Summe noch etwas aufhübschen zu können. Auch 2017 werde die FMS schwarze Zahlen schreiben, selbst wenn die Jahresüberschüsse ihren Zenit überschritten haben. Zwischen 2025 und 2030 werde die FMS operativ in die Verlustzone kommen und sich als Abwicklungsanstalt überleben. Voraussetzung ist, dass es bis dahin keine geopolitischen Verwerfungen gibt, sagt der Chefabwickler. Denn im gleichen Atemzug räumt er ein, dass rund 70 Prozent des Restportfolios von 89 Milliarden Euro auf Großbritannien, Italien und die USA entfallen, was mit Blick auf Brexit, italienische Bankenkrise und US-Präsident Donald Trump kein Ruhekissen ist. Die Gelder stecken in italienischen Staatspapieren, US-Bundesstaaten oder britischen Krankenhäusern und das teils sehr langlaufend. Vieles davon ist aktuell schwer verkäuflich, räumt Winkelmeier ein.

Deshalb rechnet er nicht damit, dass die Finanzhalde 2017 wie im Vorjahr nochmals um gut elf Milliarden Euro verringert werden kann. Optimistischer ist er für die Abwicklung der früheren HRE-Tochter Depfa, die sein Haus 2014 für 320 Millionen Euro übernommen hat. Die HRE hatte diese unter ihrem in München vor Gericht stehenden Ex-Chef Georg Funke 2007 für 5,7 Milliarden Euro gekauft und damit nach Ansicht einiger Experten den Grundstein für das spätere Fiasko gelegt.

Endgültige Klarheit erst in vielen Jahren erwartet

Die Depfa-Abwicklung läuft vielversprechend. Etwa 2020 werde man den Punkt erreichen, wo die 320 Millionen Euro Kaufpreis wieder eingespielt seien, schätzt Winkelmeier. Er kreiert dafür einen Begriff, den es im Bankenvokabular nicht gibt. „Dann erreichen wir den taxpayer breakeven“, sagt er und meint damit, dass die Depfa ab dann für FMS, Bund und Steuerzahler zum Geschäft wird und die Gesamtverluste weiter abmildert.

Die endgültige Rechnung wird man genau erst in vielen Jahren aufmachen können. In sie geht mit dem HRE-Nachfolgeinstitut Deutsche Pfandbriefbank (Pbb) eine weitere Komponente ein. Die Pbb, an der der Bund nach der einstigen HRE-Notverstaatlichung noch zu einem Fünftel beteiligt ist, hat 2016 rund 200 Millionen Euro Jahresüberschuss erwirtschaftet und war auch die Jahre davor profitabel. Mitte Juli könnte der Bund die restlichen Pbb-Anteile verkaufen.

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