+
16. Mai: Nach einem Bombenangriff auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa räumen die Bewohner die Überreste eines Hauses weg.

Deutsche Bank

Wie die Deutsche Bank Geld mit Krieg verdient

  • schließen

Ein Bericht deckt auf, wie europäische Banken ihr Geld in Rüstungsunternehmen investieren und mit Krisen ihr Geld verdienen - allen voran die Deutsche Bank.

Geld, Geld, Geld ist der Anfang, Mitte und End des Kriegs“, hatte bereits der Diplomat, Staatsmann und General in Diensten der Kaiser Karl V. und Maximilian II, Lazarus von Schwendi (1522 – 1583), festgestellt. Was im 1600 Jahrhundert galt, gilt im Zeitalter von hochtechnisiertem und automatisiertem Kriegswerkzeug um so mehr: Krieg ist eine Gelddruckmaschine – für Waffenhersteller wie Finanzinstitute.

Entsprechend pumpen europäische Banken und Investoren seit Jahren hohe Geldsummen in Waffenhersteller, die den Nahen und Mittleren Osten massiv aufrüsten und insbesondere den Krieg im Jemen befeuern – ganz vorne mit dabei: die Deutsche Bank und die Commerzbank.

24 Milliarden für Rüstungsunternehmen

Der am Mittwoch in Frankfurt vorgestellte Bericht „Dirty Profits 7“ der Nichtregierungsorganisation Facing Finance wirft darauf ein Schlaglicht. Er deckt die Finanzbeziehungen der zehn europäischen Topbanken zu Rüstungsexporteuren auf, die zwischen 2015 und 2018 in die krisenbehaftete Mena-Region (Nahost und Nordafrika) Waffen lieferten. Dem Bericht zufolge, der sich auf Finanzdaten des Informationsdienstes Thomson Reuters stützt, erhielten die elf von Facing Finance analysierten Rüstungsunternehmen von den Banken mehr als 24 Milliarden Euro an Direktfinanzierung.

Neben den gewährten Krediten kauften die Finanzinstitute zudem Anleihen und Beteiligungen an den Waffenherstellern in Höhe von rund 9,9 Milliarden Euro. Mit Blick auf Deutschland kommen noch einmal 5,5 Milliarden hinzu, die heimische Vermögensverwalter und Anlagespezialisten wie DWS oder Allianz Global Investors investiert haben.

„Es ist erschreckend zu beobachten, wie europäische Topbanken, offenbar unbeeindruckt von Zerstörung, Tod und Vertreibung, Rüstungsexporteure finanzieren, die seit Jahren die Parteien des Jemen-Krieges mit Waffen beliefern“, beklagt Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance und Herausgeber des Dirty-Profits-Berichts.

Deutsche Bank gibt Milliarden für Waffen aus

Der Verein aus Berlin setzt sich seit Jahren für den verantwortungsbewussten Umgang mit finanziellen Ressourcen im Hinblick auf Klimawandel, Umweltzerstörung, Armut, Sklaverei und soziale Ungleichheit ein. Banken und multinationale Unternehmen sind Teil dieser Probleme.

So auch die Deutsche Bank. Dem Bericht zufolge vergab sie im Zeitraum November 2015 bis Januar 2019 Direktfinanzierungen an sieben der elf untersuchten Rüstungsunternehmen im Wert von insgesamt 1,8 Milliarden Euro Sie ist zudem an allen untersuchten Unternehmen im Wert von circa 2,6 Milliarden Euro beteiligt. Die Bank sei damit „einer der größten Investoren in Rüstungsunternehmen unter allen untersuchten Banken“, zu denen die britischen Häuser Lloyds und Barclays, die französischen Crédit Agricole und BNP, die spanischen Institute BBVA und Banco Santander, aus der Schweiz Crédit Suisse und Unicredit und eben Deutsche Bank und Commerzbank zählen.

Britische und amerikanische Waffenhersteller profitieren

Zu den von der Deutschen Bank finanzierten Unternehmen gehören demnach auch die britische BAE Systems (UK) und der US-Waffenhersteller Raytheon. Beide stehen in Geschäftsbeziehungen zu der von Saudi-Arabien geführten Koalition, die am Jemenkrieg beteiligt ist. Mitgliedern der Koalition werden Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen vorgeworfen. Als Teil des europäischen Herstellerkonsortiums MBDA, zu dem auch Airbus und der italienische Konzern Leonardo gehören, exportierte BAE unter anderem 450 Marschflugkörper, Tausende Luft-Boden-Raketen und Kampfflugzeuge nach Saudi-Arabien, die auch im Jemenkrieg eingesetzt werden. Die Deutsche Bank unterstützte im Untersuchungszeitraum die Geschäftsmodelle der MBDA-Mitglieder mit Finanzierungen in Höhe von rund 730 Millionen Euro, teilweise noch im Jahr 2018.

Der Rüstungskonzern Raytheon gehört zu den größten Exporteuren an die von Saudi-Arabien geführte Koalition. Die Exporte beinhalteten auch Tausende von Raketen, deren Einsatz in direktem Zusammenhang mit Angriffen im Jemen steht, bei denen Zivilisten getötet und verletzt wurden. Die Deutsche Bank hatte im November 2015 einen Kredit in Höhe von 57 Millionen an Raytheon bereitgestellt und hielt im Januar 2019 Beteiligungen im Wert von 418 Millionen Euro.

Geld mitten im Jemenkrieg

Nach den Recherchen von Facing Finance kamen die Verträge zwischen der Deutsche Bank, BAE-Systems und Raytheon zu einem Zeitpunkt zustande, als der Jemenkrieg bereits ausgebrochen war. BAE sei zudem auch nach der Veröffentlichung eines UN-Berichts im Jahr 2018, der die Verletzung des humanitären Völkerrechts durch die Koalitionstruppen nachwies, weiter mit Geld versorgt worden – und zwar mit einer Finanzierung in Höhe von 100 Millionen Euro. Das zeige, so die NGO, „dass die Richtlinien der Deutschen Bank im Rüstungssektor nicht ausreichen, um Verstöße gegen Menschenrechte und Waffenlieferungen an Kriegsteilnehmer auszuschließen“.

Ähnlich sieht es bei der Commerzbank aus. Zwar verfügt das Institut über Richtlinien, welche die finanzielle Beteiligung an Rüstungsexporten in Länder, in denen systematisch Menschenrechtsverletzungen stattfinden, ausschließen soll, doch scheint das in der Praxis nicht zu funktionieren. So hat das Geldhaus nach Recherchen von Facing Finance Kredite, Anleihen und Eigenkapitalemissionen an die Unternehmen Rheinmetall, Boeing, Airbus, BAE Systems, Leonardo, Thales und Thyssen-Krupp in Höhe von insgesamt 1,72 Milliarden Euro vergeben. Die Commerzbank hält außerdem Aktien und Anleihen aller elf untersuchten Rüstungskonzerne mit einem Gesamtvolumen von 142,81 Millionen Euro.

Im Jemen Zivilisten getötet

Im November 2015 stellte die Commerzbank Rheinmetall rund 200 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Subunternehmen von Rheinmetall, RWM Italia, lieferte unter anderem Komponenten zum Transport von Bomben. Eine dieser Komponenten, so heißt es im Dirty-Profits-Bericht, war in einem Angriff am 16. Oktober 2016 involviert, der das jemenitische Dorf Al Haijara traf und bei dem eine sechsköpfige Familie getötet wurde.

Auch ihr Investment in Lockheed Martin in Höhe von 20,45 Millionen Euro wirft ein schlechtes Licht auf die Bank. Bei einem Angriff auf einen Bus im Jemen am 9. August 2018, bei dem mehr als 50 Menschen getötet und noch mehr verletzt wurden, war die Bombe MK 82 von Lockheed Martin die Ursache. Die Bombe sei eine von vielen Tausend ihrer Art, die von den USA an Saudi-Arabien verkauft und im Jemen eingesetzt worden seien, so der Bericht. Und nicht zuletzt finanziert die Commerzbank auch weiterhin das Herstellerkonsortium MBDA, das die Kampfflugzeuge Tornado und Typhoon (Eurofighter) baut, das Rückgrat der saudischen Luftwaffe.

Geldvergabe an internationalen Verträgen orientieren

Facing Finance fordert von den Banken ein sofortiges Ende der Finanzierung der Rüstungsexporteure und plädiert für eine umfassende ESG-Regulierung durch die Bundesfinanzaufsicht oder den Gesetzgeber. Denn die obligatorische Anwendung der Kriterien für nachhaltige Geldanlage würde eine Finanzierung von Rüstungsunternehmen, die an Kriegsparteien liefern, unterbinden. „Banken müssen ihre Richtlinien an den Vorgaben des internationalen Vertrags über den Waffenhandel orientieren, der Waffenlieferungen untersagt, die wissentlich bei Kriegsverbrechen, Angriffen auf zivile Objekte und Zivilisten oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit verwendet werden würden“, bekräftigt Küchenmeister im Gespräch mit der FR. „Was muss noch passieren, damit die Banken die Finanzierung stoppen? Was ist die Benchmark? Ein Atomkrieg?“

Gleichzeitig appelliert der Chef von Facing Finance an Investoren und Anleger, Druck auf die Banken auszuüben, ihre Geschäftspolitik zu ändern. Womöglich stellt sich das am Ende als der erfolgversprechendste Weg heraus.

Das könnte Sie auch interessieren:

Klatsche für die Deutsche Bank: Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank richtet sich der Zorn der Aktionäre vor allem gegen Paul Achleitner, den obersten Kontrolleur - und gegen überhöhte Boni.

Interview mit Ärzte ohne Grenzen: Im Jemen „fehlt es wirklich in allen Bereichen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare