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Microsoft-Chef kündigt Rücktritt an

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Microsoft-Chef Steve Ballmer ist für ausgefallene Auftritte bekannt.
Microsoft-Chef Steve Ballmer ist für ausgefallene Auftritte bekannt. © Michael Kappeler/dpa

Steve Ballmer will seinen Chefposten bei Microsoft in den nächsten zwölf Monaten räumen. Gründe nannte das Unternehmen zunächst nicht. Branchenkenner vermuten, dass die zahlreichen Rückschläge in der Vergangenheit den Ausschlag gaben.

Einer der wichtigsten Jobs in der globalen Computerbranche wird frei. Microsoft-Chef Steve Ballmer will seinen Posten in den nächsten zwölf Monaten räumen. Er werde so lange weitermachen bis ein Nachfolger gefunden sei, teilte das Unternehmen mit.

Gründe für den Rückzug des Vorstandschefs nannte das Unternehmen zunächst nicht. Branchenkenner vermuten aber, dass die zahlreichen Rückschläge in der jüngeren Vergangenheit dahinter stecken. Microsoft hatte zu spät erkannt, dass die traditionellen Personal Computer und die dazugehörige Software in der Branche eine immer geringere Rolle spielen werden. Entsprechend nimmt die Bedeutung von Windows, dem weltweit dominierenden Betriebssystem für PC und Laptops, immer weiter ab. Stattdessen steigen die weltweiten Verkäufe von Smartphones und Tablet-Rechnern massiv an. Besonders in den immer wichtiger werdenden Schwellenländern werden diese Geräte von Verbrauchern anstelle der guten alten Tischrechner eingesetzt.

Kritik wegen komplizierter Bedienung

Microsoft hat in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, bei diesem Trend mitzuhalten. Das Ergebnis war bislang kläglich. Zunächst scheiterte Ballmer damit, eigene Handys und Smartphones auf dem Markt durchzusetzen. Danach entwickelte der Konzern das Betriebssystem Windows Phone 8 und schloss mit dem angeschlagenen Handyriesen Nokia eine Allianz. Doch Nokia-Geräte mit dem Microsoft-Betriebssystem kamen bei den Kunden nicht an. Es gab viel Kritik wegen der komplizierten Bedienung der Programme.

Nach den Daten des Marktforschungsunternehmens Gartner konnte Windows Phone im zweiten Quartal zwar seinen Marktanteil leicht auf 3,3 Prozent steigern. Es wurden aber nur 7,4 Millionen Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem verkauft. Apple kam auf 31 Millionen, das führende Betriebssystem Android, das unter anderem Samsung einsetzt, auf 177 Millionen Verkäufe. Auch der Versuch, in das Geschäft mit Tablet-Rechnern einzusteigen, erwies sich als Enttäuschung. Das unter Ballmers Ägide entwickelte Gerät Surface ist zum Ladenhüter geworden. Es gilt als zu teuer. Auch in diesem Geschäft haben Apple und Samsung die Nase vorn.

Microsoft-Aktie reagiert positiv

Die Misserfolge von Microsoft nährten schon seit einiger Zeit Spekulationen über einen Rückzug des 57 Jahre alten Ballmer. Gleichzeitig galt er aber als extrem mächtig bei Microsoft. Der Konzern teilte am Freitag mit, für den Job kämen sowohl interne als auch externe Kandidaten infrage. Firmengründer Bill Gates werde dem Gremium zur Suche eines neuen Vorstandschefs angehören. Da der Konzernumbau von Microsoft andauern werde, setzt der scheidende Ballmer auf eine langfristige Lösung. „Wir brauchen einen CEO, der für die neue Ausrichtung länger bleibt“, erklärte er.

An der Börse kam die Nachricht vom Konzernsitz im Bundesstaat Washington gut an. Die Microsoft-Aktie legte im frühen US-Handel rund sieben Prozent zu. Ballmer stand 13 Jahre an der Spitze von Microsoft. Der temperamentvolle Manager war für seine ausgefallenen Auftritte in der Öffentlichkeit und bei Firmenveranstaltungen bekannt, bei denen er sich vor Engagement Hemden durchschwitzte oder wie besessen „Developer, Developer, Developer“ (Entwickler) vor sich hin brüllte. Der studierte Mathematiker Ballmer war erst der zweite Vorstandschef in der 38-jährigen Geschichte des Unternehmens nach Gründer Gates, der das Amt 2000 an seinen langjährigen Weggefährten abgab.

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