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„Weiß nie, ob noch alle am Leben sind“: Metro beschäftigt Mitarbeiter in Ukraine trotz des Kriegs weiter

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Von: Julian Baumann

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Menschen auf dem Parkplatz eines Metro-Marktes in der ukrainischen Stadt Mariupol.
Die ukrainische CEO des deutschen Handelskonzern Metro schildert erschreckende Szenarien von den Standorten in der Ukraine (Symbolbild). © Alexei Alexandrov/dpa/AP

Der Handelskonzern Metro beschäftigt trotz des Krieges die Mitarbeiter an den Standorten in der Ukraine weiter. Dort steht nun das Überleben der Angestellten im Fokus.

Stuttgart/Düsseldorf - Im Rahmen des Ukraine-Krieges haben die meisten großen Unternehmen die Geschäfte in dem osteuropäischen Land pausiert und in Russland größtenteils komplett eingestellt. Ein Yale-Professor verteilt Schulnoten an Unternehmen für ihr Verhalten gegenüber Russland (BW24 berichtete). Während unter anderem der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz aufgrund der Einstellung der Russland-Geschäfte eine gute Note erhielt, kam beispielsweise der Handelskonzern Metro schlecht weg. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf beschäftigt trotz Kriegshandlungen weiterhin Mitarbeiter an den ukrainischen Standorten.

Im Interview mit der Wirtschaftswoche erklärte Olena Vdovychenko, Metro-CEO in der Ukraine, dass manche Standorte des deutschen Handelskonzerns in dem umkämpften Land geschlossen werden mussten, andere aber weiterhin Waren anbieten. Durch den seit inzwischen über zwei Monaten andauernden Krieges hat sich die Arbeitsweise in den Metro-Märkten in der Ukraine deutlich verändert. Im Fokus stehe nun neben dem Tagesgeschäft vor allem die Sicherheit und das Überleben der Mitarbeiter vor Ort, sagte Vdovychenko.

Metro-Märkte in der umkämpften Ukraine: „Die Zeit während des Luftalarms ist ein Alptraum“

Die Metro-Group, zu der bis 2017 auch die Elektronik-Fachmärkte Media Markt und Saturn gehörten, beschäftigt in 681 Märkten weltweit über 95.000 Mitarbeiter, die meisten davon in Deutschland. Vor dem Beginn des russischen Angriffskrieges unterhielt der Düsseldorfer Konzern 26 Märkte in der Ukraine, von denen fünf geschlossen werden mussten. „So konnten wir die Märkte in den besonders umkämpften Städten Mariupol, Charkiw, Mykolaev und Chernihiv nicht weiterbetreiben“, sagte Olena Vdovychenko der Wirtschaftswoche.

Die Märkte seien teilweise von Raketen zerstört worden. „Zu acht unserer Angestellten haben wir jeglichen Kontakt verloren“, schilderte die ukrainische Metro-Chefin in dem Interview, das am 19. April geführt wurde. „Wir wissen derzeit nicht, ob sie noch am Leben sind und ob sie es geschafft haben, aus Mariupol zu fliehen.“ Vdovychenko arbeitet eigentlich in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, inzwischen ist das Team aber in Lwiw untergekommen. Die Metro-CEO ist nach eigenen Angaben in einem Hotel mit Bunkeranlage, in die sich das Team bei einem Luftalarm zurückziehen könne. „Die Zeit während des Luftalarms ist ein Alptraum“, sagte sie. „Ich weiß nie, ob nach solchen Raketenangriffen noch alle unsere Teammitglieder am Leben sind.“

Metro-Mitarbeiter in umkämpften Gebieten der Ukraine erhalten „den doppelten Lohn“

Durch das Aufrechterhalten der Geschäfte in der Ukraine muss Metro für die Sicherheit der Mitarbeiter vor Ort garantieren. Das sei inzwischen auch einer der Hauptpunkte in den morgendlichen Konferenzen des Teams, erklärte Olena Vdovychenko der Wirtschaftswoche. „Seit der Krieg begonnen hat, kümmern wir uns in der ersten Morgenkonferenz um 6 Uhr zuerst um die Frage, ob alle unsere Mitarbeiter noch am Leben sind“, sagte sie. „Im Fokus stehen nun das Tagesgeschäft und die Frage, wie wir die Sicherheit und das Überleben unserer Mitarbeiter gewährleisten können.“ Deshalb gebe es an jedem Standort detaillierte Karten mit den Standorten der nächstgelegenen Luftschutzbunker.

In der Hauptstadt Kiew seien diese Bunker oftmals in U-Bahn-Stationen untergebracht, in anderen Städten beispielsweise in Fabrikanlagen. „Wir zwingen unsere Mitarbeiter nicht, angesichts der bedrohlichen Lage, in den Geschäften zu arbeiten“, machte Vdovychenko deutlich. Die Löhne würden unabhängig davon gezahlt, ob die Mitarbeiter zur Arbeit erscheinen oder nicht. „In umkämpften Gebieten, in denen wir unsere Geschäfte noch anbieten können, zahlen wir unseren Mitarbeitern den doppelten Lohn“, so die ukrainische Metro-CEO. Neben der Gewährleistung der Sicherheit der Mitarbeiter konzentriert sich das Unternehmen auch auf humanitäre Hilfen für die Ukraine und spendet in großem Umfang für Zivilisten und die Armee.

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