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Die IG Metall vertritt 2,27 Millionen Menschen.
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Die IG Metall vertritt 2,27 Millionen Menschen.

IG Metall

IG Metall macht Dampf

  • Daniel Baumann
    VonDaniel Baumann
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Die Gewerkschaft IG Metall wächst zum vierten Mal in Folge und vertritt nun 2,27 Millionen Menschen. In der aktuellen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie fordert Vize Jörg Hofmann ein zügiges Angebot der Arbeitgeber.

So elegant wie die IG Metall es am Montag getan hat, können nicht viele Gewerkschaften die Muskeln spielen lassen. In einem Moment, da die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern schwieriger zu drohen werden, als bislang gedacht, setzte die Gewerkschaft am Montag ein Zeichen der Stärke. Sie veröffentlichte ihre Mitgliederzahlen und Beitragseinnahmen. Demnach ist die weltweit größte freie Einzelgewerkschaft im vergangenen Jahr zum vierten Mal in Folge gewachsen. Sie vertritt nun 2,27 Millionen Menschen (plus 0,2 Prozent) und nimmt knapp über eine halbe Milliarde Euro an Beiträgen (plus 3,4 Prozent) ein. Eigentlich hätte es der Worte des Vorsitzenden Detlef Wetzel nicht mehr bedurft, dass die Gewerkschaft gut aufgestellt sei.

Dann war die Zeit der klaren Ansagen an die Arbeitgeber gekommen. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wenn Arbeitgeber vor starken Industriegewerkschaften in für sie günstigere Tarifbereiche flüchten“, betonte Wetzel zunächst das Grundsätzliche, ehe sein Vize Jörg Hofmann auf die aktuelle Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie einging. Er forderte ein zügiges Angebot der Arbeitgeber. „Ich erwarte von den Arbeitgebern, dass sie in der zweiten Verhandlungsrunde auch ein Angebot vorlegen, wenn sie Interesse haben an einer schnellen Einigung und nicht an einer Ausweitung des Konflikts“, so Hofmann.

Die Gewerkschaft wolle kein monatelanges Hin und Her. Er kündigte an, dass die IG Metall bereit sei, unmittelbar nach Auslaufen der Friedenspflicht am 29. Januar mit Warnstreiks zu beginnen. Es gelte, den „sich aktuell eher verstärkenden Widerstand der Arbeitgeber“ zu überwinden. Diese suchten „offensichtlich den Konflikt“. Dass Gesamtmetallpräsident Dulger die Altersteilzeit infrage gestellt habe, sei ein Spiel mit dem Feuer.

Drohender Deflation entgegenwirken

Die Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn verteidigte Hofmann nicht nur mit dem Verweis auf die gute konjunkturelle Entwicklung, sondern auch mit dem Hinweis darauf, dass höhere Löhne einer drohenden Deflation entgegenwirken könnten.

Der Europäischen Zentralbank gingen im Kampf gegen sinkende Preise allmählich die Mittel aus. „Wer soll denn außer der Lohnpolitik noch reagieren?“, fragte Hofmann rhetorisch. Denn höhere Löhne können die Nachfrage ankurbeln, was es den Unternehmen wiederum ermöglichen würde, die Preise anzuheben. Die niedrige Inflationsrate, so Hofmann, sei jedenfalls eben gerade kein Argument dafür, bisherige Lohnforderung zu reduzieren.

Die IG Metall will aber nicht nur höhere Löhne durchsetzen, sondern verlangt auch qualitative Verbesserungen, dabei geht es um die Altersteilzeit und eine Teilzeitbeschäftigung für Mitarbeiter, die sich weiterbilden möchten. Für die Gewerkschaft sind das zentrale Themen in dieser Tarifrunde. Sie ist der Meinung, dass die Unternehmen viel zu wenig für die Fortbildung der Beschäftigten tun. Insgesamt fehle es an Maßnahmen, um die deutsche Industrie fit für die Zukunft zu machen. Das gelte für die Weiterbildung, das gelte aber auch für die Ausbildung. Nach Daten des Instituts Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg ist die Zahl der Jung-Facharbeiter in der Branche seit 1994 um 36,5 Prozent geschrumpft. Darüber hinaus beschäftigen die Gewerkschaft die Folgen der Digitalisierung der Industrieproduktion. Dabei geht es genauso um automatisierte Fabriken wie auch um die Auftragsvergabe auf riesigen Marktplätzen im Netz.

„Erwerbsarbeit wird zu einer Ware, die global in virtuellen und rechtsfreien Räumen ohne soziale Absicherung gehandelt wird“, erklärte IG-Metall-Boss Wetzel. „Der Auftraggeber kann das nationale Arbeitsrecht, Mindestlöhne und Tarifverträge einfach umgehen. Das darf dem Gesetzgeber nicht egal sein.“

Die in diesem Zusammenhang ebenfalls wichtigen Freihandelsverhandlungen mit den USA kritisierte Wetzel deutlich. Was aufgrund der bislang bekannt gewordenen Informationen über die Inhalte eines etwaigen Abkommens vermutet werden könne, „findet keinesfalls unsere Zustimmung“, so Wetzel. Die Verhandlungen liefen bislang nicht so, dass sie den Menschen nützen würden. „Die Befürchtungen wachsen, dass die Standards, die für uns wichtig sind, hinten runterfallen.“ Er verlangte, dass sowohl das mit Kanada verhandelte Freihandelsabkommen Ceta als auch das Abkommen mit den USA durch den Bundestag müssten. Bis dahin will die IG Metall in der Sache „weiterhin Dampf“ machen.

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