+
Kanzlerin Angela Merkel sprach am Donnerstag im Kongresszentrum von Davos.

Weltwirtschaftsforum

Merkel ruft in Davos zu Dialog mit Gegnern auf

  • schließen

Einen großen Teil der Rede der Kanzlerin auf dem Weltwirtschaftsforum nimmt der Klimaschutz ein. Auch mit den „kontroversesten Gruppen“ brauche es einen Austausch, so Merkel.

Ein vehementes Plädoyer für Gespräche mit Andersdenkenden hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos gehalten. Sowohl für internationale Konflikte als auch zur Bewältigung des Streits über die Klimapolitik in Deutschland empfahl sie, „sich nicht auf sich selbst zurückziehen“.

Merkel sprach am Donnerstag im Kongresszentrum von Davos. Das Hauptthema der 50. Ausgabe des globalen Manager- und Politikgipfels, der noch bis Freitag dauert, war die Klimapolitik. Vertreterinnen der „Fridays for Future“-Bewegung wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer nahmen teil. Außerdem spielten Handelskonflikte zwischen der US-Regierung und anderen Ländern sowie die Besteuerung internationaler Konzerne eine große Rolle.

Im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit der US-Regierung betonte Merkel, dass sie sich weiter „für den Multilateralismus einsetzen“ wolle. Das schließe internationale Institutionen wie die Welthandelsorganisation (WTO) ein. Diese müsse reformiert werden, da habe Trump recht, aber man solle sie auch funktionsfähig halten. Die USA blockieren zur Zeit den Streitschlichtungsmechanismus der WTO.

Einen großen Teil der Rede nahm die Klimapolitik ein. Das Pariser Abkommen einzuhalten sei eine „Frage des Überlebens“, sagte Merkel. Sie räumte ein, dass die Staaten das Ziel, die Erwärmung der Atmosphäre auf 1,5 Grad zu begrenzen, mit ihren augenblicklichen Verpflichtungen zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes nicht erreichen könnten. Deshalb „muss die Welt gemeinsam handeln“, wenngleich „auch jedes Land seinen Beitrag leisten“ solle.

Den Versuch, in Europa und Deutschland bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen, bezeichnete die Kanzlerin als „Transformation von gigantischem, historischem Ausmaß“. Dafür müssten die Gesellschaften „die gesamte Art des Wirtschaften und Lebens des Industriezeitalters verlassen“ und zu „neuen Formen der Wertschöpfung“ kommen.

Obwohl der Klimawandel und die Notwendigkeit der CO2-Reduzierung für sie selbst „eine klare wissenschaftliche Evidenz“ habe, müsse man die Fakten mit den Emotionen derjenigen versöhnen, die Klimapolitik ablehnten. „Das setzt voraus, dass man miteinander spricht“, mahnte Merkel. Die „Unversöhnlichkeit“ müsse überwunden werden. Auch mit den „kontroversesten Gruppen“ brauche es einen Austausch.

Für die deutsche EU-Präsidentschaft im zweiten Halbjahr kündigte Merkel zwei neue Gesprächsformate an. Erstens werde man einen Gipfel mit afrikanischen Staaten anberaumen. Es gehe darum, dass Europa „mit Afrika“ spreche, nicht „über Afrika“. Außerdem werde man erstmals zu einem EU-China-Gipfel einladen. Vielleicht sei es möglich, das chinesische Emissionshandelssystem mit dem europäischen zu verknüpfen, sagte Merkel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare