Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Angela Merkel kündigt kurz vor der Wahl eine neues Bürgschaftsprogramm an.
+
Angela Merkel kündigt kurz vor der Wahl eine neues Bürgschaftsprogramm an.

DIHK sieht Problem mit Wirtschaftsdarlehen

Merkel gegen die Klemme

Kaum geben Bundesbank und das Ifo-Institut Entwarnung in Sachen Kreditklemme, prescht der DIHK mit eigenen Befunden vor: Ein Drittel deutscher Firmen rechnet mit schlechteren Kreditbedingungen. Angela Merkel kündigt ein Bürgschaftsprogramm an.

Berlin. Immer mehr deutsche Unternehmen klagen einer DIHK-Umfrage zufolge über Finanzierungsprobleme.

Fast ein Drittel der Firmen sprach von Verschlechterungen gegenüber dem Vorjahr, wie aus einer aktuellen Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervorgeht, aus der der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag erste Zahlen vorlagen. Insbesondere für den größeren Mittelstand, also Firmen mit 200 bis 500 Beschäftigten, sei die Lage seit dem Frühsommer bedrohlicher geworden. Dagegen habe sich die Situation der Großunternehmen bei Finanzierungsfragen stabilisiert. Hier dürfte nach Einschätzung der DIHK-Experten die eingetretene Entspannung an den Anleihemärkten helfen.

Die DIHK-Kreditumfrage, die beim Treffen von Finanzminister Peer Steinbrück mit führenden Vertretern der Waren- und Kreditwirtschaft am Dienstag eine Rolle spielen wird, zeichnete damit ein etwas anderes Bild als jüngste Berichte von Bundesbank und Ifo-Institut. So hatte die Bundesbank, gestützt auf Umfragen bei Banken, kaum Anzeichen für eine drohende Kreditverknappung gesehen. Das Ifo-Institut hatte zuletzt von abnehmenden Klagen in der Wirtschaft über Kreditschwierigkeiten gesprochen.

Der DIHK dagegen kam auf Basis von 5000 Antworten aus Unternehmen zu dem Ergebnis, dass die Lage sich in den letzten drei Monaten weiter verschlechtert habe. Von einer "Kreditklemme" sprach die Spitzenorganisation der Wirtschaft aber nicht. Nach ihren Zahlen erklärten 30 Prozent der Unternehmen - im Frühsommer waren es noch 23 Prozent - dass sie mir schlechteren Kreditbedingungen zu kämpfen hätten.

Allerdings blieb die Ablehnungsquote bei Kreditanfragen mit drei Prozent konstant. Die Zahl der Firmen, die mit ungünstigeren Entwicklungen und Kreditablehnungen konfrontiert waren, übertraf die Zahl derer, die bessere Konditionen verzeichneten, um 22 Prozentpunkte gegenüber 16 Punkten im Frühsommer.

Betroffen sind den DIHK-Zahlen nach vor allem größere Mittelständler. Dort vergrößerte sich der Abstand zwischen den negativen und den positiven Bewertungen um zwölf Punkte auf 26 Prozentpunkte. "Damit stehen viele mittelständische Firmen vor schwierigen Herausforderungen", folgerten die DIHK-Experten. Bei den Großunternehmen sprachen dagegen inzwischen wieder fast ein Fünftel von besseren Finanzierungsbedingungen. Der Abstand zwischen Negativ- und Positivurteilen lag hier bei elf Punkten.

Hauptsächlich machen sich die schlechteren Bedingungen für viele Firmen in Form steigender Anforderungen an Sicherheiten der Banken bemerkbar. Das gaben zwei von drei befragten Firmen an. 60 Prozent klagten zudem über höhere Zinsen, die ihnen abverlangt werden. Da die schlechtere Auftragslage inzwischen in die Bilanzen der Unternehmen einfließen, erhielten viele Firmen eine schlechtere Bonitätsbewertung (Rating) mit der Folge von Risikoaufschlägen bei Kreditaufnahmen.

Von diesem Effekt sind sogar Firmen betroffen, deren Perspektiven sich inzwischen schon wieder verbesserten. "Selbst von den Betrieben mit besseren Geschäftserwartungen für die nächsten Monate berichtet fast jeder dritte von verschlechterten Kreditkonditionen", hieß es in dem DIHK-Bericht. Die besseren Perspektiven hätten sich oftmals auf das Rating noch nicht niedergeschlagen.

Lesen Sie im Folgenden, wie Angela Merkel die Kreditklemme bekämpfen will

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zur Bekämpfung drohender Engpässe bei der Kreditvergabe ein weiteres Bürgschaftsprogramm angekündigt: "Wir brauchen die Möglichkeit von Bürgschaften nun auch bei Warenkreditversicherern, denn da drückt anscheinend derzeit der Schuh am meisten", sagte Merkel in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der "Wirtschaftswoche". Eine entsprechende Lösung werde bereits in den nächsten Tagen vorgelegt, kündigte die CDU-Politikerin an.

Die Kanzlerin rief die Banken auf, ihre Spielräume zur Kreditvergabe zu nutzen. Natürlich dürfe die Politik "die Banken nicht in neue Risiken treibe, die zu den alten Fehlern führen.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass einige Banken nun ins andere Extrem verfallen und übervorsichtig sind, gerade dann, wenn Unternehmen Kredite besonders dringend brauchen", sagte Merkel.Den USA wirft die Kanzlerin einen unfairen Wettbewerb vor.

Beim G20-Gipfel in Pittsburgh kurz vor der Bundestagswahl solle dies thematisiert werden. "Was wir Europäer dort auch vorbringen werden ist die Sorge, dass die USA die Eigenkapitalvorschriften nach Basel II noch nicht vollständig anwenden, während unsere Banken voll den strengen Regeln unterliegen. Das ist unfairer Wettbewerb", kritisierte Merkel. (rtr)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare